Unser Experte für COPD/Raucherlunge – Basics

PROF. DR. MED. DIRK SKOWASCH
skowasch

Spezialisierung:
Leiter der Sektion Pneumologie, Medizinische Klinik und Poliklinik II am Universitätsklinikum Bonn, Schwerpunkte Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie, Pneumologie
Herz- und Lungenerkrankungen, COPD / Behandlung der Raucherlunge, Pulmonale Hypertonie, Schlafapnoe.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Dirk Skowasch zum Thema “COPD und Raucherlunge”

Was bedeutet COPD? Was verbirgt sich hinter den Buchstaben?

COPD ist eine sehr häufige Volkskrankheit. In Deutschland sind zum Beispiel 7 bis 8 MillionenMenschen betroffen oder anders ausgedrückt, jeder Achte über 40 Jahre hat eine COPD.COPD ist jetzt schon die 4. häufigste Todesursache weltweit.Hinter den Begriff COPD verbirgt sich der englische Ausdruck „chronicobstructivepulmonarydisease“.Auf Deutsch bedeutet es chronische obstruktive Lungenerkrankung.C bedeutet, dass eine chronische bzw. dauerhafte und meist fortschreitende Erkrankung vorliegt, bei der eine echte Heilung in der Regelnicht möglich ist.O steht für obstruktiv und besagt, dass die Atemwege verengt sind und dieses verursacht die Atemnot. P steht für pulmonary, also die Lunge betreffend.D ist disease und steht im englischen für Krankheit.Es handelt sich um eine entzündliche  Erkrankung der Lunge, die zur Schleimhautschwellung,vermehrte Schleimproduktion und zur Verengungen der Atemwege führt.

Was sind die Ursachen für eine COPD?

Hauptursache in über 90 Prozent der Fälle für die COPD ist in Deutschland das Zigarettenrauchen. Hierzu zählt auch das Passivrauchen. Deswegen spricht man umgangssprachlich auch von Raucherhusten oder Raucherlunge. Es gibt auch andere Ursachen, wie Staubbelastungen oder Gasbelastungen am Arbeitsplatz. Diese können auch eine Rolle spielen, stehen in Deutschland jedoch nicht im Vordergrund. Das bedeutet, dass die COPD eigentlich vermeidbar ist. Wichtig ist auch, an einenAlpha-1-Antitrypsin-Mangel zu denken, also eine genetische Erkrankung, die in den seltenen Fällen auch eine Rolle spielen kann.

Welche sind die typischen Symptome der COPD?

Die Symptome entwickeln sich langsam über Jahre. Typisch sind die sogenannten AHA-Symptome. A steht für Auswurf, also Schleim aus den Atemwegen, der ausgehustet. H steht für Husten, der vor allem früh morgens auftritt. Und das zweite A für Atemnot, derentsteht, weil sich die Atemwege mehr und mehr verengen. Dabei können auch Geräusche beim Atmen entstehen. Typisch sind Brummen oder Giemen beim Ausatmen. Problematisch ist, dass die Beschwerden so schleichend entstehen und daher von dem Betroffenen nicht ernstgenommen werden, so dass die COPD oft erst spät erkannt werden. Ein anderer Grund für die späte Diagnose ist, dass die Patienten den Husten für einen harmlosen Raucherhusten halten und die Atemnot solange verdrängen, bis sie alleine nicht mehr zu Recht kommen.

Wie wird eine COPD diagnostiziert?

Neben den Symptomen sind die Ergebnisse der Lungenfunktion, wir sagen dazu Spirometrie, entscheidend. Es handelt sich hierbei um eine ganz einfache und relativ schnelle Untersuchung. Der Patient führt dabei über einen Mundstück bestimmte Atemkommandos durch. Der Arzt erkennt dabei, ob der Ausstrom der Atemluft und das Lungenvolumen normal oder eingeschränkt sind. Die sogenannte Ganzkörperplethysmographieist eine große Lungenfunktionsdiagnostik. Diese führt der Lungenfacharzt in einer großen Kabine durch, die an eine Telefonzelle erinnert.Dabei kann die Lungenfunktion noch genauer untersucht werden. Es ist wichtig, die COPD möglichst frühzeitig zu erkennen und nicht im Spätstadium, um die Erkrankung günstig beeinflussen zu können und die Beschwerden besser behandeln zu können.

Was unterscheidet Asthma von COPD

Bei Asthma reagieren die Atemwege überempfindlich und sind zeitweise ähnlich wie bei der COPD verengt. Da aber die Behandlung ganz unterschiedlich ist, muss die Diagnose sichergestellt werden. Asthma ist sehr anfallartig, COPD ist eher dauerhaft. Die Atemwegsverengung bei Asthmatiker ist umkehrbar bzw. reversibel. Bei der COPD liegt eine dauerhafte Verengung vor, die nur zum Teil beinflussbar ist. Asthmatiker sind in der Regel eher jünger, haben weniger geraucht, häufiger spielen Allergien eine wichtige Rolle. Patienten mit COPD sind eher älter und haben mehr geraucht. Aber auch Asthmatiker rauchen, daher gibt es auch Mischbilder zwischen COPD und Asthma. Wir sprechen daher neuerdings von ACOS = Asthma-COPD -Overlap –Syndrom.

