Unser Experte für Unerfüllter Kinderwunsch – Basics

PROF. DR. MED. JAN-S. KRÜSSEL
kruessel

Spezialisierungen:
Unerfüllten Kinderwunsch, Gynäkologische Endokrinologie, Zytokine und Wachstumsfaktoren

Leiter des UniKID Düsseldorf, des interdisziplinären Kinderwunschzentrums an der Uniklinik Düsseldorf. Vorstandsmitglied des Deutschen IVF-Registers sowie der Arbeitsgemeinschaft universitärer reproduktionsmedizinischer Zentren.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Jan-S. Krüssel zum Thema “Unerfüllter Kinderwunsch”

Wann ist die beste Zeit für die Frau, um Kinder zu bekommen?

Das Alter der Frau ist wirklich ganz entscheidend. Die maximale Fruchtbarkeit hat die Frau mit 23 Jahren. Das muss natürlich auch in die Familienplanung passen, in die berufliche Planung passen, aber bis 35 sollte die Familienplanung wirklich angegangen, wenn nicht sogar schon erfüllt sein. Unter 35 sind die Chancen relativ gut. Über 35 werden die Chancen rapide schlechter, weil die Qualität und die Anzahl der Eizellen geringer werden und dann sollte man auch spätestens professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Wann ist die beste Zeit für den Mann, um Kinder zu bekommen?

Meine Herren, die gute Nachricht ist: Die Zeit ist bei Männern nicht der entscheidende Faktor! Spermien werden nämlich, anders als Eizellen, alle drei Monate komplett neu gebildet. Das Alter des Mannes spielt also keine so große Rolle, bei weitem nicht die, wie das Alter der Frau.

Unser Kinderwunsch erfüllt sich nicht – was können wir tun?

Das kommt natürlich ein bisschen auf die Zeit an. Man sollte jedem Paar zugestehen, dass es erst einmal eine gewisse Zeit alleine übt – das macht ja unter Umständen auch Spaß. Aber wenn bei einer Frau unter 35 nach einem Jahr sich der gewünschte Erfolg nicht eingestellt hat, dann sollte spätestens die Frauenärztin oder der Frauenarzt aufgesucht werden. Da können zum Beispiel einfache Untersuchungen gemacht werden und die können die Weichen stellen in die eine oder andere Richtung. Über 35 würde ich Ihnen empfehlen, spätestens nach einem halben Jahr professionelle Hilfe aufzusuchen.

Welche Untersuchungen kann die Frau machen lassen?

Bei der Frau sind das ganz einfache Untersuchungen, die meistens die Frauenärztin oder der Frauenarzt schon machen kann: Das ist eine Blutabnahme am Anfang des Zyklus, um eine Basisbestimmung all der Hormone, die im Rahmen der Eizellreifung wichtig sind, durchzuführen. Dazu gehören zum Beispiel auch Schilddrüsenhormone und männliche Hormone. Dann kann man eine Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter und der Eierstöcken machen, um vielleicht leichte Störungen festzustellen, die dann auch im Vorfeld verbessert oder operiert werden können. Und ganz an den Anfang gehört auch das Spermiogramm des Mannes.

Welche Untersuchungen kann der Mann machen lassen?

Für den Mann ist das relativ einfach – das beschränkt sich fast ausschließlich auf die Spermienabgabe. Man kann durch eine Untersuchung des Spermas relativ schnell feststellen, ob dieses Sperma fruchtbar ist oder nicht. Man untersucht unter einem Mikroskop die Anzahl, die Beweglichkeit und die äußere Form der Spermien und kann dann sehr genau sagen, ob es eine gute oder eingeschränkte Chance gibt, mit diesem Sperma auch zur Schwangerschaft zu kommen.

Welche Rolle spielt die Psyche bei der Frau bzw. beim Mann?

Die Bedeutung der Psyche ist etwas, was die Paare sehr stark beschäftigt. Man kann sagen, dass eine Kinderwunschbehandlung Stress verursachen kann, gerade dann wenn die Behandlung nicht beim ersten Mal erfolgreich ist. Andererseits gibt es sehr viele Untersuchungen die alle zeigen, dass der Stress als solches die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit überhaupt nicht beeinflusst. Und das ist, glaube ich, eine ganze wichtige Information für die Paare. Die machen sich nämlich sonst sehr viel Stress und setzen sich dadurch sehr unter Druck. Und wissen gar nicht, dass die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit davon unabhängig ist. Also, man kann sie in der Hinsicht beruhigen, der Stress spielt für den Kinderwunsch keine große Rolle.

Welche Behandlungsmethoden gibt es bei unerfülltem Kinderwunsch?

