Unser Experte zum Thema Herz - Ballondilatation

PROF. DR. MED. BURKHARD SIEVERS
Unser Experte zum Thema Ballondilatation am Herzen

Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Intensivmedizin des Sana-Klinikums Remscheid. Prof. Sievers hat langjährige klinische und wissenschaftliche Erfahrung mit komplexen interventionellen Methoden und mit neuen Stent-Typen wie bioresorbierbaren Stents. Modernste kardiovaskuläre Bildgebung wie hochauflösende Echokardiographie, kardiale MRT und Gefäßultraschall stehen an der Klinik zur Verfügung, um Stents optimal platzieren.

 

Spezialisierungen:
Interventionelle Kardiologie, Kardiovaskuläre Bildgebung, kardiale MRT, Bioresorbierbare Stents und Interventionelle Herzklappen-Prozeduren

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Burkhard Sievers zum Thema “Herz – Ballondilatation”

Was ist ein Stent?

Ein Stent ist ein Maschendraht aus Nitinol oder Titan, der auf einen Ballon aufgesetzt in Engstellen der Herzkranzgefäße positioniert wird, dann aufgeblasen und in die Gefäßwand implantiert wird.

Wann wird die Ballondilatation/Stentimplantation am Herzen eingesetzt?

Die Ballondilatation/Stentimplantation wird am Herzen eingesetzt, wenn Herzkranzgefäß-Engstellen vorliegen, um den Blutfluss der Herzkranzgefäße wieder zu verbessern.

Was ist das Besondere an einer Ballondilatation/Stentimplantation?

Die Ballondilatation/Stentimplantation kann in örtlicher Betäubung über die Leiste oder über die Armarterie durchgeführt werden, ist ein minimal-invasiver Eingriff, der in Einzelfällen die Bypass-Operation ersparen kann und den Blutfluss der Herzkranzgefäße deutlich verbessern kann.

Wie risikoreich ist die Ballondilatation / Stentimplantation an Herzkranzgefäßen?

Die Ballondilatation / Stentimplantation einen Herzkranzgefäßen hat ein sehr geringes Risiko.Die Prozedur wird über die Leiste oder über die Armarterie durchgeführt, somit kann es natürlich zu Komplikationen an der Einstichstelle kommen, zu Blutergüssen. In seltenen Fällen kann es auch sein, dass bei der Positionierung des Stents, beim Aufblasen des Ballons, das Gefäß einreißt oder platzt, das ist aber nur in sehr sehr seltenen Fällen der Fall.

Für wen ist eine Ballondilatation / Stentimplantation nicht geeignet?

Eine Ballondilatation / Stentimplantation ist für Patienten mit Engstellen an mehreren Herzkranzgefäßen und zusätzlichen Begleiterkrankungen, wie Blutzuckererkrankung, nicht optimal. Bei diesen Patienten würde man gegebenerweise eine Bypass-Operation bevorzugen.

Welche Medikamente muss ich nach einer Ballondilatation / Stentimplantation einnehmen?

Nach einer Ballondilatation / Stentimplantation müssen blutverdünnende Medikamente eingenommen werden, das sind in der Regel Blutplättchen-Hemmer, wie Aspirin und andere, Clopidogrel oder Prasugrel oder auch Ticagrelor, die über eine bestimmte Zeit, meist mehrere Monaten (bis zu 12 Monaten) eingenommen werden müssen.

Was ist nach einer Ballondilatation / Stentimplantation zu beachten?

Nach einer Ballondilatation / Stentimplantation sollte sich der Patient körperlich noch ein wenig schonen, insbesondere wenn die Untersuchung oder Intervention über die Leiste durchgeführt wurde, sollte er sportliche Tätigkeiten für ein paar Tage noch meiden. Wenn die Prozedur im Rahmen eines Herzinfarktes durchgeführt wurde, ist ggf. eine längere Ruhepause zu beachten.

Wann kann ich nach dem Eingriff wieder Sport machen?

Nach einer Ballondilatation / Stentimplantation im Rahmen eines Herzinfarktes sollte ich nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt einige Wochen Sport vermeiden. Da wird man langsam wieder im Rahmen der Rehabilitation an den Sport herangeführt. Wenn kein Herzinfarkt vorlag, kann man in der Regel nach wenigen Tagen wieder mit dem Sport beginnen.

Wann wird ein Stent eingesetzt? Was ist zu beachten?

Ein Stent wird immer dann eingesetzt, wenn eine Herzkranzgefäßverengung vorliegt, die umschrieben ist und gut mit einem Stent oder Ballon behandelt werden kann. Zu beachten ist dabei die Gefäßmorphologie, d.h. der Aufbau des Gefäßes, die Gefäßwand, die Länge der Engstelle, die Größe des Gefäßes und die Lokalisation der Engstelle.

Welche Komplikationen können beim Einsetzen des Stents auftreten?

Beim Einsetzen des Stents kann das Gefäß prinzipiell platzen, wenn es sehr verkalkt ist und sehr verengt ist, dann man muss es sehr vorsichtig machen. Der Stent wird auf einen Ballon aufgesetzt, in der Engstelle positioniert und dann aufgeblasen mit etwa 4-6-fachen Autoreifendruck, die Gefäße sind aber sehr elastisch; das Platzen des Gefäßes passiert sehr sehr selten und man muss dann natürlich entsprechende Maßnahmen ergreifen, um das Gefäß wieder abzudichten.

