EXPERTEN A-Z

PROF. DR. MED. PETER ALBERS
albers

Spezialisierung:
Klinische Schwerpunkte sind die urologische Onkologie (Prostata-, Blasen-, Nieren- und Hodenkarzinome), die rekonstruktive Urologie, benigne Prostatahyperplasien sowie Harnsteinleiden. Dabei kommen unteranderem moderne Diagnostik- und Therapieverfahren zum Einsatz: die Schlüssellochchirurgie (Laser) sowie Roboter-assistierte Operationen (DaVinci).

Direktor der Urologischen Klinik am Universitätsklinikum Düsseldorf und Leiter der Zertifizierungskommission der Deutschen Krebsgesellschaft für Prostatakrebszentren in Deutschland.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Peter Albers zum Thema “Prostata”

Wie funktioniert die Prostata?

Herr Prof. Dr. Albers: Die Prostata ist die so genannte Vorsteherdrüse des Mannes. Eine Drüse, die einen Teil der Samenflüssigkeit produziert, etwa kastaniengroß ist und unterhalb der Blase liegt.

Wenn sie sich im Alter vergrößert merkt der Mann das, indem er schlecht Wasser lassen kann. Zudem können sich dort Krebserkrankungen und Entzündungen abspielen. Das sind allesamt mehr und minder Alterserscheinungen. In jungen Jahren merkt der Mann die Prostata eigentlich gar nicht. Sie ist ein ganz normales Organ, das der Fruchtbarkeit des Mannes dient.

Wie macht sich eine Vergrößerung der Prostata bemerkbar?

Herr Prof. Dr. Albers: Eine gutartige Vergrößerung der Prostata merkt man am ehesten am schlechten Wasserlassen. Man muss nachts häufiger aufstehen, der Harnstrahl wird schwächer. Auch beim Auto fahren muss man häufiger anhalten um Wasser zu lassen. Die Erkrankung tritt meistens ab dem 60. Lebensjahr auf und betrifft fast zwei Drittel aller älteren Männer. Krebserkrankungen hingegen haben überhaupt keine Symptome. Man denkt immer, der Krebs macht auch Beschwerden. Das tut er erst, wenn er weit vorgeschritten ist.

Wie wird eine vergrößerte Prostata behandelt?

Herr Prof. Dr. Albers: Die Prostatavergrößerung führt dazu, dass der Patient schlecht Wasser lassen kann. Die Blase muss sich sehr anstrengen, um den Urin durch die Prostata hindurch zu drücken. Deswegen ist es sinnvoll, zunächst einmal die Prostatagröße medikamentös zu reduzieren bzw. die Spannung in diesem Organ heraus zu nehmen. Das hält meistens 5 bis 6 Jahre lang an.

Aber dann lassen die Medikamente in ihrer Wirkung nach und man muss in den allermeisten Fällen operieren, das heißt die Prostata ausschälen. Das passiert durch die Harnröhre hindurch ohne offenen Schnitt und man verwendet dort elektrischen Strom oder Laserenergie, um die vergrößerten Areale zu entfernen. Danach ist das Wasser lassen dann besser und die Operation braucht auch nur einmal durchgeführt zu werden, wenn sie vernünftig durchgeführt wird.

Beeinträchtigen Erkrankungen der Prostata die Sexualität?

Herr Prof. Dr. Albers: Die meisten Erkrankungen beeinträchtigen die Sexualität überhaupt nicht. Also zum Beispiel die gutartige Vergrößerung führt nicht zu Erektionsstörung. Eine akute Prostatitis kann manchmal chronischen Beckenschmerz verursachen. Und wenn man Prostatakrebs operieren lassen muss oder bestrahlen lassen muss, dann ist dort häufig eine verminderte Erektionsfähigkeit die Folge. Das heißt, nur wenige Erkrankungen der Prostata haben tatsächlich Einfluss auf die Sexualität.

Warum sollten Männer zur Vorsorge zum Urologen gehen?

Herr Prof. Dr. Albers: Der Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes und die Vorsorge dient dazu, diesen Krebs sehr frühzeitig zu erkennen. Gerade die aggressiven Prostatakrebs-Formen treten in jüngeren Jahren auf, so dass wir Vorsorgeuntersuchungen ab dem 45, oft schon ab dem 40. Lebensjahr empfehlen, um die aggressiven Tumoren frühzeitig erkennen zu können. Dabei muss man bedenken, dass die Hälfte der Patienten ein Prostatakrebs haben wird, an dem sie nicht versterben werden. Da wäre sinnvoll, diesen entweder gar nicht zu erkennen oder zumindest nicht zu behandeln. Insofern ist die Früherkennungs-Untersuchung sehr anspruchsvoll und eine detaillierte Untersuchung, die von Fachleuten durchgeführt werden muss.

Welche Vorsorgeuntersuchungen empfehlen Sie?

Herr Prof. Dr. Albers: Gesetzlich empfohlen wird die Tastuntersuchung der Prostata durch den Enddarm hindurch und das ab 45 Jahre. Das wird auch von der Kasse bezahlt. Wir als Urologen empfehlen zusätzlich die Entnahme des Prostata-spezifischen Antigens. Das ist ein Laborparameter aus dem Blut, der genau anzeigen kann, ob eine Prostataerkrankung vorliegt. Für den Einzelpatienten ist das nach wie vor der beste Tumormarker. Deswegen addieren wir das gerne für die Früherkennungs-Untersuchung. Es dient auch dazu, die Patienten im weiteren Verlauf zu beobachten und hilft uns sehr, die Erkrankung richtig einzuordnen.

Was halten Sie von der Bestimmung des PSA-Wertes?

