Unser Experte für Adipositas/Übergewicht

PROF. DR. MED. HANS HAUNER
hauner

Spezialisierungen:
Adipositas/Übergewicht, Ernährungsmedizin, Endokrinologie und Diabetes

Facharzt für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Endokrinologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin, Inhaber des Lehrstuhls Ernährungsmedizin und Direktor des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Biologie des menschlichen Fettgewebes, Adipositas, Diabetes Typ 2, das Metabolische Syndrom und die Ernährung in der Schwangerschaft.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Hans Hauner zum Thema “Übergewicht”

Wann spricht man von Übergewicht? Wann von Adipositas?

Von Übergewicht spricht man bereits, wenn das Normalgewicht überschritten ist, das heißt bei bereits wenigen Kilo Fett am Bauch beispielsweise liegt bereits ein Übergewicht vor. Das kann, muss aber nicht gefährlich sein. Von Adipositas sprechen wir dann, wenn wirklich zu viel Körperfett vorhanden ist und Gesundheitsrisiken drohen. Wir machen das heute fest mit dem Begriff des Body Mass Index oder BMI. Der Normalgewichtsbereich liegt etwa zwischen 18 und 25, ab 25 sprechen wir von Übergewicht und ab 30 von einer Adipositas, wo dann meistens auch eine Behandlung sinnvoll ist. Ein Beispiel dazu: ein Mann, der etwa 1,80m groß ist, wäre bis zu einem Gewicht von 85kg noch normal, dann beginnt erst das Übergewicht. Und ab einem Gewicht von etwa 95-100kg wäre er dann adipös und muss dann wirklich mit Folgekrankheiten rechnen. Und das ganze hängt also immer von der Größe ab: Es gibt Möglichkeiten das über Tabellen oder über Drehscheiben für sich selbst zu ermitteln.

Gibt es eine familiäre Veranlagung für Adipositas?

Es gibt sicherlich starke familiäre Veranlagungen für Adipositas. Wir wissen, dass Kinder von Eltern, die beide übergewichtig oder adipös sind, ein 4-8x höheres Risiko haben selbst als junge Erwachsene adipös zu werden. Die Frage ist jetzt allerdings, sind das wirklich Erbanlagen, die dafür verantwortlich sind und die von den Eltern weitergegeben werden oder ist es eben auch oder überwiegend der Lebensstil, der innerhalb von Familien geprägt wird und sehr früh ja schon beginnt. Das lässt sich nicht immer unterscheiden, aber sicher ist, beides spielt eine Rolle und beides wirkt auch zusammen.

Welche Rolle spielen Veranlagung und Lebensstil?

Die Veranlagung spielt eine große Rolle. Das sind die Gene, die wir von unseren Eltern erben und wir haben in den letzten Jahren eine Reihe von Genen gefunden, die wahrscheinlich das Risiko für Adipositas erhöhen. Es gibt auch welche, die schützen davor. Wie hoch der Anteil insgesamt ist, ist schwer zu sagen, das liegt irgendwo zwischen 20 und 50%.

Die andere Seite, die wir aber durchaus beeinflussen können, ist natürlich der Lebensstil, der sich in den letzten Jahrzehnten in Deutschland gewaltig verändert hat. Wir haben heute ganz andere Lebensmittel, viele Fertigprodukte, energiereich, energiedicht, die es einem sehr leicht machen, zuzunehmen. Wir sind auch ständig von Nahrung umgeben, meistens eben ungünstige, fettreiche Nahrung, so dass auch hier die Versuchung stets vorhanden ist.

Und auf der anderen Seite haben wir heute wesentlich weniger körperliche Bewegung als jemals zuvor. Nicht zuletzt auch verursacht durch veränderte Freizeitgewohnheiten. Früher sind die Kinder und Jugendlichen meistens im Freien gewesen, haben Sport getrieben, sind rumgetollt, rumgelaufen. Heute sitzen sie allzu oft nur noch vor dem Computer oder dem Fernsehgerät und verbrauchen damit weniger Energie. Das gilt in gewisser Weise ja auch für Erwachsene. Das heißt auch Bewegungsmangel spielt hier eine große Rolle.

Gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern?

