Unser Experte für Parkinson – Basics

PROF. DR. MED. ALFONS SCHNITZLER
schnitzler

Spezialisierungen:
Parkinson, Bewegungsstörungen, Tiefe Hirnstimulation

Ärztlicher Leiter des Zentrums für Bewegungsstörungen und Neuromodulation des Universitätsklinikums Düsseldorf, Direktor des Instituts für Klinische Neurowissenschaften und Medizinische Psychologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Alfons Schnitzler zum Thema “Parkinson”

Welche Symptome treten beim Parkinson auf?

Die Parkinsonkrankheit äußert sich in Störungen des Bewegungsablaufes. Das heißt, die Patienten haben einen verlangsamten Bewegungsablauf, es fällt ihnen schwerer, feinmotorische Bewegungen durchzuführen. Das merken sie zum Beispiel beim Essen, beim Anziehen, beim Knöpfen. Die Muskulatur wird steifer, was sich auch zum Teil in Form von Schmerzen bemerkbar machen kann. Und bei vielen Patienten tritt auch ein Zittern auf, ein unwillkürliches Zittern, was sich nicht so ohne weiteres unterdrücken lässt.

Kann Parkinson vorliegen auch ohne Zittern?

Häufig haben wir bei der Parkinsonkrankheit ein Zittern und so wird es ja auch von den meisten Personen in der Bevölkerung gesehen. Aber es kann durchaus vorkommen, dass gar kein Zittern auftritt und trotzdem handelt es sich um die Parkinsonkrankheit. Das ist dann vom Spezialisten entsprechend zu diagnostizieren.

Bei wem tritt die Parkinsonkrankheit auf?

Die Parkinsonkrankheit ist eine typische Erkrankung des Alters. Das heißt: je älter wir werden, umso wahrscheinlicher ist es, dass wir an der Parkinsonkrankheit erkranken. Insgesamt, über alle Altersklassen hinweg, haben wir eine Erkrankungswahrscheinlichkeit, eine Häufigkeit von etwa 0,3 Prozent. Bei den über 60-Jährigen steigt die Wahrscheinlichkeit auf über 1 Prozent an, bei den über 80-Jährigen auf über 3 Prozent und je älter wir werden, umso häufiger wird die Parkinsonkrankheit. Es gibt allerdings auch wenige Fälle, die schon bei Personen unter 40 Jahren auftreten. In etwa 5 bis 10 Prozent der Krankheitsfälle ist eben das Erkrankungsalter in diesem Bereich anzusiedeln.

Wie wird die Diagnose Parkinson gestellt?

Die Diagnose der Parkinsonkrankheit ist ein klinische. Das heißt, durch den spezialisierten Facharzt, durch den Arzt für Neurologie, der die Symptome erfragt beim Patienten und der die neurologische Untersuchung durchführt. Dadurch entsteht die klare Verdachtsdiagnose Parkinson. Man kann zusätzlich diagnostische Maßnahmen durchführen: eine Kernspintomographie zum Beispiel des Kopfes, um andere Erkrankungen auszuschließen. Man sieht die Parkinsonkrankheit nicht direkt in der Kernspintomographie. Und darüber hinaus kann man Stoffwechselveränderungen, die bei der Parkinsonkrankheit auftreten, die die Ursache der Parkinsonsymptome sind – nämlich ein Dopaminmangel im Gehirn – durch spezielle nuklearmedizinische Untersuchungen direkt nachweisen.

Wie wird Parkinson behandelt?

Die Behandlung der Parkinsonkrankheit steht im Wesentlichen auf drei Füssen: Zum einen haben wir eine medikamentöse Behandlung, zum anderen eine operative Behandlung und zum dritten eine Behandlung mit Bewegungstherapie, Krankengymnastik und Physiotherapie. Die medikamentöse Behandlung zielt auf den Ersatz des fehlenden Stoffes Dopamin im Gehirn mit verschiedenen Medikamenten. Das können entweder Tabletten sein. Man kann es aber auch in Form einer Pumpentherapie in bestimmten Stadien der Erkrankung durchführen. Die operative Therapie in Form der so genannten Hirnschrittmachertherapie oder Tiefe Hirnstimulation zielt darauf, die Netzwerke im Gehirn, die bei der Parkinsonkrankheit gestört sind, die motorischen Netzwerke, durch gezielte Eingriffe wieder zu verbessern. Hier ist es wichtig, dass das in spezialisierten Zentren stattfindet, weil es zu einer interdisziplinären Zusammenarbeit von verschiedenen Spezialisten, Neurologen, Neurochirurgen, Neurophysiologen, Neuropsychologen usw. kommen muss und es gibt nur wenige Zentren, die das leisten können. Wir in Düsseldorf haben eines der größten Zentren in Europa, wo die Tiefe Hirnstimulation durchgeführt wird. Genauso wichtig wie die geschilderten medikamentösen Therapien und die operative Therapie ist die konsequente Durchführung von Bewegungstherapien, Physiotherapie, Krankengymnastik und zwar ein Leben lang.