Herr Prof. Dr. Albers: Der PSA-Wert ist für den einzelnen Patienten der beste Tumormarker den es gibt. Kaum ein anderes Krebsleiden ist durch einen einfachen Bluttest so genau zu bestimmen, wie das Prostatakarzinom. Problematisch ist es, dass der PSA-Wert auch gutartige Prostataerkrankungen erkennt, also Entzündungen oder auch gutartig vergrößerte Drüsen haben einen erhöhten PSA-Wert. So dass die Beurteilung des Wertes – vor allem, wenn man mehrere Werte hintereinander macht – nicht ganz einfach ist und deswegen eigentlich nur vom Urologen durchgeführt werden sollte. Wenn dann klar ist, in welcher Risikogruppe der Patient sich befindet, dann kann diese Routineuntersuchung auch von Hausärzten durchgeführt werden. Aber die initiale Beurteilung des PSA-Wertes ist extrem wichtig, damit man nicht zu viele Patienten unnötig diagnostiziert und dass man die Patienten, die wirklich eine frühe Diagnose benötigen, frühzeitig genug erkennt.

Ab welchem Alter sollten Männer den PSA-Wert bestimmen lassen?

Herr Prof. Dr. Albers: Nach neuesten Studienergebnissen ist es so, dass man eine erste Bestimmung in sehr frühen Lebensjahren empfiehlt. Das heißt: Ab 40 sollte ein einziger PSA-Wert vorliegen. An diesem Wert kann man schon eine ganze Menge ablesen. Befindet sich dieser Wert unter einer bestimmten Grenze, dann gehört man – und das sind 70 bis 80 Prozent der Patienten – zu einer so genannten Niedrigrisiko-Gruppe. Man hat also dann relativ rasch die Gewähr, dass man kaum eine Chance hat, an Prostatakrebs zu erkranken.

Wenn in jungen Jahren der Wert bereits sehr hoch ist dann führt es dazu, dass eine Krebserkrankung sehr früh erkannt wird und man sehr frühzeitig was dagegen unternehmen kann. Wichtig ist nur – wenn man diese Unterteilung vorgenommen hat – dass nicht alle Patienten ab 40 jährlich PSA-Werte bekommen. Das wäre sicherlich Überbehandlung und Überdiagnostik; aber der Beginn der Früherkennung sollte zwischen 40 und 45 Jahren liegen.

Wie gefährlich ist Prostata-Krebs?

Herr Prof. Dr. Albers: Der Prostatakrebs ist zunächst einmal der häufigste Krebs des Mannes. Das liegt aber daran, dass es ein Alterskrebs ist. Das heißt, etwa 50 Prozent aller neuerkrankten Patienten merken überhaupt nichts vom Prostatakrebs und sterben auch nicht daran. Sie sterben am Herzinfarkt, werden mit dem Krebs alt. Die anderen 50 Prozent haben tatsächlich eine Krebserkrankung, die sie während ihrer Lebenszeit beeinträchtigt und diese Patienten müsste man möglichst früh erkennen.

Die gefährlichsten Krebsarten sind die, die bereits im Alter von 45, 50 oder 55 Jahren auftreten – häufig sehr aggressive Krebskarzinome. Da gibt es auch prominente Beispiele wie Herrn Rüssmann zum Beispiel, den Fußballspieler, der ganz frühzeitig erkrankt und verstorben ist. Daran erkennt man, dass es eine sehr große Bandbreite von Prostatakrebserkrankungen gibt. Und man darf nicht vergessen, dass die Hälfte der Erkrankten nicht am Krebs stirbt und die andere Hälfte eigentlich auch ganz gut therapiert werden kann, wenn man sie früh erkennt.

Sollte bei Prostata-Krebs sofort operiert werden?

Herr Prof. Dr. Albers: Zunächst einmal: Nein. Prostatakrebs ist eine Erkrankung des Alters. Es gibt verschiedene Formen von gutartig bis relativ bösartige Formen des Krebses und man muss zunächst einmal in aller Ruhe feststellen, um welchen Krebs es sich handelt. Welche so genannten Ko-Morbiditäten der Patient aufweist, das heißt, welche Erkrankungen hat er sonst noch, die behandelt werden müssten.

Und das ganze sollte in einem Prostatakrebs-Zentrum stattfinden, das von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert ist. Denn es garantiert dem Patienten, dass er dort Experten vor sich sitzen hat, die sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit der Erkrankung beschäftigen und auch eine neutrale Beratung für die Diagnostik, aber vor allem Therapie des Prostatakrebs mit ihm durchführen. Und dem entsprechend wird dann festgelegt, welcher Krebs tatsächlich sofort behandelt werden muss und welcher Krebs zum Beispiel auch durch ein abwartendes Verhalten mit engmaschiger Beobachtung behandelt werden könnte. Diese gemeinsame Beratung und die von anderen Motiven unbeeinflusste Beratung ist heute ein ganz wesentliches Element der Prostatakrebstherapie.

Welche modernen OP-Methoden kommen zum Einsatz?