Wenn wir uns die Zahlen anschauen, sehen wir diskrete Unterschiede. Die Frauen halten ein normales Körpergewicht länger als die Männer. Der Grund ist klar: Frauen sind sehr stärker figurbewusst als dies üblicherweise bei Männern der Fall ist. Aber bei Frauen beginnt dann, meist ab dem Alter von 40 bis 50 doch ein starker Trend hin zu Adipositas. Bei Männern beginnt das meist 10 Jahre früher, wenn sie im Beruf sind, wenn sie meist keine Zeit mehr für sportliche Tätigkeit haben und dann auch mehr essen als sie sollten. Am Ende gleichen sich aber die Zahlen bei beiden Geschlechtern wieder an und Frauen sind sogar im höheren Lebensalter, jenseits der 70, häufiger von Adipositas betroffen als Männer.

Welche Risikofaktoren führen häufig zu einer Adipositas?

Es gibt klassische Risikofaktoren für Adipositas, die vor allem beim Essen und bei der Bewegung zu sehen sind. Wenn wir jetzt mal bei Kindern beginnen, hier haben wir gute Hinweise, dass vor allem eine Fastfood-Ernährung zur Adipositas beiträgt. Gut gesichert ist auch, dass ein hoher Konsum von zuckerhaltigen Getränken wirklich dick macht. Das ist auch bei uns der Fall und nimmt leider Gottes auch immer stärker zu. Auch das Zwischendurch-Essen, das sogenannte Snacking, ist hier als ungünstig einzuschätzen. Wir sind ja ständig von Imbissen umgeben und da lassen sich doch viele Menschen dazu verführen zuzugreifen und auch das ist ein sehr starker Risikofaktor.

Auch was die Bewegungsseite angeht ist ganz klar, Menschen, die keinen Sport treiben, laufen viel stärker Gefahr zuzunehmen. Sportler, ganz egal welche Sportart, sind stärker vor Übergewicht geschützt. Das sind sicherlich zwei ganz wesentliche Elemente. Was wir auch zum Beispiel sehen ist, dass Stress oder Schlafmangel mehr oder weniger indirekt zur Adipositas beiträgt. Auch das ist ein modernes Phänomen und hier in letzter Zeit stärker beobachtet worden.

Welche krankhaften Auswirkungen kann eine Adipositas haben?

Adipositas kann leider sehr viele krankhafte Folgen haben. Kein Körperorgan ist letztendlich vor diesem Überschuss an Fett geschützt. Das beginnt zum Beispiel im Bereich der Gelenke. Der Gelenk- und Stützapparat muss ja dieses Gewicht tragen. Es kommt zum vorzeitigen Verschleiß zum Beispiel der Kniegelenke, aber auch die Wirbelsäule wird stärker belastet. Die Folge sind Rückenschmerzen. Es entsteht auch ein erhöhtes Risiko für Krampfadern, für Varikosis.

Daneben betrifft Adipositas aber auch den Stoffwechsel sehr stark. Es ist der wichtigste Risikofaktor für den Typ-2-Diabetes, aber auch andere Stoffwechselstörungen wie zum Beispiel den Lipidstoffwechsel. Adipositas fördert auch Bluthochdruck und am Ende Herzinfarkt und Schlaganfall.

Und was wir in den letzten Jahren auch immer stärker gesehen haben ist, dass Adipositas mit der wichtigste Risikofaktor ist für bestimmte Krebserkrankungen, zum Beispiel Dickdarmkrebs, Brustkrebs, auch Leber- und Nierenkrebs. Da gibt es offensichtlich auch ganz starke Zusammenhänge. Und der neueste Punkt, der in der Wissenschaft diskutiert wird, ist, dass Adipositas auch das Auftreten einer Neurodegeneration fördert, das ist sozusagen der Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit beim älteren Menschen, der dann zu Demenz führt, zu Alzheimer-Demenz beispielsweise. Auch das wird durch Adipositas mit gefördert.

Wie wird eine Adipositas diagnostiziert?

Eine Adipositas lässt sich im Grunde sehr leicht diagnostizieren. Meistens genügt bereits die Blickdiagnose. Wir wollen es aber dennoch genauer wissen und bestimmen deshalb Körpergröße und -gewicht, daraus lässt sich dann der sogenannte Body Mass Index berechnen, der für uns das beste Maß ist, um sozusagen den Schweregrad und die Risiken abzuschätzen.

