Unser Experte für Karotisstenose

PROF. DR. MED. CHRISTIAN ARNING
Unser Experte für Karotisstenose

Professor für Neurologie, langjähriger Chefarzt in der Asklepios Klinik Hamburg-Wandsbek, heute in Privatpraxis in Hamburg. Mitarbeit an der großen S3-Leitlinie „Karotisstenose“, Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

 

Spezialisierungen

Ultraschalldiagnostik zur Schlaganfallvorbeugung, Unterstützung bei der Therapieentscheidung, Ursachenklärung bei Kopfschmerz, Schwindel, Ohrgeräuschen, Diagnostik nicht-atherosklerotischer Gefäßerkrankungen (z.B. Gefäßentzündung)

Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Prof. Dr. med. Christian Arning zum Thema: Karotisstenose

  1. Was ist eine Karotis-Stenose? Wie entsteht sie?

Die Karotisstenose ist eine Verengung der Halsarterie, der A. carotis, die das Gehirn mit Blut versorgt. Häufigste Ursache ist die Atherosklerose mit Kalkablagerungen in der Gefäßwand. Diese Ablagerungen machen das Gefäß eng und beeinträchtigen die Blutzufuhr zum Kopf. Außerdem machen die Ablagerungen die Innenseite der Gefäßwand rauh und unregelmäßig, so dass sich hier – wie an einer äußeren Verletzung – Blutgerinnsel bilden.

  1. An welchen Symptomen erkennt man die Karotis-Stenose?

In den allermeisten Fällen gehen von der Karotisstenose keine Symptome aus – bis zum Eintreten des Schlaganfalls. Wenn man Glück hat, ist der erste Schlaganfall klein, mit geringen Symptomen, die sich vollständig zurückbilden. Dann bemerkt man eine vorübergehende Lähmung, eine flüchtige Gefühlsstörung oder Sprachstörung oder Sehstörung. Es kann aber auch sein, dass sich die Karotisstenose gleich mit einem schweren Schlaganfall manifestiert

  1. Welche Risiken hat eine Karotis-Stenose?

Die Karotisstenose ist eine der häufigsten Schlaganfallursachen. Schlaganfälle entstehen zum einen durch Drosselung der Blutzufuhr zum Kopf, zum anderen (häufiger) durch Blutgerinnsel, die sich an der rauhen Gefäßwand bilden. Die Blutgerinnsel lösen sich ab, gelangen mit dem Blutstrom in kleinere Hirnarterien und verschließen die Arterie, wie ein Korken den Flaschenhals.

  1. Welche Therapiemöglichkeiten bestehen bei Karotis-Stenose?

Bei geringgradiger Stenose werden Medikamente eingesetzt: Zum einen Mittel zur Gerinnungshemmung wie ASS, die das Risiko der Gerinnselbildung an der Stenose vermindern, zum anderen Cholesterinsenker, die den Verlauf der Atherosklerose günstig beeinflussen und eine Zunahme der Stenose verhindern sollen. Bei hochgradiger Stenose kann die Verengung durch Operation (von außen) oder durch Katheterbehandlung mit Stent (von innen) beseitigt werden.

Jede Behandlung (ob mit Medikamenten, Operation oder Stent) hat aber auch Risiken. Deshalb muss der Arzt für jeden Einzelfall das Risiko der Karotisstenose und das Risiko der Behandlung sorgfältig gegeneinander abwägen und für betroffene Patienten jeweils den Weg mit dem geringsten Risiko finden: ohne oder mit Medikament, ohne oder mit Operation oder Stent. 

  1. Wie wird die Karotis-Stenose am besten diagnostiziert?

Gefäß-Ultraschall ist die Methode der ersten Wahl – sagt die Leitlinie Karotisstenose. Voraussetzung ist allerdings ein erfahrener Untersucher. Das kleine Ultraschallgerät ist hier also viel besser als die große Kernspin-Maschine, wenn ein Ultraschall-Experte zur Verfügung steht. Das Ultraschallbild hat eine höhere Auflösung als das MRT-Bild und kann Atherosklerose schon im Frühstadium nachweisen.

  1. Wer sollte sich untersuchen lassen?

Gemäß Leitlinie Karotisstenose sollten sich  alle Personen mit Gefäß-Risikofaktoren untersuchen lassen. Das sind zum einen Menschen mit einem familiären Gefäßrisiko, also Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Blutsverwandten, insbesondere bei Eltern, Großeltern und Geschwistern. Zum anderen sollten Menschen mit den Risikofaktoren Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, hohes Cholesterin und Raucher untersucht werden. 

  1. Wann ist eine Operation oder eine Stentbehandlung notwendig?

Eine Karotisstenose sollte durch Operation oder Stentbehandlung beseitigt werden, wenn sie bereits zu einem leichten Schlaganfall geführt hat – um einem weiteren, schweren Schlaganfall vorzubeugen. Da das erste Ereignis bereits ein schwerer Schlaganfall sein kann, sollten gefährliche Karotisstenosen vorher erkannt werden. Gefährlich sind Stenosen, die innerhalb eines Jahres deutlich zunehmen. Wenn eine Stenose rasch zunimmt und einen Stenosegrad von mehr als 70% erreicht hat, ist eine Operation oder Stentbehandlung indiziert. 