Herr Prof. Dr. Albers: Prostatakrebs kann durch verschiedene operative Methoden behandelt werden. Es geht immer darum, dass das gesamte Organ entfernt werden muss. Und für alle Verfahren gilt eigentlich ein Grundsatz: Je häufiger man diese Operation durchführt, je sicher man in der jeweiligen Technik ist, desto besser sind die Ergebnisse. Das heißt: Es gibt zwar moderne Verfahren, die für den Patienten aber durchaus Nachteile bringen können, weil der der sie anwendet, nicht genügend Erfahrungen damit hat. Zu den modernen Verfahren zählen zum Beispiel laparoskopische Eingriffe, also minimal-invasive Knopflocheingriffe, zum Teil auch Roboter assistierte Eingriffe. Die sind nur dann sinnvoll, wenn sehr viel Erfahrung mit dieser Technik besteht und man alle Vorteile dieser Technik gegenüber dem offenen Operieren auch ausspielen kann. Zum Beispiel: weniger Blutverlust, weniger Krankenhausliegezeit, besseres Zusammennähen von Harnblase und Harnröhre nach Entfernen der Drüse. Das sind alles Dinge, die gehen mit einer Roboter-assistierten Technik besser und sinnvoller, aber nur dann wenn der entsprechende Operateur auch genügend Erfahrung hat. Wenn man einen Operateur wählt, der mit der offenen Technik gute Erfahrung hat, werden die Ergebnisse, zumindest die onkologischen Ergebnisse genauso gut sein. Blutverlust und Krankenhausliegezeit spielen ja auf Dauer eine geringe Rolle. Von daher kann man eigentlich nicht sagen, dass die modernen Techniken grundsätzlich besser sind. Sie sind nur dann besser, wenn auch der Operateur genügend Erfahrung mit modernen Techniken besitzt.

Welche Neuigkeiten gibt es bei der Behandlung von Prostata-Erkrankungen?

Herr Prof. Dr. Albers: Ich glaube, die wichtigste Neuigkeit zumindest bei der Krebserkrankung ist, das die Patienten in zertifizierten Prostatakrebs-Zentren behandelt werden sollten, die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert sind. Denn nur in diesen Zentren ist gewährleistet, dass der Patient eine neutrale Beratung über alle möglichen Therapieverfahren erhält und mit dieser Beratung kann er sich dann in aller Ruhe für die für Ihn beste Therapie entscheiden. Andere Erkrankungen haben auch Neuigkeiten und Modernes erfahren. Zum Beispiel bei der gutartigen Erkrankung haben die Lasertechnologien zur Verkleinerung des Organes an Gewicht gewonnen. Auch dort steht der Blutverlust im Vordergrund, der wesentlich geringer ist bei Anwendung einer Lasertechnik gegenüber der üblichen Elektro-Schlingentechnik. Und bei den entzündlichen Erkrankungen hat sich in den letzten Jahren eigentlich wenig getan – dort gibt es einen guten Standard zur Therapie.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Peter Albers zum Thema „Prostata”, als Video aufgenommen im Juni 2012

PROF. DR. MED. PETER JOSEF ALTMEYER
altmeyer

Spezialisierungen:
Hautkrebs, Hauterkrankungen, Allergologie

Ärztlicher Geschäftsführer des St. Josef-Hospitals und Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum. Klinische und wissenschaftliche Schwerpunkte sind die Allgemeine Dermatologie und der Hautkrebs. Autor von mehr als 500 Publikationen aus der gesamten Dermatologie.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Peter Josef Altmeyer zum Thema “Hautkrebs”

Welche Funktion hat die Haut im menschlichen Körper?

Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers mit 2 Quadratmeter Oberfläche. Die Haut wiegt etwa 2 Kilogramm, wenn man das Fettgewebe dazu nimmt sind das durchaus 20 Kilogramm oder sogar mehr. Die Haut grenzt den Organismus von allen Umweltfaktoren ab, schützt den Organismus vor Kälte, vor Wärme, schützt den Organismus vor UV-Strahlen. Allerdings vermögen bestimmte Einfluss die Haut zu zeichnen, wie auf einem Bild, wie auf einem Gemälde. UV-Strahlen mögen die Haut verändern, auch Alterungsprozesse werden in der Haut nachgewiesen. Sie sehen wie die Haut altert. Derjenige, der in der Haut lesen kann, kann vieles – auch an Krankheiten – in der Haut lesen. Eine Krankheit führt dazu, dass die Haut sich verändert, wird blass oder rot, das sind alles viele Faktoren, die wir in der Haut erkennen können.

Welche Arten von Hautkrebs gibt es?

Es gibt eigentlich nicht den Hautkrebs, sondern es gibt eine ganze Reihe von, ich nehm mal an, so etwa 50 unterschiedliche Hautkrebs-Arten, die man unterscheiden muss. Grundsätzlich kann man sagen, es gibt den weißen Hautkrebs und es gibt den schwarzen Hautkrebs. Der weiße Hautkrebs ist relativ häufig. Wir haben etwa eine Inzidenz von 100 pro 100.000 Menschen, das bedeutet also 100 Neuerkrankungen pro 100.000 Menschen. Bei dem schwarzen Hautkrebs ist es etwas geringer. Da sind es etwa 15-20.

Es hängt natürlich auch davon ab, wo die Menschen leben. In Australien haben sie beispielsweise Inzidenzen von bis zu 30. Die Menschen leben ja in relativ sonnenreichen Arealen und damit haben wir auch schon einen auslösenden Faktor für den schwarzen Hautkrebs. Wir haben bei dem schwarzen Hautkrebs in den letzten 50 Jahren eine Verzehnfachung der Erkrankungen erlebt. Das heißt also irgendetwas hat sich verändert in unserem Umweltverhalten, sodass der schwarze Hautkrebs sehr viel häufiger ist als früher.

Wie häufig sind schwarzer und weißer Hautkrebs?

Man kann grundsätzlich unterscheiden den weißen Hautkrebs und den schwarzen Hautkrebs. Der weiße Hautkrebs ist der Hautkrebs, der von den epithelialen Zellen ausgeht. Also wir bezeichnen den einen Typ als Basalzellkarzinom und den anderen Typ als Spindelzellkarzinom. Das sind die beiden wichtigsten Formen des weißen Hautkrebses. Dann gibt es den schwarzen Hautkrebs und der hat eine andere Dimension, weil er sehr viel bösartiger verläuft als der weiße Hautkrebs. Der schwarze Hautkrebs: das maligne Melanom. Melanom von schwarz, daher der Name. Das maligne Melanom ist also eine Geschwulst, das sich häufig aus den Muttermalen, die im Körper vorhanden sind, entwickelt.