Daneben ist aber auch wichtig zu wissen, wo sind die überschüssigen Pfunde verteilt. Hierzu misst man den Taillenumfang. Wenn der stark vergrößert ist, heißt das ein besonders hohes Risiko für die gesamten Komplikationen. Wenn das überschüssige Fett mehr im Oberschenkelbereich sitzt, ist es weitaus weniger schädlich, kann sogar schützend sein. Und das hat dann natürlich auch Auswirkungen auf die Notwendigkeit einer Behandlung.

Wie wird eine Adipositas behandelt?

Die Behandlung der Adipositas ist heute eigentlich sehr gut entwickelt. Es gibt verschiedene Elemente, die man dann sinnvollerweise kombiniert. Das Erste ist zunächst mal die Ernährungstherapie, das ist auch mit die Hauptursache und hier erreicht man auch meist den größten Erfolg. Dann ist aber auch wichtig, die Bewegung zu steigern, also Bewegungstherapie. Ein drittes Element ist die Verhaltensänderung, Verhaltensmodifikation. Es sind oft auch Verhaltensfehler, die dazu beitragen können. Dann gibt es auch noch Medikamente und wenn das Übergewicht sehr stark ausgeprägt ist, dann stehen auch chirurgische Techniken zur Verfügung, um bei extremem Übergewicht auch noch erfolgreich zu sein.

Wie wirksam ist eine medikamentöse Behandlung?

Es gibt leider im Augenblick keine wirklich guten Medikamente zur Behandlung der Adipositas, obwohl man sich seit Jahrzehnten darum bemüht, solche Medikamente zu entwickeln. Derzeit sind vor allem zwei Medikamente auf dem deutschen Markt erhältlich und haben eine gewisse Berechtigung. Das eine ist der Lipasehemmer Orlistat, der im Dünndarm die Fettverdauung stört. Mit dem Ergebnis, dass das Nahrungsfett nicht aufgenommen werden kann in den Körper, sondern über den Stuhl wieder ausgeschieden wird. Damit geht Energie verloren und das Gewicht sinkt etwas – im Durchschnitt sind das vielleicht 2-3kg und hängt davon ab, wie fettreich sich jemand ernährt. Das zweite Medikament, das in Deutschland stärker verbreitet ist, heißt Alvalin. Es wirkt im zentralen Nervensystem, ist eine Art Appetitzügler, der aber auch den Energieverbrauch erhöht. Diese Substanz ist etwas stärker, was die Gewichtsreduktion angeht. Größenordnung etwa 4kg im Durchschnitt. Hat aber vielleicht etwas stärkere Nebenwirkungen. Man muss hier vor allem aufpassen, dass der Blutdruck nicht ansteigt und dieses, aber auch das andere Medikament sollte man deshalb nur nach Absprache mit seinem Arzt einnehmen. Beide Medikamente sind nicht frei von möglichen Nebenwirkungen.

Was kann ich selber tun, um mein Übergewicht zu verringern?

Nun das Beste wäre natürlich, wenn man Übergewicht erst gar nicht entstehen lässt. Wir sehen ja, das entwickelt sich meistens schleichend, bei manchen beginnt das schon in der Jugend, bei manchen erst im jungen Erwachsenenalter. Wichtig ist deshalb zunächst mal, sein Gewicht ein bisschen zu kontrollieren – das tun viele Menschen sowieso – aber wenn man sieht, das Gewicht steigt an, dann sollte man sich wirklich auch Gedanken machen, ob seine Ernährungsweise oder ob die körperliche Aktivität wirklich ausreichen oder sich verändert haben. Und dann kann man sich früh schon beraten lassen oder sich selbst überlegen, wo man unter Umständen Energie einspart. Es ist vergleichsweise einfach, das zu überprüfen.

Wir sehen vor allem bei jungen Menschen, dass sie häufig keine geregelten Essenszeiten mehr haben, dass sie häufig spontan essen, oft nach Gelegenheit konsumieren – das sind dann meistens auch fettreiche kalorienreiche Fastfood-Produkte. Wenn man das reduziert, weglässt oder ersetzt durch gesündere Alternativen, wie zum Beispiel Obst, dann kann man eigentlich selbst frühzeitig dagegen steuern.

