Unser Experte für Herzklappen-OP – Basics

PROF. DR. MED. HEINZ GÜNTHER JAKOB
jakob

Spezialisierungen:
Herz-Chirurgie (Klappen, Bypass), Gefäß-Chirurgie, Schlüsselloch-Operationen

Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie am Universitätsklinikum Essen, Facharzt für Thorax- und Kardiovaskular-Chirurgie,  Klinische und wissenschaftliche Schwerpunkte sind unter anderem Herzoperationen, Herzklappen- und Bypass-Operationen sowie endoskopische Klappenoperationen (Schlüsselloch-OP).

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Jakob Heinz Günther zum Thema “Herzklappen-OP”

Was sind Herzklappen und wie funktionieren sie?

Herzklappen sind Bestandteil des Herzens, das wiederum eine Druck-Saug-Pumpe ist und durch Ventile den Blutfluss nach vorne reguliert. Wir haben vier Herzklappen: zwei zwischen den Herzvorhöfen und den Herzkammern und zwei am Auslass der Herzkammern, einmal rechtsseitig in den Lungenkreislauf und linksseitig in den Körperkreislauf. Wenn diese Ventile nicht funktionieren tritt unmittelbar eine Erkrankung des gesamten Systems auf.

Welche Störungen der Herzklappen können auftreten?

Es können grundsätzlich angeborene Herzfehler vorliegen, die bereits im Neugeborenenalter im Regelfall durch spezialisierte Kinderherzchirurgen behandelt werden. Im Erwachsenenalter treten sogenannte erworbene Herzklappenfehler auf, die zum einen in einer Undichtigkeit der Klappe bestehen können oder aber umgekehrt in einer Verengung, meist bedingt durch degenerative Prozesse mit anschließender Verkalkung. Gelegentlich kann auch ein Kombinationsproblem vorliegen, einer undichten aber verengten Herzklappe.

Was sind die Ursachen für Herzklappen-Erkrankungen?

Früher musste in erster Linie an das rheumatische Fieber und daran anschließende degenerative Prozesse gedacht werden. Heute sind es am ehesten degenerative Verschleißprozesse im Verlauf von Jahrzehnten, zum Beispiel bei einer kleinen angeborenen Variante an der Aortenklappe, die nur zwei statt drei Taschen hat. Es können auch entzündliche Prozesse vorliegen oder funktionelle Herzklappenerkrankungen, bedingt entweder durch einen Herzinfarkt oder einen Muskelerkrankung des Herzens, was letztendlich zu einer Gefügeerweiterung des gesamten Herzens führt, mit Ausdehnung auch des Klappendurchmessers und daraus resultierender Undichtigkeit der Klappe.

Welche Symptome deuten auf einen Herzklappenfehler hin?

Wenn ein Patient plötzlich ohnmächtig wird, Schwindelattacken erleidet oder Herzschmerzen, zum Beispiel ausstrahlende Schmerzen in den linken Arm erleidet, muss nicht unbedingt ein Herzinfarkt vorliegen, es kann sich auch um eine sogenannte Aortenklappen-Stenose handeln, das heißt eine Verengung der Aortenklappe. Wenn Luftnot auftritt oder gar Luftnot plus Wassereinlagerung in den Beinen zu sehen ist, deutet das auf eine Erkrankung der Mitralklappe und oder der Trikuspidalklappe hin.

Wie werden Herzklappen-Erkrankungen diagnostiziert?

Wenn Sie aufgrund der geschilderten Symptomatik zum Hausarzt gehen, werden Sie mit dem Stethoskop untersucht und das Herz abgehört. Hier kann der Hausarzt pathologische Geräusche feststellen und würde Sie dann zum Facharzt, dem Kardiologen schicken, um dann eine spezielle Untersuchung mittels Ultraschall vorzunehmen. Diese sogenannte Echokardiografie erfolgt entweder transthorakal, das bedeutet der Schallkopf wird auf den Brustkorb aufgelegt oder aber es wird ein Schallkopf geschluckt und im sogenannten transösophagealen Echokardiogramm können die Herzklappen perfekt dargestellt und diagnostiziert werden. Das ist die wesentlichste Untersuchung zur Feststellung einer Herzklappenerkrankung.

Wie werden akute Herzklappen-Erkrankungen behandelt?

Eine akute Herzklappenerkrankung ist im Regelfall ein Notfall. Es handelt sich hierbei zum Beispiel um den Abriss eines Papillarmuskels an der Mitralklappe während eines Herzinfarktgeschehens oder aber eine entzündliche Perforation, zum Beispiel im Bereich der Aortenklappe. Wenn nun die daraus resultierende Undichtigkeit groß ist, tritt unmittelbar Lebensgefahr auf, da das Herz nicht mehr nur nach vorne auswirft, in den Körperkreislauf, sondern auch nach rückwärts, in den Lungenkreislauf. Das könnte zur Folge haben, dass es zur Überflutung der Lunge kommt und zu einem Lungenödem, was unmittelbar lebensbedrohlich ist, das heißt der Patient muss umgehend operativ versorgt werden.

Wann kommt Minimal-invasive Therapie zum Einsatz?