Wie ist schwarzer und weißer Hautkrebs zu erkennen?

Bei der Erkennung des weißen bzw. des schwarzen Hautkrebs spielt die schwarze Farbe, also die Farbe schwarz, eine entscheidende Rolle. Alles was schwarz auf der Haut ist, haben wir nicht allzu gerne. Alles was schwarz auf der Haut ist, muss dann auch letztendlich beurteilt werden und von einem Fachmann vor allen Dingen in eine richtige Schiene hineingeschoben werden.

Der weiße Hautkrebs, da er weiß ist oder hautfarben ist, wird häufig nicht erkannt. Weil er keine Beschwerden macht, er macht auch sonst keine Veränderungen. Erst dann wenn er aus der Haut hinauswächst, kann man ihn erkennen als Erhabenheit, die man von der normalen Haut unterscheiden kann. Das wäre das Kriterium zur Erkennung eines weißen Hautkrebses.

Beim schwarzen Hautkrebs gibt es eine ganze Reihe von Merkmalen, die die Bösartigkeit eines schwarzen Hautkrebses charakterisieren. Wenn ein Muttermal, das auch dunkel am Körper sein kann, anfängt zu waschen, wenn es größer wird, wenn es aus der Haut herauskommt, wenn es anfängt Organsymptome zu machen, es macht also Juckreiz oder es kann bluten. Dann ist die Gefahr eines schwarzen Hautkrebses gegeben. Dann muss auf jeden Fall eine derartige Veränderung abgeklärt werden, es muss vom Fachmann beurteilt werden.

Welche Rolle spielen Sonne und UV bei der Entstehung von Hautkrebs?

Für den weißen Hautkrebs ist UV, Sonne (UV ist ja ein Teil der Sonnenbestrahlung) von entscheidender Bedeutung. Wir wissen, dass die kumulative UV-Belastung im Leben, das heißt also von der Wiege bis hin zur Bare, von entscheidender Größe ist. Dann kommt die Hellhäutigkeit noch dazu, das heißt die Genetik. Diese beiden Faktoren führen dann zu dem Thema weißer Hautkrebs. Und ich behaupte einmal, der 70-jährige, der lange genug durch die Sonne gewandert ist, bekommt irgendwann mal seinen Hautkrebs. Das sind Dinge, die man wissen muss und insofern kommt es auch drauf an, dass man diesen aus dem Weg geht, indem man sogenannte Verhütungsmaßnahmen einhält.

Beim schwarzen Hautkrebs ist die direkte Beziehung zwischen UV und Entstehung der Bösartigkeit nicht so gegeben. Wir wissen aber, dass der klassische Büroarbeiter, der also sein ganzes Leben lang mehr oder weniger in geschlossenen Räumen verbringt, dann aber 3 Wochen Intensivurlaub auf den kanarischen Inseln macht, dass der, wenn er auch noch hellhäutig ist, unser gefährdeter Patient ist und nicht derjenige der ständig draußen arbeitet, der Outdoor-Arbeiter, bei dem ist die Gefahr weniger gegeben.

Insofern spielt UV in beiden Fällen eine Rolle, aber eine unterschiedliche Rolle, und wir haben noch nicht ganz verstanden, warum die intermittierende UV-Belastung beim malignen Melanom zur Bösartigkeit führt. Möglicherweise sind die Menschen, die dauernd drinnen sind, gar nicht an die Sonne gewöhnt, das heißt sie haben keinen genuinen oder erworbenen Sonnenschutz. In dem Fall ist die UV-Belastung dann überfallsartig. Vielleicht verkraftet das Immunsystem des Organismus diese Form der intensiven UV-Belastung dann nicht.

Ist Hautkrebs immer bösartig?

Wie der Name Hautkrebs sagt, alle Krebsarten sind bösartig. Die Bösartigkeiten sind aber nicht gleichartig verteilt. Sondern wir haben Vorstufen der Bösartigkeit, vor allem beim weißen Hautkrebs. Und die kann man wunderbar behandeln. Insofern ist die echte Bösartigkeit, das heißt also das Wachsen in die Tiefe, die Absiedlung, die tritt dann relativ spät auf. Diese Vorstufen sind zwar bösartig, sind aber mit relativ einfachen Mitteln zu behandeln.

Beim schwarzen Hautkrebs gibt es auch Übergangsformen. Braune Flecken, die sich langsam verdunkeln, die dann auch den Farbton schwarz bekommen. Also auch hier ist so ein kontinuierlicher Übergang möglich, so dass man nicht immer genau sagen kann, das ist gutartig, das ist bösartig. In dem Moment, wo wir die Diagnose Hautkrebs gestellt haben und wo wir die Diagnose malignes Melanom gestellt haben, also schwarzer Hautkrebs, in dem Moment ist natürlich Bösartigkeit vorhanden, in dem Moment muss entsprechend behandelt werden.

Welche Behandlungsmethoden gibt es für weißen Hautkrebs?

Es gibt sehr viele unterschiedliche Behandlungsmethoden für den weißen Hautkrebs. Wir müssen allerdings in der Klinik mit Fällen zu Recht kommen, die schon sehr ausgedehnt sind. Insofern sind im klinischen Bereich die operativen Methoden die Methoden der Wahl. Bei den ambulanten Kollegen gibt es auch andere nicht-operative Methoden, die man einsetzen kann, die in den frühen Phasen des weißen Hautkrebses sehr gut wirksam sind. Man muss das entscheiden am Fall.