Gleiches gilt für Bewegung. Es ist sicher sinnvoll, nicht nur wegen des Übergewichts, sich regelmäßig zu bewegen. Viel zu Fuß gehen, Fahrrad fahren, Treppen steigen. Das sind ganz einfache Maßnahmen, die aber wirklich einen Beitrag leisten gegen eine Gewichtszunahme und wenn man früh genug damit beginnt, kann man dieses Problem wirklich vermeiden.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Stress und Übergewicht?

Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Stress und Übergewicht. Was wir heute ja zunehmend sehen, ist eine chronische Stressbelastung vieler Menschen, zum Beispiel durch Arbeitsverdichtung, aber auch durch finanzielle Probleme und da zeigen viele Studien, dass das offensichtlich auch das Risiko für Gewichtszunahme erhöht. Die Leute achten nicht mehr so sehr auf ihre Ernährung und ihre gesunde Lebensführung und laufen dann Gefahr zuzunehmen. Es gibt aber auch Menschen, die bei Stressbelastung eher den Appetit verlieren und dann abnehmen, das heißt man kann das nicht verallgemeinern. Dennoch ein Beispiel: man hat zum Beispiel in einer Untersuchung gesehen, dass jemand, der seinen Arbeitsplatz verliert, Gefahr läuft, im Folgejahr etwa 5kg zuzunehmen. Und das zeigt natürlich, dass Stress für die Gewichtskontrolle ein ganz wichtiger Einflussfaktor ist.

Welche Leistungen übernimmt die Krankenkasse?

Adipositas ist in Deutschland leider nicht als Krankheit anerkannt, das heißt die Kassen sind nicht verpflichtet, manche sagen sogar, sie dürfen solche Therapien nicht bezahlen. Sie scheuen sich auch, weil klar ist, es gibt so viele adipöse Menschen und eine Bezahlung solcher Therapieleistungen würde die knappen Budgets noch mehr belasten. Aber in den letzten 2-3 Jahren zeigt sich doch, dass die Krankenkassen verstanden haben, dass sie vielleicht doch mehr anbieten müssen, denn es ist oft nur eine Frage der Zeit, wann aus der Adipositas dann viele andere Folgekrankheiten entstehen, die dann richtig teuer sind, wie zum Beispiel Typ-2-Diabetes oder Krebs oder Herzinfarkt.

Es gibt zumindest Diskussionen darüber, Adipositas als Diagnose zu akzeptieren und hier hoffen wir in Bälde einen Wandel zu erleben, denn es ist jetzt schon erkennbar, dass ab einem BMI von 35 und das ist dann wirklich eine schwere krankhafte Adipositas, doch zunehmend auch schon Behandlungsprogramme bezahlt werden. Dazu gehört auch ein chirurgischer Eingriff, hierbei sind die Krankenkassen etwas liberaler geworden. Aber es gibt eben keinen Rechtsanspruch, das sind alles Kulanzleistungen der Versicherungen.

Gibt es operative Maßnahmen?

Für extrem adipöse Menschen gibt es heutzutage auch verschiedene operative Möglichkeiten einer Therapie. Das sind im Wesentlichen zwei Arten von Eingriffen. Das eine ist die Verkleinerung des Magens. Hier gibt es derzeit die Möglichkeit, ein Magenband einzulegen, den Magen einzuschnüren und damit zu verkleinern. Die zweite Möglichkeit, die immer stärker kommt und inzwischen die häufigste Operationstechnik in Deutschland ist für diese Indikation, ist der sogenannte Schlauchmagen. Es wird der große Teil des Magens abgeschnitten, es verbleibt eine Art Schlauch, deshalb der Name. Auch damit kann man sehr gut abnehmen.

Der zweite Ansatz ist eine Kombination aus Magenverkleinerung und einer Verkürzung des Dünndarms, um auch die Aufnahme von Nährstoffen in den Körper zu verringern. Mit diesem Verfahren nimmt man noch schneller ab, das ist der sogenannte Magen-Bypass. Hier kann eine Gewichtsreduktion von etwa 30-50kg erwartet werden. Man muss aber auch ganz klar sagen, nicht jeder ist für diese Operation geeignet. Man braucht eine sehr gute Vorbetreuung, eine gute Auswahl und noch wichtiger ist, eine gute Nachbetreuung, die in Deutschland noch sehr kümmerlich ist, weil eben auch hier die Kostenübernahme meist nicht geklärt ist. Der Operationserfolg hängt wirklich sehr stark davon ab, wie gut das Team insgesamt ist, aber man kann immerhin auch anerkennen, dass sich in Deutschland in den letzten zwei Jahren auf diesem Gebiet sehr viel getan hat. Es gibt jetzt wirklich einige sehr gute, spezialisierte Einrichtungen für solche Eingriffe.

