Unser Experte für Arterieller Gefäßverschluss – Basics

PROF. DR. MED. HUBERT SCHELZIG
schelzig

Spezialisierungen:
Experte für Arterieller Gefäßverschluss – Basics. Gefäßchirurgie, Thoraxchirurgie, Intraarterielle Therapieverfahren

Facharzt für Chirurgie, Gefäß- und Thorax-Chirurgie, Endovaskulärer Spezialist und Chirurg, Direktor der Klinik für Gefäß- und Endovaskular-Chirurgie des Universitätsklinikums Düsseldorf.

 

Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Professor Dr. med. Hubert Schelzig zum Thema Gefäßmedizin – Arterieller Gefäßverschluss

 

 

  1. Thrombose, Embolie, Gefäßverschluss – was ist das?

Also beides endet letztlich in einemGefäßverschluss.Also was da passiert ist, dass an Engstellen von Gefäßen, die entweder präformiert sind oder die im Laufe der Zeitentstehen, wenn man entsprechende Risikofaktoren hat, wie zum Beispiel Rauchen, Diabetes oder auch das Altern, was ein Risikofaktor für Gefäßverkalkungenist.

 

Kommt es zu Gefäßverengung,ist es dann lokal an dieser Verengung, dass das Blut so langsam fließt, dass dort ein Verschluss entsteht.Das wäre dann die lokale Thrombose.Wenn allerdings der Verschluss von einer anderen Stelleim Blutstrom fortgeschwemmt wird und dann an der engsten Stelle hängen bleibt, dann spricht man von einer Embolie.

 

Ganz klassisch ist zum Beispiel, wenn man Herzrhythmusstörungen hat, dann entstehen Thromben im Herzohr und diese werden mit dem Blutstrom fortgeschleppt, solange bis eine Engstelle kommt, wo dieser Embolus hängen bleibt.Die Konsequenz ist immer die Gleiche, dass das abhängigeOrgan oder Gefäß letztlich einen Infarkt bildet.Ganz bekannt ist der Herzinfarkt und das Gleiche kann im ganzen Körper entstehen, an der Niere, an der Leber, an den Beinen oder am Gehirn.

Die Ursache ist letztlich der Gefäßverschluss, der fortgeschleppt ist (=Embolie)

oder lokal entsteht (=Thrombose).

 

 

  1. Welche Organe sind besonders gefährdet?

Besonders gefährdet sind bei Embolien das Gehirn, die Nieren und der Darm.

Was man auch sagen kann ist, dass an zweiter Stelle die Extremitäten gefährdet sind, weil die entsprechend sich immer weiter aufzweigen und die Gefäße immer dünner werden und die Gefahr, dass dort ein Thrombus stecken bleiben, hoch ist.

Also in der Reihenfolge: Gehirn, Extremitäten, Darm, Niere und Leber.

 

 

  1. Wie kommt es zu Viszeral- und Nierenarterienverschlüssen?

Wie der Begriff es selber sagt, ist es ein chronischer Prozess, das heißt durch entsprechende Risikofaktoren, die wir in Mitteleuropa haben, wie zum BeispielRauchen, Diabetes, Fettleibigkeit oder Bewegungsarmut kommt es zu Gefäßentzündungen speziell in diesen Teilen.Viszeral heißt in diesem Fall im Bauchraum. Wenn es zu diesen Verschlüssen kommt, durch diese Entzündungsreaktion an diesen Gefäßen, kommt es zu entsprechenden Infarkten unterhalb dieser Gefäßverschlüsse mit den entsprechenden Konsequenzen, Funktionsverlust und entsprechend dann, wenn man es nicht kompensieren kann, bis zum Tod führen kann.

 

 

 

 

  1. Was ist eine arterielle Verschlusskrankheit im Bein?

Arterielle Verschlusskrankheit bedeutet eine Veränderung, insofern dass die Gefäße ihre Funktion nicht mehr aufrechterhalten können, das heißt, dass kein Blut mehr ins Bein transportiert werden.Mit den entsprechenden Folgen, dass es zu einer Funktionseinschränkung kommt und im weiteren Schritt, wenn keine adäquate Therapie erfolgt, es bis zum kompletten Verlust der Extremität führen kann.

 

 

 

  1. Welche Symptome sprechen für einen arteriellen Gefäßverschluss?

Klassische Symptome im akuten Fall sind, dass plötzlich das Bein wie gelähmt ist, dass man kein Gefühl mehr im Bein hat oder einen kompletten Funktionsverlust hat.

Dieses ist ein absoluter Notfall, dann muss man sofort in eine gefäßmedizinische Klinik gehen, um diesen Beininfarkt zu therapieren.

 

Im chronischen Fall ist es so, dass man merkt, dass man plötzlicheine Funktionseinschränkung in den Beinen hat, das heißt man kann nur eine bestimmte Gehstrecke laufen, dann bekommt man plötzlich Muskelschmerzen, man muss stehen bleiben und kann dann erst wieder weiter gehen.Im fortgeschritten Fall kann es bis zum Absterben der Zehen, weil diese relativ weit unten sind und sekundär zu Gliedmaßenverlust führen.