Die weißen Hautkrebsformen, die wir in der Klinik haben sind sehr ausgedehnte Formen, die werden operativ behandelt und zwar mit einer besonderen Methode: Wir werden den Hautkrebs entfernen. Wir werden dieses entfernte Material dann quasi wie einen Brotlaib aufschneiden und in allen Schichten untersuchen. Mit dieser mikrografischen Technik können wir genau sagen, ob ein Tumor komplett entfernt ist. Wir können bei jedem Schnitt sagen: der Rand ist tumorfrei, dann ist das Ganze im Gesunden herausgenommen. Das betrifft auch die Tiefe, wir können genauso die Tiefe beurteilen, da können wir sagen: auch in der Tiefe wurde der Tumor komplett entfernt. Mit dieser Technik können wir nahezu garantieren, dass wir eine 100%-Heilungschance haben, selbst bei ausgedehnten Formen des weißen Hautkrebses.

Welche Behandlungsmethoden gibt es für schwarzen Hautkrebs?

Beim schwarzen Hautkrebs sind unterschiedliche Behandlungsmethoden notwendig. Erst mal behandeln wir den Primärtumor, der direkt in der Haut liegt. Hier kommt es drauf an, welche Form des Primärtumors vorhanden ist, vor allen Dingen wie dick der Primärtumor ist. Die Dicke des Primärtumors ist von entscheidender Bedeutung, wie wir behandeln. Wir behandeln operativ und der Sicherheitsabstand richtet sich nach der Dicke des Tumors, den wir ausgemessen haben. Der Tumor wird operativ entfernt und die Seitenränder werden nach den neusten Methoden mikrografisch untersucht, sodass wir ganz sicher sind, dass wir alles komplett zur Seite wie auch zur Tiefe hin entfernt haben.

Ab einer gewissen Dicke, wenn der Tumor dicker ist als 1 Millimeter (1 Millimeter ist wahnsinnig wenig) werden wir auch die regionalen Lymphknoten mit untersuchen. Das maligne Melanom metastasiert gern in Lymphknoten. Es ist also ein lymphogen metastasierender Tumor. Insofern sind die regionalen Lymphknoten unser Untersuchungsobjekt. Durch eine nuklearmedizinische Voruntersuchung können wir genau den Lymphknoten beurteilen und überhaupt entdecken, wer als Erster in diese Lymphbahnen eingedrungen ist. Diesen Lymphknoten, den wir radioaktiv markieren und radioaktiv entdecken, den nehmen wir heraus, den untersuchen wir dann in histologischen Präparaten in einer Brotlaib-Technik – also mit ganz vielen Schnitten – und schauen nach mit ganz besonderen Antikörpern, die farbmarkiert sind, ob in diesem Lymphknoten Tumorzellen abgesiedelt sind. Wir finden damit jede Tumorzelle und können damit die Prognose des Melanoms sehr gut voraus bestimmen.

Wenn in diesen Lymphknoten Absiedlungen sind, wird man, die Methode ist heute weitgehend standardisiert, dann die regionalen Lymphknoten komplett mit entfernen. Das wird allerdings in einzelnen Zentren auch anders gehandhabt. Wir in Bochum entfernen dann die regionalen Lymphknoten. Es muss in größeren Studien gezeigt werden, ob die Entfernung von solchen regionalen Lymphknoten für den Patienten einen Benefit, also einen Vorteil in der Überlebenszeit darstellt. Das sind die beiden wichtigsten Behandlungsmethoden, die wir beim malignen Melanom einsetzen.

Wie sind die Heilungschancen bei Hautkrebs?

Früherkannt sind – sowohl der weiße Hautkrebs als auch der schwarze Hautkrebs – zu 100% heilbar. Das ist die wichtigste Botschaft: sie beinhaltet nämlich Früherkennung und sie beinhaltet, dass man mit den geeigneten Methoden, die man heutzutage hat, zu 100% heilen kann.

In späten Phasen, vor allem beim schwarzen Hautkrebs, hat man natürlich erhebliche Probleme, weil der schwarze Hautkrebs frühzeitig metastasieren kann. Das Melanom ist mit die bösartigste Geschwulst, die wir kennen. Frühzeitige Metastasierung in die Lymphbahnen und frühzeitige Metastasierung auch ins zentrale Nervensystem. In diesem Moment ist eine derartige Geschwulst, die metastasiert hat, nicht mehr oder nur noch bedingt heilbar. Die Methoden sind geeignet um das Leben zu verlängern.

Beim weißen Hautkrebs haben wir heute alle möglichen Methoden. Im Allgemeinen behandeln wir fortgeschrittene Formen des weißen Hautkrebses überwiegend operativ und mit unseren Methoden gelingt es heute auch ausgedehnte weiße Hautkrebsformen zu 100% zu heilen.

Welche neuen Behandlungsansätze gibt es beim Auftreten von Metastasen?

Das Auftreten von Töchtergeschwülsten beim schwarzen Hautkrebs ist natürlich der absolute GAU. Es ist die enorme Herausforderung für Patient und Arzt. Wir haben seit den 70er Jahren ein einziges Präparat für die Behandlung von Töchtergeschwülsten. Das war das DTIC oder Dacarbazin – DTIC ist heute noch der Goldstandard für sämtliche Therapien, die wir in den letzten Jahren dazu bekommen haben. Das hat uns über viele Jahrzehnte hinweg frustriert.

Metastasen, die operativ anzugehen sind, werden wir auch heute noch operativ entfernen. Wir versuchen also immer einen R0-Zustand, also einen Zustand herbeizuführen, bei dem keine Tumormassen mehr im Körper vorhanden sind. Wenn das nicht gelingt, werden wir heute über moderne Verfahren, über gentechnologische, molekularbiologische Verfahren versuchen, den Tumor näher zu charakterisieren. Durch bestimmte Mutationen wissen wir, dass der Tumor mit unterschiedlichen Therapien zu behandeln ist. Das ist heute die beste Möglichkeit, die uns gegeben ist, ein metastasiertes Melanom zu behandeln. Wir sind heute auch noch nicht in der Lage, damit einen Patienten zu heilen, aber wir können die Lebensqualität und auch die Überlebenszeit deutlich verbessern und das ist für uns die glorreiche Entdeckung der letzten Jahre.