Was gibt es heute Neues auf dem Gebiet der Behandlung?

Es gibt jetzt nicht wirklich ganz neue Ansätze. Es wird aber viel daran geforscht, zum Beispiel die Ernährungstherapie so zu gestalten, dass man erfolgreicher ist als bisher. Es geht auch darum Übergewichtige, Adipöse so zu beraten, dass sie sich leichter tun bei der Auswahl der Lebensmittel. Das ist oft ein Umsetzungsproblem. Im Supermarkt wird man ja erschlagen durch Tausende von Produkten, wo man gar nicht weiß, wie günstig die sind, was ist da wirklich alles drin. Also hier versuchen wir durch neue Schulungskonzepte, die Betroffenen dahin zu bringen, dass sie besser in der Lage sind, eine sinnvolle Entscheidung zu treffen, eine sinnvolle Auswahl zu machen und das setzt sich dann auch fort zu Verhaltensempfehlungen, wie zum Beispiel auf Zwischenmahlzeiten zu verzichten. Eine große Verführung sind Schokoriegel, zum Beispiel an den Tankstellen oder an den Imbissbuden, die an jeder Ecke zu finden sind. Hier braucht man Verhaltensstrategien, damit jemand hier sich widersetzen kann. Das ist nicht leicht.

Es gibt natürlich auch viele Aktivitäten im Bereich der Entwicklung neuer Pharmaka, aber es ist ein schwieriges Thema, weil die Regulation des Körpergewichts so ist, dass es wohl nicht reicht, nur mit einem Medikament anzusetzen. Wir brauchen hier vielleicht Kombinationen verschiedener Wirkstoffe, auch das ist zur Zeit ein heißes Forschungsthema.

Und auch bei der Entwicklung von chirurgischen Verfahren ist sicherlich noch nicht die optimale Methode gefunden. Auch hier wird zurzeit viel gearbeitet, um möglichst schonend, aber auch effektiv und ohne Komplikationen solche Eingriffe vorzunehmen. Da gibt es auch andere Ansätze, wie man zum Beispiel auch endoskopisch Barriere-Hemmer einsetzt, die dann die Aufnahme von Lebensmitteln hemmen, sodass sie ausgeschieden werden. Es gibt also da in vielen Bereichen interessante Ansätze. Was sich am Ende durchsetzen wird, ist zumindest im Augenblick noch nicht absehbar.

Welche Neuerungen erwarten Sie in den nächsten 3-5 Jahren?

Ich erhoffe mir für die nächsten Jahre, dass sich die Einstellung des Gesundheitssystems, aber auch der Gesellschaft zum Thema Adipositas ändert, dass das wirklich als großes Gesundheitsproblem wahrgenommen wird. Und das wird bedeuten, dass die Krankenkassen eben mehr gute Therapieangebote auch übernehmen. Das heißt, die Kostenübernahme muss sich hier verbessern, vor allem für Menschen mit sehr starker Adipositas ab einem BMI von 35. Das ist die eine Seite.

Die zweite ist die, dass auch die Gesellschaft wahrnimmt, wo sie vielleicht auch die Rahmenbedingungen ändern müsste, damit es leichter wird eine gesunde Lebensführung beizubehalten, damit sozusagen der Schutz vor Adipositas verbessert wird. Das beginnt bei der Verkehrsplanung, also mehr Fahrradwege, geht weiter in den Bereich Lebensmittel und Handel und überhaupt muss die gesellschaftliche Einstellung sich ändern. Hier gibt es Ansätze und die sind ganz gut, speziell auch im Bereich Kindertagesstätten, Schulen, aber das ganze reicht sicher noch nicht aus. Hier muss die Gesellschaft insgesamt noch wesentlich mehr tun, damit wir dem Problem besser vorbeugen und wenn es vorhanden ist, dann auch mehr und bessere Therapie anbieten.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Hans Hauner zum Thema Übergewicht aufgenommen als Video im November 2012


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