Häufige Fehler

bei der Behandlung von Diabetes

Häufige Fehler bei der Diagnosestellung des Diabetes mellitus

1. Trotz erhöhter Blutzuckerwerte wird häufig die formale Diagnose Diabetes mellitus nicht gestellt.

Leicht erhöhte Blutzuckerwerte werden bagatellisiert. Den Patienten wird oft lediglich mitgeteilt, dass der Blutzucker etwas erhöht ist und dass man das bei der nächsten Generaluntersuchung nochmals kontrollieren will. Dadurch kann eine zu lange Zeit verstreichen bevor die therapeutischen Konsequenzen gezogen werden.

2. Spazierengehen während der „Wartezeit“ beim oralen Glukosetoleranztest.

Der Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranztest, OGTT) ist der empfindlichste Test zur Erkennung eines Diabetes mellitus. Viele Patienten „nutzen“ die Zeit zwischen der ersten Blutzuckermessung mit dem anschließenden Glukosetrunk und der zweiten Blutzuckermessung nach 2 Stunden, um außerhalb der Praxis Erledigungen zu machen.  Damit wird die Diagnose Diabetes oft verschleiert, weil durch die körperliche Aktivität der Blutzucker weniger ansteigt als er es sonst tun würde.

 

Häufige Fehler bei der Blutzuckermessung

1. Wenn die Haltbarkeit der Teststreifen überschritten ist und sie falsch gelagert werden.

Dann kommt es oft zu einer Verfälschung der Messwerte. Insbesondere sollte bei der Lagerung eine zu hohe Feuchtigkeit sowie sehr hohe und sehr tiefe Temperaturen vermieden werden.

2. Kalibrierung der Glukosemessung auf Vollblut, Plasma oder Serum oft nicht richtig eingestellt.

Die Kalibrierung der Messgeräte muss richtig eingestellt werden. Z.B. entspricht ein im Plasma gemessener Wert von 200 mg/dl (11,1 mmol/l) einem Serumspiegel von 180 mg/dl. International wird eine Kalibrierung auf Plasmawerte angestrebt.

3. Schmutzige und feuchte Finger verfälschen die Messwerte.

Die Hände müssen vor der Blutzuckermessung gewaschen und abgetrocknet werden. Z.B. führen zuckerhaltige Speisereste zu falsch hohen Messwerten.

4. Besonders reinliche Menschen Desinfizieren die Finger vor der BZ-Messung mit Alkohol.

Das ist nicht gut, weil es die Messergebnisse verfälscht  Bitte nur abwaschen und trocknen.

 

 

Häufige Fehler bei der Behandlung des Typ-2-Diabetes

1. Zu starke Fokussierung auf medikamentöse Behandlung des Typ-2-Diabetes

Der Einfluss einer Lebensstiländerung, insbesondere durch eine diabetesgerechte Kost und vermehrte körperliche Aktivität als Basis der Behandlung des Typ-2-Diabetes wird oft unterschätzt. Dies trifft sowohl für die Erstbehandlung des Typ-2-Diabetes als auch für das oft nur vermeintliche Nichtansprechen von Medikamenten zur Blutzuckersenkung zu.

2. Zu häufig wird nur auf den Blutzucker geachtet.

Beim Typ 2 Diabetes liegen oft auch eine Erhöhung des Blutdrucks und des LDL-Cholesterins vor, deren Einstellung genauso wichtig ist um Gefäß- und Organkomplikationen zu vermeiden.

3. Der Blutzucker wird bei Schwerkranken und auch bei alten Menschen oft zu „scharf“ eingestellt.

Bei Schwerkranken und bei alten Menschen kommt es darauf an, dass der Blutzucker nicht allzu hoch ansteigt, aber insbesondere dass keine schweren Unterzuckerungen auftreten, die diese Menschen gefährden können. Ein HbA1c-Wert von 7,5-8% kann dabei angestrebt werden. Dies trifft auch für Patienten mit kognitiven Einschränkungen (z.B. Demenz) zu und sollte insbesondere bei Insulintherapie beachtet werden.

4. Zu frühe Insulintherapie bei Menschen mit Fettsucht und Typ-2-Diabetes.

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und starkem Übergewicht sollte die Behandlung mit Lebensstilmaßnahmen, oralen Antidiabetika und ggf. GLP-1-Rezeptoragonisten vorrangig sein. Bei Umstellung auf Insulin brauchen sie meist eine hohe Dosis, was zu einer weiteren Gewichtszunahme und damit zu einem gewissen Teufelskreis führt (Insulinmast).

5. Verzögerung einer notwendigen Insulintherapie.

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, deren Blutzuckereinstellung nicht mehr anders zu gewährleisten ist, wird die Insulinbehandlung oft allzu lange hinausgezögert, meist aus der Sorge der Patienten heraus, dass sie damit mehr beeinträchtigt sind. Nach Umstellung auf Insulin und Besserung der Blutzucker-Ergebnisse geht es diesen Patienten aber meist sehr viel besser und sie bereuen im Nachhinein ihr langes Zögern.

 

Häufige Fehler bei der Insulintherapie

1. Die Prüfung des Insulin-Pens wird oft vernachlässigt.

Nur wenn Insulin richtig gespritzt wird kann es auch richtig wirken. Vor der Injektion mit dem Pen sollte man am besten auf eine Dosis von 3 Einheiten einstellen, den Pen mit Nadel nach oben halten und den Druckknopf betätigen um zu sehen ob Flüssigkeit herauskommt. Wenn ja, dann kann die gewünschte Dosis eingestellt und gespritzt werden. Wenn nein, so muss der Vorgang wiederholt werden.

2. Insulin wird allzu oft nur in die „Lieblingsstelle“ gespritzt.

Die Spritzenstellen müssen ständig nach einem bestimmten Muster gewechselt werden. Wenn man zu häufig in die gleiche Stelle spritzt, so kommt es zu Fettgewebsschwellungen unter der Haut, die sich als Hügel abzeichnen. Wenn Insulins in diese Stellen gespritzt wird, so kann es lange dauern bis es tatsächlich ins Blut kommt. Entsprechend kommt es dann zu kaum vorhersehbaren Blutzuckerschwankungen.

3. Insulin wird mit einer falschen Spritze für U-40 bzw.U-100 – Insuline aufgezogen.

Das passiert insbesondere auf Reisen, wenn der Vorrat an Spritzen ausgeht und neue gekauft werden. U-100 ist höher konzentriert: 100 Einheiten pro ml, bei U-40 sind es nur 40 Einheiten pro ml (Anzeige auf der Spritze). Wenn U-100-Insulin mit einer Spritze für U-40-Insulin aufgezogen wird, dann spritzt man also mehr als die doppelte Menge Insulin, so dass es zu Unterzuckerungen kommt.

 

Die 14 häufigen Fehler bei der Behandlung von Diabetes mellitus wurden von
Prof. Dr. med. Werner A. Scherbaum für Sie zusammengestellt.