Was kann ich zur Vermeidung von Hautkrebs selber tun?

Man kann aus der Sonne heraus bleiben, denn wir wissen, dass UV, ein Teil des Sonnenlichtes, für die Auslösung des weißen Hautkrebs wie auch des schwarzen Hautkrebs eine wesentliche Bedeutung hat. Wir wissen, dass die Wiege des Hautkrebses bereits im Kindesalter liegt, das heißt also die Eltern müssen auf ihre Kinder achten. Es gibt heute wunderbare UV-Schutzanzüge, die man den Kindern anziehen kann – ganz leichtes Material. Es muss ein Hütchen auf den Kopf. Also unsere Kinder müssen wir schützen. Das hat man in früheren Jahren nicht so getan, weil man es nicht so wusste.

Weiterhin sind Lichtschutzpräparate angesagt, an den Stellen die frei getragen werden, vor allem wenn Sie Ski laufen, wenn Sie Wanderungen im Hochgebirge machen, dann sind Präparate mit hohem Lichtschutzfaktor, also jenseits von Lichtschutzfaktor 30, angesagt. Die sollte man eincremen, gegebenenfalls auch 2-3mal am Tag, damit ein kompletter Lichtschutz gegeben ist.

Weiterhin das Anschauen des Körpers, ob sich irgendwelche Flecken verändern. Das kann man tun, das macht man einmal im Monat. Dann schaut man den Körper von oben bis unten an, schaut sich an ob irgendwelche Veränderungen der Flecken aufgetreten sind und den Rücken lässt man durch seinen Partner oder durch seine Partnerin begutachten.

Wie oft sollte ich zum Hautkrebs-Screening gehen?

Das Hautkrebs-Screening wird heute von den Krankenkassen – Gott sei Dank – bezahlt und insofern ist es eine Methode, die jeder ab einem gewissen Alter für sich in Anspruch nehmen kann. Wie oft, das hängt davon ab, wie hellhäutig ein Mensch ist. Also ein Mensch mit einer dunklen Hautfarbe muss eigentlich zum Hautkrebs-Screening überhaupt nicht gehen, weil er keinen Hautkrebs bekommt. Bei einem Hellhäutigen, hier ist mindestens einmal pro Jahr ein Hautkrebs-Screening angesagt. Gegebenenfalls, wenn eine sehr hohe Lichtempfindlichkeit vorhanden ist, so ein irischer Hauttyp mit roten Haaren und vielen Sommersprossen, der ist ja hochgradig gefährdet, der sollte gegebenenfalls auch zweimal im Jahr zu einem Hautkrebs-Screening gehen. Auch Menschen die ganz viele Muttermale haben, werden sicher häufiger als einmal pro Jahr zum Hautarzt gehen, damit die Muttermale sehr intensiv beurteilt werden können.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Peter Josef Altmeyer zum Thema Hautkrebs, aufgenommen als Video im August 2012

PROF. DR. MED. CHRISTIAN ARNING
Unser Experte für Karotisstenose

Professor für Neurologie, langjähriger Chefarzt in der Asklepios Klinik Hamburg-Wandsbek, heute in Privatpraxis in Hamburg. Mitarbeit an der großen S3-Leitlinie „Karotisstenose“, Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

 

Spezialisierungen

Ultraschalldiagnostik zur Schlaganfallvorbeugung, Unterstützung bei der Therapieentscheidung, Ursachenklärung bei Kopfschmerz, Schwindel, Ohrgeräuschen, Diagnostik nicht-atherosklerotischer Gefäßerkrankungen (z.B. Gefäßentzündung)

Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Prof. Dr. med. Christian Arning zum Thema: Karotisstenose

  1. Was ist eine Karotis-Stenose? Wie entsteht sie?

Die Karotisstenose ist eine Verengung der Halsarterie, der A. carotis, die das Gehirn mit Blut versorgt. Häufigste Ursache ist die Atherosklerose mit Kalkablagerungen in der Gefäßwand. Diese Ablagerungen machen das Gefäß eng und beeinträchtigen die Blutzufuhr zum Kopf. Außerdem machen die Ablagerungen die Innenseite der Gefäßwand rauh und unregelmäßig, so dass sich hier – wie an einer äußeren Verletzung – Blutgerinnsel bilden.

  1. An welchen Symptomen erkennt man die Karotis-Stenose?

In den allermeisten Fällen gehen von der Karotisstenose keine Symptome aus – bis zum Eintreten des Schlaganfalls. Wenn man Glück hat, ist der erste Schlaganfall klein, mit geringen Symptomen, die sich vollständig zurückbilden. Dann bemerkt man eine vorübergehende Lähmung, eine flüchtige Gefühlsstörung oder Sprachstörung oder Sehstörung. Es kann aber auch sein, dass sich die Karotisstenose gleich mit einem schweren Schlaganfall manifestiert

  1. Welche Risiken hat eine Karotis-Stenose?

Die Karotisstenose ist eine der häufigsten Schlaganfallursachen. Schlaganfälle entstehen zum einen durch Drosselung der Blutzufuhr zum Kopf, zum anderen (häufiger) durch Blutgerinnsel, die sich an der rauhen Gefäßwand bilden. Die Blutgerinnsel lösen sich ab, gelangen mit dem Blutstrom in kleinere Hirnarterien und verschließen die Arterie, wie ein Korken den Flaschenhals.