Was sind bioresorbierende Stents? Für wen sind sie geeignet?

Bioresorbierbare Stents sind wiederauflösende Stents, die in der Gefäßwand implantiert werden (ebenfalls auf einen Ballon aufgeladen) die sich aber innerhalb von 2 bis 3 Jahren wieder komplett auflösen. Man benutzt diese Stents insbesondere bei jüngeren Patienten oder bei isolierten Herzkranzgefäßverengungen.

Welche Langzeiterfahrungen haben Sie mit Stents?

Ich selbst implantiere Stents seit über 15 Jahren, so dass ich auf eine relativ lange Erfahrungsstrecke zurückblicken kann. Die Stentimplantation ist eine hervorragende Methode, um Herzkranzgefäße auch dauerhaft offenzuhalten. Es kommt in Einzelfällen zu Wiedereinengungen in anderen Gefäßbereichen oder am Stent-Anfang oder am Stent-Ende, in seltenen Fällen auch im Stent selbst. Man kann hier abermit einem weiteren Stent nachbehandeln oder aber mit einem Ballon aufdehnen.

Wie bemerke ich als Patient eine Aortenklappen-Stenose?

Auch Herzklappenfehler können mit Stents behandelt werden. Einengungen des Auslassventils des Herzens, die sogenannte Aortenklappen-Stenose kann beispielsweise mit einem Stent behandelt werden, minimal-invasiv über die Leiste.

Wie wird eine Aortenklappen-Stenose sicher diagnostiziert?

Eine Aortenklappen-Stenose, d.h. also eine Engstelle des Auslassventils des Herzens, wird diagnostiziert durch Auskultation, d.h. Abhören des Herzens, und man hört dann ein entsprechendes Geräusch und mit Ultraschallmethoden, mit der Ultraschalluntersuchung des Herzens, wo dann das Auslassventil des Herzens und die Aortenklappen-Stenose sichtbar gemacht werden kann.

Welche Behandlungsmöglichkeiten für eine Aortenklappen-Stenose gibt es?

Für die Behandlung der Aortenklappen-Stenose gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Zum einen die konventionelle operative Methode mit Eröffnung des Brustkorbs und dann Herzklappenersatz, zum anderen die minimal-invasive Methode, wo über die Leisten-Arterie ein Stent in Aortenklappen-Position vorgeführt wird und dann in der Position abgesetzt und implantiert wird.

Welche Frage wird Ihnen sehr häufig von Patienten gestellt?

Patienten fragen immer wieder, ob es möglich ist, durch eine Stentimplantation eine Bypass-Operation zu ersparen. Dies ist in Einzelfällen möglich, wenn isolierte Engstellen an Herzkranzgefäßen da sind, die gut mit einem Stent zu behandeln sind. Wenn es allerdings sehr viele Engstellen an unterschiedlichen Gefäßen sind, muss man die Bypass-Operation erwägen und dann entscheidet man sich im Herzteam für die beste Option für den Patienten.

Welche Antwort ist für Ihre Patienten überraschend?

Viele Patienten sind überrascht, wenn man Ihnen erzählt, dass der Stent mit 2-5-fachem Autoreifendruck in das Herzkranzgefäß implantiert wird und wundern sich dann, warum das Gefäß nicht platzt. Das liegt daran, dass die Herzkranzgefäße aus elastischen Muskelfasern bestehen und das Herzkranzgefäß sehr elastisch ist, so dass es diesem Druck standhält und der Stent mit diesem Druck eben in die Gefäßwand eingesetzt werden kann.

Kann der Stent verrutschen oder wegfliegen?

Ein Stent kann in der Regel nicht verrutschen oder wegfliegen, wenn er mit dem Ballon in die Gefäßwand implantiert wird. Der Stent wird in der Regel mit 2-5-fachem Autoreifendruck in die Gefäßwand gepresst, so dass er dort sehr fest ist und in der Folge nicht verrutschen kann. Es kann allerdings passieren, dass ein Stent beim Setzen und beim Positionieren vom Ballon abrutscht und dann im Gefäß disloziert. Dann muss man ihn mit einer Schlinge bergen, auch das gelingt.

Quelle:  Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Prof. Dr. med. Burkhard Sievers Thema Herz – Ballondilatation, aufgenommen als Video im November 2015

Schwerpunkte der Klinik:

Herzinfarkt, Herzkranzgefäßverengung, Stenose der Herzkranzgefässe, Stentimplantation, Gefäßaufweitung, Ballonaufweitung, Ballonaufdehnung, Behandlung von Engstellen der Herzkranzgefäße, Herzkranzgefäßerkrankungen, koronare Herzerkrankung, Angina pectoris, thorakales Druckgefühl, Brustenge, bioresorbierbare Stents, wiederauflösende Stents, sich auflösende Stents, neue Stents, drohender Herzinfarkt, minimalinvasiver Behandlung des Herzens, Herzklappentherapie, minimalinvasiver Behandlung von Herzklappenerkrankungen, Aortenklappe, Aortenklappenstenose und Behandlung der Herzklappe durch Stent.


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