Was ist eine akute Exazerbation?

Die akute Exazerbation ist ein akuter Krankheitsschub, sowas wie ein Herzinfarkt der Lunge. Dabei nehmen Beschwerden wie Atemnot, Husten und Auswurf rasch zu und die Lungenfunktion wird schlechter. Jede Exazerbation ist für den COPD-Patienten gefährlich und kann auch zu einer langfristigen Verschlechterung der Lungenfunktion und Belastbarkeit führen. Daher ist es wichtig,die Exazerbation zu vermeiden, frühzeitig zu erkennen und dann rasch einer Therapie zuzuführen. Auslöser sind häufig Infekte der Atemwege, die vor allem im Herbst oder im Winter auftreten. Häufig finden sich auch keine Ursachen für die Exazerbation.

Wie wird die COPD behandelt?

Wir haben im Wesentlichen zwei Therapieziele. Erstens die Symptome sollen gelindert werden. Zweitens der Verlauf der COPD bzw. die Prognose des Patienten sollen günstigbeeinflusst werden. Die allerwichtigste Maßnahme ist, die Ursachen zu vermeiden. Also beim Rauchen der Verzicht auf Zigaretten. Der nächste wichtige Baustein der Therapie ist diemedikamentöse Therapie, allen voraninhalative Medikamente, die die Bronchien bzw. die Atemwege erweitern und so die Atemnot lindern. Basis der Dauertherapie sind sogenannte langwirksame Anticholinergika und langwirksameBeta-2-Sympathomimetikum, sie werden täglich inhaliert bzw. eingeatmet. Es gibt heute auch Medikamente, die 24 Stunden wirken, das heißt eine Einnahme einmal am Tag kann schon ausreichend sein. Zudem es gibt Fixstoffe, die beide Wirkstoffe gleichzeitig enthalten. Wichtig dabei ist, dass die Inhalationsgeräte richtig angewendet werden.Nur bei schweren COPD-Verläufen mit häufigen Exazerbationen sollte zusätzlich inhalatives Cortison  eingenommen werden. Zusätzlich sind auch PD4- Inhibitoren wie Roflumilast einzunehmen, die in Tablettenform erhältlich sind. Prinzipiell sollte hier auch eine jährliche Grippeimpfung erfolgen und sowie eine einmalige Impfung gegen Pneumokokken, also die Bakterien die eine Lungenentzündung auslösen können.

Wie erfolgreich ist eine Langzeitsauerstofftherapie? Wer braucht eine Beatmung?

Bei schwerer COPD kann eine Sauerstofftherapie notwendig sein, wenn nicht mehr genügend Sauerstoff in die Lunge kommt. Sauerstoff verbessert oft die Luftnot und kann so lebensverlängernd wirken. Es gibt Sauerstoffgeräte, die der Patient zu Hauseund unterwegs nutzen kann. Wenn zusätzlich ein erhöhter Kohlendioxidgehalt im Blut messbar ist, dann bedeutet es, dass die Atemmuskulatur versagt. In einem solchen Fall kann auch eine nächtliche Beatmung sinnvoll sein. Die sogenannte nicht-invasive Beatmung. Das ist eine Atemmuskelunterstützung durch ein Atmungsgerät, das über eine Nasen- oder Gesichtsmaske verbunden wird. Mit dieser Heimbeatmung soll die Lebensqualität und das Überleben verbessert werden.Um zu entscheiden, ob Sauerstoff oder Beatmung oder Sauerstoff und Beatmung, benötigt der Arzt eine Blutgasanalyse, die meist aus dem Ohrläppchen abgenommen wird.

Was bringen Ventile oder Coils?

Wenn bei der fortgeschrittenen COPD bzw. bei einem Emphysem alle therapeutischen Maßnahmen keine Besserungen mehr bewirken, kommt für ausgewählte Patienten eine interventionelle Therapie  in Frage. Dazu gibt es derzeit die größten Erfahrungen mit Ventilen oder Coils. Beide Verfahren werden durch eine Bronchoskopie, also eine Lungenspiegelung in Narkose durchgeführt und dauern etwa 30 Minuten. Die Ventile werden in die Atemwege der besonders kranken Lungenlappen eingesetzt und erlauben das Ausströmen der Luft, jedoch nicht das Einströmen der Luft, dadurch soll sich der betroffene Lungenlappen verkleinern und Platz für die gesünderen Lungenabschnitte machen.Die Coils wirken ganz anders. Sie stellen die Elastizität der Lunge zumindest teilweise wieder her. Ob und wenn ja, welches Verfahren in Frage kommt, hängt von der Lungenfunktion und der Anatomie der Lunge ab.Prinzipiell kann bei beiden Verfahren in vielen Fällen eine relative Verbesserung der Symptomatik erreicht, wenn bei der Patientenauswahl alles passt.

Welche Rolle spielen die Gene?