 

 

  1. Welche venösen Gefäßverschlüsse gibt es? Was ist zu beachten?

Entsprechend der Anatomie hat man oberflächliche und tiefe Venen.Die primär gefährlicheren Gefäßverschlüsse an den Venen  sind diean den tiefen Venen, weil hier Verschlüsse oder Blutpfropfen Richtung Herz fortgeschleppt werden können, was bis zum Verschluss der Lungeführen  kann, die sogenannte Lungenembolie, die auch tödlich enden kann.Dasoberflächliche Venensystem, welches mit den tiefen in Verbindung steht,ist primär nicht gefährlich, wenn es da zum Verschluss kommt.

Es macht Schmerzen oder auch lokale Spannungen.Es wird aber dann gefährlich, wenn die Thrombosen Richtung tiefes System weiter wandern und entsprechend mit den gleichen Konsequenzen zur Lungenembolie führen können.

 

 

  1. Wie kann es zu Gefäßverletzungen kommen?

Also klassischer Weise in Mitteleuropa gibt es die stumpfen Gefäßverletzungen.

Klassisch sind Sportverletzungen oder Unfälle in bestimmten Regionen, die dazu führen, dass es zum Gefäßverschluss mit allen Konsequenzen, also Extremitätenverlust kommen kann.Ganz klassisch sind da Verrenkungen an Gelenken bei Sportlern.Seltener  vor allem in Mitteleuropa sind spitze, scharfe Verletzungen durch Stiche oder Schussverletzungen, die aber selbsterklärend sind.

Im mitteleuropäischen Raum sind  Unfall, Sportunfall, Gelenkverrenkung oder Brüche, bei denen man auf die Durchblutung achten muss, wichtige Punkte.

 

 

  1. Wie wird ein Gefäßverschluss, eine Thrombose diagnostiziert?

Da gibt es einmal die klinischen Hinweise, die man selber als Untersucher sehen kann. Das ist klassisch eine Beinschwellung, das sind Schmerzen, ähnlich wie ein Muskelkater. Da ist eine gewisse Blauverfärbung, wenn es eine größere Thrombose ist und  das sind die einfachen klinischen Zeichen.Heutzutage gehört zu einer ordentlichen Diagnose dahin gehend, dass man auf jeden Fall eine Ultraschalluntersuchung macht und damit unkompliziert und relativ wenig invasiv die Diagnose stellen kann.

 

 

 

  1. Wie wird ein Gefäßverschluss behandelt?

Es gibt verschiedene Wege.Zu einem chirurgisch, wenn das Ausmaß dementsprechend groß ist und man eine Gefäßrekonstruktion machen muss.Dann gibt es klassisch lokale Ausschälungen, Bypassverfahren oder kombiniert mit minimal invasiven endovaskulären Verfahren,wo man im Gefäß die Möglichkeit hat diese Thromben zu operieren oder zu extrahieren bzw. rauszuziehen aus dem verschlossenen Bereich. Und man hat die Möglichkeit lokal, zum Beispiel Gefäßstützen im gleichen Vorgang einzubringen.Es gibt unterschiedliche Methoden, entweder operativ oder minimal invasiv.

 

 

  1. Was ist eine endovaskuläre Therapie? Welche Vorteile bietet sie?

Der Riesenvorteil ist, dass man die Anatomie des Körpers ausnutzt, um an bestimmte Regionen zu kommen und dort lokal zu therapieren.Das heißt, man kann praktisch ferngesteuert von einem Ausgangspunkt fast jeden Teil des Körpers über Mikroinstrumente erreichen und da eine Lokaltherapie – Ausschälung, Stent, Ballondilatation- machen kann.Der Riesenvorteil ist der, dass das Operationsdramaviel geringer ist als das vor zehn Jahren, wo man quasi bestimmte Zugänge nur direkt über einen Schnitt über dem Gefäß machen musste und damit die Therapie erreicht hat.

 

 

  1. Was sind wichtige Risikofaktoren für arterielle Thrombosen?

Also die Risikofaktoren sind in Mitteleuropa relativ eindeutig.Das sind die Risikofaktoren, die unsere Zivilisation mit sich bringt.Da ist an erster Stelle, das Rauchen zu nennen, weil das Rauchen bekanntermaßen die Gefäßinnenwände so stark schädigt, dass es zu lokalen Entzündungen kommt und man dadurch Veränderungen soweit hat, dass sich die Gefäße verschließen.Und auch klassisch sind Diabetes Mellitus, Übergewicht, Bewegungsarmut, Bluthochdruck,(Niereninsuffizienz) und noch andere Erkrankungen, die jetzt aber zu detailliert wären.Die klassischen Risikofaktoren des Mitteleuropäers  spielen bei uns eine ganz wichtige Rolle.