  1. Welche Therapiemöglichkeiten bestehen bei Karotis-Stenose?

Bei geringgradiger Stenose werden Medikamente eingesetzt: Zum einen Mittel zur Gerinnungshemmung wie ASS, die das Risiko der Gerinnselbildung an der Stenose vermindern, zum anderen Cholesterinsenker, die den Verlauf der Atherosklerose günstig beeinflussen und eine Zunahme der Stenose verhindern sollen. Bei hochgradiger Stenose kann die Verengung durch Operation (von außen) oder durch Katheterbehandlung mit Stent (von innen) beseitigt werden.

Jede Behandlung (ob mit Medikamenten, Operation oder Stent) hat aber auch Risiken. Deshalb muss der Arzt für jeden Einzelfall das Risiko der Karotisstenose und das Risiko der Behandlung sorgfältig gegeneinander abwägen und für betroffene Patienten jeweils den Weg mit dem geringsten Risiko finden: ohne oder mit Medikament, ohne oder mit Operation oder Stent. 

  1. Wie wird die Karotis-Stenose am besten diagnostiziert?

Gefäß-Ultraschall ist die Methode der ersten Wahl – sagt die Leitlinie Karotisstenose. Voraussetzung ist allerdings ein erfahrener Untersucher. Das kleine Ultraschallgerät ist hier also viel besser als die große Kernspin-Maschine, wenn ein Ultraschall-Experte zur Verfügung steht. Das Ultraschallbild hat eine höhere Auflösung als das MRT-Bild und kann Atherosklerose schon im Frühstadium nachweisen.

  1. Wer sollte sich untersuchen lassen?

Gemäß Leitlinie Karotisstenose sollten sich  alle Personen mit Gefäß-Risikofaktoren untersuchen lassen. Das sind zum einen Menschen mit einem familiären Gefäßrisiko, also Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Blutsverwandten, insbesondere bei Eltern, Großeltern und Geschwistern. Zum anderen sollten Menschen mit den Risikofaktoren Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, hohes Cholesterin und Raucher untersucht werden. 

  1. Wann ist eine Operation oder eine Stentbehandlung notwendig?

Eine Karotisstenose sollte durch Operation oder Stentbehandlung beseitigt werden, wenn sie bereits zu einem leichten Schlaganfall geführt hat – um einem weiteren, schweren Schlaganfall vorzubeugen. Da das erste Ereignis bereits ein schwerer Schlaganfall sein kann, sollten gefährliche Karotisstenosen vorher erkannt werden. Gefährlich sind Stenosen, die innerhalb eines Jahres deutlich zunehmen. Wenn eine Stenose rasch zunimmt und einen Stenosegrad von mehr als 70% erreicht hat, ist eine Operation oder Stentbehandlung indiziert. 

  1. Welche Therapie ist besser: Operation oder Stent?

Beide Eingriffe haben Risiken. Ultraschall kann dazu beitragen, die beste Behandlung zu finden: bei Stenose in einer Gefäßschleife ist die OP vorteilhaft; bei sehr hoch gelegener Stenose (unter der Schädelbasis) ist die OP schwierig und die Stentbehandlung besser.

Insgesamt hat die Stentbehandlung bei Menschen über 70 Jahre ein höheres Risiko als die Operation; bei jüngeren Menschen ist das Risiko der Stentbehandlung zwar etwas geringer, nach den bisher vorliegenden Daten sind die Langzeit-Ergebnisse aber möglicherweise schlechter: Stenosen können sich ja wieder neu bilden. 

  1. Gibt es Stenosen auch an anderen hirnversorgenden Arterien?

Das Gehirn wird von 2 Arterien auf jeder Seite versorgt: der vorderen A. carotis und der hinteren A. vertebralis oder Wirbelarterie. Auch an den Wirbelarterien können sich Stenosen entstehen und Schlaganfälle ausgelöst werden. Diese Gefäße müssen also mit untersucht werden. Die Ultraschalluntersuchung der Wirbelarterie ist schwieriger, weil Stenosen meist sehr weit unten oder weit oben am Hals lokalisiert sind.

Stenosen gibt es außerdem an den Hirnbasisarterien (im Kopf). Zur vollständigen Ultraschalldiagnostik gehört auch die Untersuchung dieser Gefäße. 

  1. Wenn eine beginnende Atherosklerose gefunden wurde: was kann man tun?

Wichtig ist die Ausschaltung und Behandlung aller Gefäß-Risikofaktoren: Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Zigarettenrauchen. Bei erhöhtem Cholesterin ist für jeden Einzelfall und abhängig vom Ultraschallbefund zu prüfen, ob Cholesterinsenker indiziert sind oder ob Ernährungsumstellung ausreicht. Mittel zur Gerinnungshemmung wie ASS sind bei beginnender Atherosklerose noch nicht indiziert, sondern erst bei Stenosen ab etwa 30%. 

  1. Warum ist es wichtig, den genauen Verengungsgrad festzustellen?

Der genaue Verengungsgrad ist wichtig für die Therapieentscheidung, z.B. die Frage der Operation. Außerdem ist der Verengungsgrades wichtig, um ein Fortschreiten der Stenose im Verlauf zu erkennen: besonders gefährlich ist ja eine rasch zunehmende Stenose. 

  1. In welchen Abständen sind Verlaufsuntersuchungen notwendig?

Die Leitlinie Karotisstenose empfiehlt bei Nachweis einer Stenose die Kontrolle nach einem halben Jahr, bei stabilem Befund sind dann jährliche Kontrolluntersuchungen ausreichend. Wenn Stenosen zunehmen, sind Untersuchungen in kürzeren Abständen notwendig. 