Ursache für ein Lungenemphysem kann auch der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel sein. Beim Alpha-1-Antitrypsin-Mangel handelt es sich um einen erblich bedingten Defekt, der letztendlich zu einer Zerstörung der Lungenbläschen führt. Da ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel selten ist und die Symptome der COPD ähneln, wird die richtige Diagnose erst recht spät gestellt.Deshalb sollten alle COPD-Patienten einmalig auf Alpha-1-Antitrypsin-Mangel untersucht werden, insbesondere gilt es für jüngere Patienten, die sich testen lassen sollten, die gar nicht oder wenig geraucht haben. Das ist deswegen wichtig, da im Hinblick auf die Therapie beim Alpha-1-Antitrypsin-Mangel das fehlende Schutzprotein Alpha-1-Antitrypsin in Form von Infusionen hinzugefügt werden kann. Das ist dann die sogenannte Substitutionstherapie.

Wie ist der Verlauf der COPD?

Durch die Verengung der Atemwege ist vor allem das Ausatmen erschwert und die eingeatmete verbraucht Luft bleibt in der Lunge gefangen. Die Lunge überbläht. Es entsteht das sogenannte Emphysem. Diese Überblähung beim Emphysem führt zu weiteren Zerstörung der Wände der Lungenbläschen und auch der elastischen Fasern der Lunge. In der Konsequenz ergibt sich eine Abnahme der Gasaustauschfläche  mit erschwerter Sauerstoffaufnahme. Gleichzeitig führt diese Überblähungzu einem tiefstehenden Zwerchfell (das ist der wichtigste Atemmuskel, der durch diese Überdehnung nur noch ineffizient an der Atemarbeit teilnehmen kann. Durch COPD und Emphysem entsteht daher zunächst bei BelastungAtemnot und später auch schon in Ruhe. Häufig geraten diese Patienten mit COPD in einen Teufelskreislauf, das heißt aufgrund der Atemnot schont sich der Patient, statt sich zu Bewegen. Dies führt zu weiterer Verschlechterung  der Ausdauer und dadurch kann Atemnot bei noch geringeren Belastungen entstehen. Dabei wird die COPD nicht mehr als reine Lungenerkrankung, sondern als komplexe Systemerkrankung gesehen und die Ärzte kümmern sich um Begleiterkrankungen wie Muskelabbau, Depressionen.

Wie lässt sich eine akute Exazerbation vermeiden?

Man kann die Anzahl der Exazerbationen vermindern durch eine optimale Therapie der COPD. Dazu gehören vor allem die inhalative Medikamente wie die langwirksamen Bronchodilatatoren. Aber auch Impfungen gegen  Grippe und Pneumokokken, also gegen Bakterien, die eine Lungenentzündung verursachen. Bei schweren COPD-Verläufen mit häufigen Exazerbation können auch zusätzlich  Cortison zur Inhalation oder PD4-HemmerRoflumilast als Tabletteeingenommen werden. Das Problem dabei ist, dass sich nicht alle Exazerbation vermeiden lassen. Das jede Exazerbation das Risiko für weitere Exazerbationen noch erhöht. Wenn ein solches Ereignis auftritt, sollte der COPD-Patient den Arzt aufsuchen, der die Medikamente überprüft und gegebenenfalls anpasst.  Häufig ist Cortison in Tablettenform für einige Tage notwendig, um die Exazerbation zu therapieren. Bei Fieber oder bei verfärbtem Auswurf als Zeichen eines bakteriellen Infekts, kann auch ein Antibiotikum notwendig sein.

Was kann ich für eine rasche Heilung selber tun?

Am wichtigsten ist es, keine Zigaretten mehr zu rauchen. Es ist nie zu spät mit dem Rauchen aufzuhören. Viele Patienten mit  schwerer COPD zeigen einen erheblichen Gewichtsverlust, der durch fettreiche und hochkalorienreiche Ernährung ausgeglichen werden kann. Anderseits sollten Patienten mit Übergewicht abnehmen, damit das Zwerchfell sich besser ausdehnen kann. Einfach gesagt, ohne Übergewicht atmet es sich besser. Drittens können Lungensport, Atemgymnastik und Rehabilitation die Lungenfunktion verbessern. Lungensport ist wenig belastend, gut an den Möglichkeiten des Patienten orientiert und bringt viel, wenn man regelmäßig mitmacht. Schon wenige Wochen Sport oder Rehabilitation zeigen bei Vielen eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität. Rauchfreiheit, richtige Ernährung und körperliche Bewegung sind wichtige Bausteine der COPD-Therapie.

Was bringt die Lungentransplantation?

Als letzte Möglichkeit bleibt die Lungentransplantation mit einer Spenderlunge. Allerdings ist dieser schwere Eingriff nur selten möglich. Es gibt zu wenig Organe. In Deutschland sind es weniger als 300 Lungentransplantationen pro Jahr. Der Eingriff ist schwer, so dass Krankheiten, die die Erfolgsaussichten des Eingriffs verhindern, das Verfahren ausschließen und dazu gehören unter anderem ein Lebensalter von über 65 Jahren.

Quelle:  Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviewsmit Herrn Prof. Dr. med. Dirk Skowaschzum Thema COPD / Raucherlunge, aufgenommen als Video im März  2015

 


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