Welche Medikamente können die Krankheit stoppen?

Die Parkinsonkrankheit ist ja eine Erkrankung die langsam fortschreitet. Und insofern hat sich die Forschung in den letzten Jahren – und wird sich in den kommenden Jahren – sehr darauf konzentrieren Medikamente zu entwickeln, die zu einem Stoppen der Erkrankung führen. Leider steht eine solche Therapie bisher noch nicht zur Verfügung. Allerdings gibt es seit wenigen Jahren Medikamente, die die Erkrankung, den Verlauf der Erkrankung im langfristigen Zeitverlauf günstig beeinflussen.

Kann man mit Parkinson noch Auto fahren?

Die Frage, ob man als Parkinsonpatient noch Auto fahren kann, hängt ganz vom Stadium der Erkrankung ab – das heißt wie stark die Symptome ausgeprägt sind. Die sind am Anfang sehr leicht und nach vielen Jahren der Erkrankung nehmen die naturgemäß zu. In den ersten Jahren gibt es in der Regel keine Probleme mit dem Auto fahren. Wenn die Symptome zunehmen, muss durch Untersuchungen beim Neurologen festgestellt werden, ob die Fahrtüchtigkeit weiter erhalten ist oder ob das nicht mehr möglich ist. Aber zusammenfassend kann man sagen, dass Parkinsonpatienten eigentlich sehr, sehr lange noch Auto fahren können

Gibt es eine Blutunterzuckerung auf Parkinson?

Anders, als bei vielen anderen Erkrankungen, gibt es für die Parkinsonkrankheit keinen Blutwert oder Blutparameter, der spezifisch verändert wäre. Also, klare Antwort: nein.

Kann man Parkinson operieren?

Die Parkinsonkrankheit kann durch einen operativen Eingriff therapiert werden und zwar mit der Hilfe der so genannten Tiefen Hirnstimulation oder Hirnschrittmachertherapie. Diese Behandlung muss in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Eines dieser Zentren ist unser Zentrum für Bewegungsstörungen und Neuromodulation. Hier bedarf es der interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Experten, insbesondere der funktionellen Neurochirurgen und der spezialisierten Neurologen, Neurophysiologen, Neuropsychologen, damit es zu einer guten Behandlung mit der Hirnschrittmachertherapie kommt. Die Hirnschrittmachertherapie wurde in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt und ist eigentlich als therapeutische Revolution anzusehen. Sie gewährt den Patienten auch in fortgeschrittenen Stadien noch einmal einen erheblichen Gewinn an Lebensqualität. Das konnte auch durch verschiedene klinische Studien in den letzten Jahren, unter anderem hier in Deutschland gezeigt werden.

Ist die Parkinsonkrankheit erblich?

Der ganz große Teil der Parkinsonerkrankungen ist nicht erblich, sie ist wie wir sagen sporadischer Natur. Das heißt jeder von uns hat eine gewisse Wahrscheinlichkeit, mit zunehmendem Alter an der Parkinsonkrankheit zu erkranken. Aber es gibt einen geringeren Anteil von etwa 5 bis 10 Prozent der Patienten, die an einer erblichen Form der Parkinsonkrankheit leiden. Hier hat sich in den letzten Jahren in der Forschung sehr viel getan: Man hat die Veränderungen in den Genen festgestellt. Aber wie gesagt, das betrifft die absolute Minderzahl der Patienten.

Verursacht Parkinson auch Schmerzen?

Die Parkinsonkrankheit kann häufig mit Schmerzen verbunden sein. Nicht selten sind Schmerzen sogar Frühzeichen der Erkrankung. Zum Beispiel einseitige Schulter-Arm-Schmerzen führen den Patienten oft zum Hausarzt und zum Orthopäden und es dauert dann oft ein bis zwei Jahre, ehe er zum Neurologen kommt, wo dann die Parkinsonkrankheit diagnostiziert wird. Aber auch im weiteren Verlauf sind Schmerzen häufig verbunden, zum Beispiel Rückenschmerzen, die dann auch einer speziellen Behandlung bedürfen.

Gibt es frühe Anzeichen für Parkinson?

Bevor die eigentlichen Parkinsonsymptome, nämlich die Bewegungsverlangsamung, die Muskelsteifigkeit und das Zittern auftreten, können andere, so genannte Warnzeichen auftreten. Dazu gehören unter anderem Geruchsminderungen. Das heißt die Patienten riechen nicht mehr so gut wie vorher Parfum oder Kaffee. Dazu können depressive Symptome gehören, die sich über Monate, zum Teil auch Jahre zuvor schon entwickelt haben. Dazu gehören spezielle Schlafstörungen, die sich dadurch äußern, dass der Patient motorisch sehr unruhig ist – nachts während er träumt, ohne das er das merkt. Aber der Partner kann es zum Teil sehr schmerzlich merken. Und dazu gehören auch zum Teil Verstopfungssymptome, die über viele Jahre gehen.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. A. Schnitzler zum Thema Parkinson, aufgenommen als Video im März 2012


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