 

 

  1. Kann ich einen Gefäßverschluss vermeiden?

Die meisten Gefäßverschlüsse, die wir sehen, kann man vermeiden, in dem man die Lebensführung entsprechend anpasst, das heißt in anderen Worten, dass man die Risiken, die im Alltag auf uns einprasseln, möglichst in Griff zu bekommen.Da ist an erste Stelle, das Rauchen aufhören zu nennen. Das ist ein ganz essenzieller Punkt, um die Gefäßentzündungen zu verhindern und damit das Fortschreiten der Erkrankung in Griff zu bekommen.Wichtig ist auch Bewegung zu haben, täglich Sport zu machen.Unterm Strich heißt es, einen gesunden Lebensstil zu führen.

Das sind die entscheidenden Punkte, um es zu vermeiden.

 

Für die Patienten, die schon einen Gefäßverschluss haben, gibt es natürlich spezifische  Therapieformen, die man aber auf den einzelnen Fall individuell abstimmen muss.Und insofern ist es eine Frage, die man im Detail beantworten muss, die sich beim Einzelpatienten dann auch stellt.

 

 

 

  1. Gibt es ein familiäres Risiko für arterielle Thrombosen?

Die gibt es: durch bestimmte vererbte Erkrankungen, die die Blutzusammensetzung verändern. Und zwar in die Richtung, dass die Gerinnungskaskademehr als beim Durchschnitt aktiviert wird, so dass es ganz spontan zu Gefäßverschlüssen kommen kann. Das ist einmal, zu nennen.Zum anderen,dass bestimmte Anteile der Blutzusammensetzung, die unabhängig von den Gerinnungsfaktoren auch dazu beitragen, das entsprechende Risiko tatsächlich erhöhen.Das wird auch regelmäßig bei den Patienten nachgesehen, um einfach zu verhindern, dass wenn es in einer Familie auftritt,  mit entsprechenden therapeutischen Maßnahmen, die anderen Angehörigen geschützt sind.

 

 

  1. Was ist ein Aneurysma und was macht es so gefährlich?

Ein Aneurysma ist eine Erweiterung eines Gefäßes.Speziellin der Gefäßchirurgie ist da die Gefäßerweiterung vor allem im Bauch- und Brustraumzu  nennen.Das Gefährliche daran ist, dass das Gefäß hier die zentrale Lebensachse ist.Von dieser Hauptschlagader wird der gesamte Körper versorgt.Das Problem ist, wenn es zu einer bestimmten Erweiterung des Gefäßes kommt (und zwar über fünf oder sechs Zentimeter), dass die Gefäße dazu neigen einzureißen und damit kann man innerhalb kürzester Zeit verbluten.Es ist eine lebensgefährliche Erkrankung.

Und das Bedrohliche ist, dass bei über 80 Prozent der Patienten von diesem Problem gar nicht wissen, weil durch diesen großen Platz, der im Bauch- und Brustraum vorhanden ist, anfangs keine Symptome erscheinen.Entdecken kann man das einmal durch einen Ultraschall, der relativ einfach im Bauchraum durchzuführen istoder durch eine Schnittbild im Brustraum.Das Gefährliche ist, dass die Aneurysmen rupturieren bzw. reißen können.Wenn man es rechtzeitig erkennt, dann kann man es sehr gut therapieren.

 

 

  1. Welche Neuerungen gibt es zurzeit in der Gefäßmedizin?

Wir befinden uns in einer Zeit einer gefäßchirurgisch-medizinischen Revolution, weil die Therapie im Gefäß immer minimal invasiver durchgeführt werden kann und damit Schritt für Schritt die großen Eingriffe am Bauchraum, im Brustkorb, am Bein oder  im Kopfrevolutioniert werden.Insofern ist momentan ganz im Vordergrund, die Therapie so schonend wie möglich zu machen, was uns aber zunehmend möglich ist, durch die neuen Errungenschaften.

 

 

  1. Welche Innovationen erwarten Sie in den nächsten 3-5 Jahren?

Was ganz stark kommt, ist die Therapie der Aortenaneurysmen (= die Erweiterung der Hauptschlagader) im Brust- und Bauchraum.Und der Riesenvorteil daran ist, dass man große Körperhöhlen nicht mehr öffnen muss und nur noch über kleine Ports in der Leiste oder an der Schulter diese großen Operationen machen kann.

Da ist im Moment der Weg vom experimentellen Stadium in das Routineprogramm gebahnt.Wir werden erleben, dass die großen Operationen an den Körperhöhlen zurückgedrängt werden und sich durch die endovaskulären Revolutionen wahrscheinlich ganz erheblichverändern werden, im Vergleich vor zehn Jahren.

 

 

 

Quelle: Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Professor Dr. med. Hubert Schelzig zum Thema Gefäßmedizin – Arterieller Gefäßverschluss aufgenommen als Video im April 2014

 

 


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