Das können ganz einfache Methoden sein, wo man dem Paar „nur“ den optimalen Zeitpunkt für den Geschlechtsverkehr mitteilt, durch bestimmte Untersuchung. Das kann aber auch bedeuten, dass eine Spermaprobe aufbereitet wird und in die Gebärmutter eingespritzt wird, zum Zeitpunkt des Eisprungs – das nennt sich eine Insemination.

Wenn die Spermienqualität vermindert ist oder wenn zum Beispiel die Eileiter der Frau verschlossen sind, dann muss man eine künstliche Befruchtung durchführen. Dabei werden die Eizellen stärker zum Wachstum angeregt durch ungefähr 2 Wochen dauernde Hormonspritzen. Und dann können die Eizellen mit einer kleinen Operation, die insgesamt nur 5 Minuten dauert, entnommen werden und außerhalb des Körpers mit den Spermien des Mannes befruchtet werden. Da braucht man im Extremfall nur ein einziges Spermium pro Eizelle, um eine Befruchtung herbei zu führen und dann kann man, 2 oder 3 Tage später, befruchtete und geteilte Eizellen – also Embryonen – in die Gebärmutter der Frau zurück geben.

Was passiert bei der künstlichen Befruchtung?

Bei der künstlichen Befruchtung werden Eizellen der Frau entnommen. Das macht man mit einer kleinen Operation, wobei durch die Scheide mit einer Nadel in den Eierstock eingestochen wird und die Eizellen abgesaugt werden. Kein großer Eingriff, er dauert ungefähr 5 Minuten. Dann kann man die Eizellen außerhalb des Körpers mit den Spermien des Mannes zusammen bringen und da gibt es zwei verschiedene Methoden: Wenn genügend Spermien da sind, dann würde man ungefähr 150.000 Spermien mit einer Eizelle in ein kleines Tröpfchen mit Kulturmedium geben und wartet dann einfach ab, ob eines der Spermien es von selbst – wie in der Natur auch – schafft, in die Eizellen einzudringen. Wenn es zu wenig Spermien gibt, dann sucht man sich unter dem Mikroskop eins aus und das wird mit einer kleinen Nadel direkt in die Eizelle eingespritzt. Wie auch immer die Befruchtung zustande kommt, wird man einige Tage nach der Entnahme der Eizellen die befruchtete und geteilte Eizelle – also Embryonen – in die Gebärmutter der Frau zurück geben. Das tut nicht weh; das ist für die Frau ähnlich wie eine ganz normale gynäkologische Untersuchung.

Wie hoch ist die Erfolgsquote bei der künstlichen Befruchtung?

Die Erfolgsquote hängt extrem ab vom Alter der Frau und von der Anzahl und Qualität der Eizellen. Unter optimalen Bedingungen, bei einer Frau unter 30, kann man eine Schwangerschaftsrate von über 40 Prozent erreichen. Wenn die Frau 40 ist, dann ist die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit nur noch bei ungefähr 20 Prozent. Sie sehen also, das Alter der Frau ist auch hier der ganz entscheidende Faktor.

Welche Risiken gibt es bei der künstlichen Befruchtung?

Da kann man die Paare beruhigen, denn wir wissen mittlerweile recht genau, dass es langfristig betrachtet weder für die Kinder noch für die Mütter irgendwelche nennenswerten Risiken gibt. Kurzfristig, im Rahmen der Behandlung, kann es aber dazu kommen, dass die Eierstöcke deutlich größer werden als man das eigentlich wünscht. Das nennt sich eine Überstimulation. Das kann man aber durch Untersuchungen während der Stimulation und durch die Auswahl der Medikamente fast komplett verhindern. Ein weiteres Risiko sind Mehrlingsschwangerschaften: Jede vierte bis fünfte Schwangerschaft, die nach künstlicher Befruchtung in Deutschland entsteht, ist eine Zwillingsschwangerschaft.

Was kostet die künstliche Befruchtung?

Auch diese Frage kann man leider nicht pauschal beantworten. Wir haben zwei verschiedene Versicherungssysteme: Es kommt also zum Einen darauf an, ob das Paar oder einzelne Partner gesetzlich oder privat versichert sind. Bei gesetzlich Versicherten müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein, dass sind zum Beispiel Altersgrenzen und das Paar muss miteinander verheiratet sein. Dann übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Hälfte der Behandlungskosten. Das heißt, das Paar zahlt etwa 1.200 bis 1.500 Euro pro Behandlung. Bei privat Versicherten wird die Behandlung unter bestimmten Bedingungen komplett übernommen. Und es gibt auch Patientinnen, die in Deutschland durch dieses Versicherungsraster fallen, die die gesamten Behandlungskosten selbst tragen müssen.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Jan S. Krüssel zum Thema Unerfüllter Kinderwunsch, aufgenommen als Video im März 2012


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