  1. Welche Therapie ist besser: Operation oder Stent?

Beide Eingriffe haben Risiken. Ultraschall kann dazu beitragen, die beste Behandlung zu finden: bei Stenose in einer Gefäßschleife ist die OP vorteilhaft; bei sehr hoch gelegener Stenose (unter der Schädelbasis) ist die OP schwierig und die Stentbehandlung besser.

Insgesamt hat die Stentbehandlung bei Menschen über 70 Jahre ein höheres Risiko als die Operation; bei jüngeren Menschen ist das Risiko der Stentbehandlung zwar etwas geringer, nach den bisher vorliegenden Daten sind die Langzeit-Ergebnisse aber möglicherweise schlechter: Stenosen können sich ja wieder neu bilden. 

  1. Gibt es Stenosen auch an anderen hirnversorgenden Arterien?

Das Gehirn wird von 2 Arterien auf jeder Seite versorgt: der vorderen A. carotis und der hinteren A. vertebralis oder Wirbelarterie. Auch an den Wirbelarterien können sich Stenosen entstehen und Schlaganfälle ausgelöst werden. Diese Gefäße müssen also mit untersucht werden. Die Ultraschalluntersuchung der Wirbelarterie ist schwieriger, weil Stenosen meist sehr weit unten oder weit oben am Hals lokalisiert sind.

Stenosen gibt es außerdem an den Hirnbasisarterien (im Kopf). Zur vollständigen Ultraschalldiagnostik gehört auch die Untersuchung dieser Gefäße. 

  1. Wenn eine beginnende Atherosklerose gefunden wurde: was kann man tun?

Wichtig ist die Ausschaltung und Behandlung aller Gefäß-Risikofaktoren: Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Zigarettenrauchen. Bei erhöhtem Cholesterin ist für jeden Einzelfall und abhängig vom Ultraschallbefund zu prüfen, ob Cholesterinsenker indiziert sind oder ob Ernährungsumstellung ausreicht. Mittel zur Gerinnungshemmung wie ASS sind bei beginnender Atherosklerose noch nicht indiziert, sondern erst bei Stenosen ab etwa 30%. 

  1. Warum ist es wichtig, den genauen Verengungsgrad festzustellen?

Der genaue Verengungsgrad ist wichtig für die Therapieentscheidung, z.B. die Frage der Operation. Außerdem ist der Verengungsgrades wichtig, um ein Fortschreiten der Stenose im Verlauf zu erkennen: besonders gefährlich ist ja eine rasch zunehmende Stenose. 

  1. In welchen Abständen sind Verlaufsuntersuchungen notwendig?

Die Leitlinie Karotisstenose empfiehlt bei Nachweis einer Stenose die Kontrolle nach einem halben Jahr, bei stabilem Befund sind dann jährliche Kontrolluntersuchungen ausreichend. Wenn Stenosen zunehmen, sind Untersuchungen in kürzeren Abständen notwendig. 

  1. Gibt es Fehlbefunde bei der Diagnostik von Karotis-Stenosen?

Gefäß-Ultraschall ist eine schwierige Untersuchung. Deshalb gibt es nicht selten Fehlbefunde bei der Diagnostik von Karotis-Stenosen, insbesondere bei der Abschätzung des Verengungsgrades – abhängig von der Erfahrung des Untersuchers. Erfahrene Untersucher können sich einer freiwilligen Prüfung unterziehen und ein Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin DEGUM erwerben, das in 3 Stufen ausgegeben wird. Die DEGUM-Stufe III ist die höchste Qualifikation, die nur von sehr erfahrenen Ultraschall-Experten erworben werden kann. 

  1. Gibt es andere Ursachen von Karotis-Stenosen als Atherosklerose?

Stenosen können auch durch Gefäßentzündung entstehen, etwa bei bestimmten rheumatischen Erkrankungen. Auch Gefäßverletzungen durch Schleudertrauma der Halswirbelsäule oder durch Bagatellverletzung bei einer ruckartigen Kopfbewegung können eine Karotisstenose verursachen. Bei Gefäßentzündung oder Gefäßverletzung muss eine völlig andere Therapie als bei Atherosklerose erfolgen (nämlich mit bestimmten Medikamenten), deshalb sollte vor einer Gefäß-Operation mit Ultraschall geprüft werden, ob Atherosklerose oder eine andere Ursache der Stenose vorliegt.


Lebenslauf

LEBENSLAUF UNSERES EXPERTEN
lebenslauf-big-hover';

Lernen Sie unseren Experten kennen. Ein kurzer Überblick über die Karriere des Experten.

Zum Profil

Qualifikationen

QUALIFIKATIONEN DES EXPERTEN
qualifikationen-big-hover';

Unsere Experten sind Kompetenzen auf Ihrem Gebiet und engagieren sich durch Mitgliedschaften.

Zum Profil

Mitgliedschaften

MITGLIEDSCHAFTEN DES EXPERTEN
aemter-big-hover';

Unsere Experten sind Kompetenzen auf Ihrem Gebiet und engagieren sich durch Mitgliedschaften.

Zum Profil