Die minimal-invasiven chirurgischen Therapieformen kommen immer mehr zum Einsatz. Für die Mitralklappe, das heißt die Klappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer, bietet sich das Schlüssellochverfahren an, das heißt es wird ein kleiner knapp 5cm großer Hautschnitt rechts am Brustkorb, bei Frauen knapp unterhalb der rechten Brust, angelegt und mithilfe von optischen Instrumenten kann man dann die Herzklappe exakt einstellen, untersuchen und operieren. Natürlich muss die Herzlungenmaschine hierfür angeschlossen werden, was über eine Miniinzision in der Leiste stattfindet. Ziel dieser Operationsform ist sooft wie möglich eine Rekonstruktion, das heißt eine Reparatur der betroffenen Herzklappe durchzuführen. Man kann aber auch, bei stark verkalkter Herzklappe, einen Klappenersatz mit dieser Methode durchführen. Bisher konnten wir das nur für die Mitralklappe und Trikuspidalklappe, das heißt die rechtsseitige Vorhof-Kammer-Klappe durchführen. In jüngerer Vergangenheit können wir das nun auch für die Aortenklappe.

Wann kann die natürliche Herzklappe erhalten werden?

Im Regelfall kann bei einer Undichtigkeit der Herzklappe eine Rekonstruktion vorgenommen werden. Im Bereich der Mitralklappe ist dies in knapp 90% der Fälle erfolgreich. Im Bereich der Aortenklappe ist dies etwas schwieriger, die Erfolgsquote ist nicht ganz so hoch, aber es gibt neue Verfahren, die in der Entwicklung sind und die vielversprechend sind, so dass auch Undichtigkeiten an der Aortenklappe zunehmend rekonstruktiv behandelt werden können.

Welche Arten von künstlichen Herzklappen gibt es?

Grundsätzlich werden zwei Arten unterschieden, zum einen die mechanische Klappenprothese, die aus Kunststoff und Titan besteht und die biologische Herzklappe, die tierischen Ursprung ist. Beide Herzklappen müssen lebenslang beobachtet werden und unterscheiden sich dahingehend, dass die mechanische Herzklappe ein Leben lang hält, aber antikoaguliert werden muss, die biologische Herzklappe im Regelfall keine Antikoagulation benötigt, aber im Verlaufe der Zeit, hier sprechen wir in einer Größenordnung von 15-20 Jahren, bei älteren Patienten ausgetauscht werden muss.

Was müssen Patienten mit einer künstlichen Herzklappe beachten?

Wenn ein Patient eine mechanische Herzklappenprothese erhalten hat, muss er lebenslang antikoaguliert werden, das heißt ein Medikament zur Blutgerinnungshemmung einnehmen. Dieses Marcumar muss regelhaft genommen werden und der sogenannte INR-Wert muss entsprechend eingestellt werden. Dies erfolgt durch Blutentnahmen beim Hausarzt. In jüngerer Vergangenheit kann der Patient sich selbst messen, indem er einen Tropfen Blut in das Messgerät eingibt und den INR-Wert perfekt einstellen kann und insofern eine deutlich verbesserte Unabhängigkeit von der ärztlichen Betreuung erhält.

Eine biologische Herzklappe muss nur für ca. 6 Wochen antikoaguliert werden bis sie eingeheilt ist, wenn im Anschluss daran ein regelmäßiger Herzschlag vorliegt, kann das Marcumar abgesetzt werden und der Patient benötigt keine weitere medikamentöse Behandlung. Beiden Herzklappen gemeinsam ist jedoch, dass sie ein Fremdkörper sind, das heißt bei Untersuchungen mithilfe eines Bronchoskops oder Koloskops oder bei zahnärztlichen Eingriffen, muss eine sogenannte Endokarditis-Prophylaxe durchgeführt werden, das heißt es muss Antibiotikum verabreicht werden, um eine eventuelle Streuung von Bakterien über die Blutbahn an die Herzklappe zu vermeiden.

Was gibt es heute Neues auf dem Gebiet der Herzklappen-Therapie?

Seit ein paar Jahren sind wir in der Lage, Herzklappe einzusetzen ohne den Brustkorb eröffnen zu müssen und ohne die Herzlungenmaschine anschließen zu müssen. Diese sogenannten Transkatheterklappen können entweder über die Blutbahn in der Leiste bis zum Herzen vorgeführt werden oder aber über einen kleinen Schnitt am linken Brustkorb über die Herzspitze, jeweils in die Aorten-Position.

Welche Neuentwicklungen erwarten Sie in den nächsten 3 – 5 Jahren?

Derzeit können wir herzkathetermontierte Klappenoperationen nur für die Aortenklappe durchführen. Derzeit sind aber viele Teams weltweit damit beschäftigt, auch für die Mitralklappe das Verfahren zu variieren und weiterzuentwickeln, so dass ich damit fest rechne, dass innerhalb der nächsten 1-3 Jahre mit Implantation von biologischen kathetermontierten Mitralklappenprothesen begonnen wird.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Heinz Günther Jakob zum Thema Herzklappen-OP aufgenommen als Video im November 2012


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