  1. Gibt es Fehlbefunde bei der Diagnostik von Karotis-Stenosen?

Gefäß-Ultraschall ist eine schwierige Untersuchung. Deshalb gibt es nicht selten Fehlbefunde bei der Diagnostik von Karotis-Stenosen, insbesondere bei der Abschätzung des Verengungsgrades – abhängig von der Erfahrung des Untersuchers. Erfahrene Untersucher können sich einer freiwilligen Prüfung unterziehen und ein Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin DEGUM erwerben, das in 3 Stufen ausgegeben wird. Die DEGUM-Stufe III ist die höchste Qualifikation, die nur von sehr erfahrenen Ultraschall-Experten erworben werden kann. 

  1. Gibt es andere Ursachen von Karotis-Stenosen als Atherosklerose?

Stenosen können auch durch Gefäßentzündung entstehen, etwa bei bestimmten rheumatischen Erkrankungen. Auch Gefäßverletzungen durch Schleudertrauma der Halswirbelsäule oder durch Bagatellverletzung bei einer ruckartigen Kopfbewegung können eine Karotisstenose verursachen. Bei Gefäßentzündung oder Gefäßverletzung muss eine völlig andere Therapie als bei Atherosklerose erfolgen (nämlich mit bestimmten Medikamenten), deshalb sollte vor einer Gefäß-Operation mit Ultraschall geprüft werden, ob Atherosklerose oder eine andere Ursache der Stenose vorliegt.

PROF. DR. MED. ARNDT BORKHARDT
borkhardt

Spezialisierungen:
Leukämie und Lymphome bei Kindern, Stammzelltransplantation, Hämatologie und Onkologie

Facharzt für Kinderheilkunde, Direktor der Klinik für Kinder-Onkologie, Kinder-Hämatologie und Klinische Immunologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, Mitglied der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Deutschland, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Entstehung der Leukämie und Entwicklung neuer Therapieverfahren bei Kindern.

 

Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Professor Dr. med. Arndt Borkhardt zum Thema Leukämie bei Kindern

 

Was ist eine Leukämie? Welche Symptome sind typisch?

Eine Leukämie ist eine bösartige Erkrankung, die im Knochenmark entsteht und dann zur Ausschwemmung dieser Leukämiezellen in den Körper bzw. in viele Organe und auch zum Teil in das zentrale Nervensystem führen kann.Die Symptome sind Blässe, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Fieber, immer wiederkehrende Infektionen, vermehrte blaue Flecke und Blutungen.

 

 

Welche Formen von Leukämie gibt es?

Es gibt akute und chronische Leukämien. Im Kindesalter ist die übergroße Mehrzahl (98 Prozent) aller Leukämien akut. Sie treten sehr plötzlich und sehr unvermittelt auf. Chronische Formen sind sehr selten. Die Therapie unterscheidet sich sehr fundamental zwischen diesen beiden Formen.

 

 

Was ist der Grund, dass unser Kind an Leukämie erkrankt ist?

Einen speziellen Grund gibt es nicht.Man kann nicht sagen, dass es einen Fehler in der Vergangenheit gegeben hat. Es ist eine schicksalhafte Erkrankung, die unvorbereitet das Kind oder die Familie trifft, ohne einen spezifischen Grund ausmachen zu können.

 

 

Hätte man die Erkrankung durch vorbeugende Maßnahmen vermeiden können?

Die Leukämie im Kindesalter ist per se nicht vermeidbar.Es trifft das Kind unvorbereitet und ohne Schuld.Viele Tumorerkrankungen im Erwachsenenalter habeneher eine lange Vorgeschichte und hängen mit Lifestylefaktoren zusammen. Das ist im Kindesalter in der Regel nicht der Fall.Die Krankheit ist nicht vermeidbar und nicht vorbeugend zu behandeln.

 

 

Welche Behandlungsmethoden gibt es für Leukämieerkrankungen?

An erste Stelle sei die Chemotherapie zu nennen, diese ist in letzten Jahren sehr perfektioniert worden. Zusätzlich zu der Chemotherapie kommen Antikörper und zelluläre Therapieverfahren zum Einsatz.

 

 

Wie lange dauert die Behandlung?

Die Behandlung einer Leukämie im Kindesalter geht zwischen mehreren Phasen. An erste Stelle zu nennen, ist die intensive intravenöse zu applizierende Chemotherapie, die dauert sechs Monate mit Unterbrechungen.Daran schließt sich eine anderthalb jährige Dauertherapie an, die mit Tabletten durchgeführt wird. So, dass wir von einer Gesamttherapiezeit von zwei Jahren ausgehen.

 

 

Wie sehen die Heilungschancen aus?

Die Heilungschancen sind  sehr gut.Bei einigen Leukämieformen liegen sie über 90 Prozent, bei anderen etwas darunter.Allgemein sagt man, dass 80 Prozent aller Kinder mit Leukämieerkrankungen dauerhaft gesund werden und die Erkrankung dauerhaft überwinden, groß werdenund ein selbstbestimmtes eigenständiges Leben führen können.

 

 

In welchem Zeitraum kann eine Leukämieerkrankung wieder auftreten?

Rückfälle von Leukämieerkrankten treten in den ersten zwei Jahren nach Therapieende auf,  im Einzelfall auch noch später. In sehr wenig Fällen treten auch noch nach über 5 Jahren nach der Erstbehandlung auf. Aber die meistender Patienten kommt in den ersten 24 Monaten nach Therapieende mit einem Rückfall wieder in die Klinik.

 

 

Was passiert, wenn die Erkrankung wiederkommt?

Rückfallerkrankungen müssen ebenfalls wieder intensiv mit Chemotherapie behandelt werden und dann schließt sich in vielen Fällen ein zelluläres Therapieverfahren an, in aller Regel eine Knochenmarktransplantation.

 

 

Besteht ein erhöhtes Risiko für die gesunden Geschwister zu erkranken?

Bis auf wenigen Ausnahmen ist es nicht der Fall. Gesunde Geschwisterkinder von Leukämiepatienten haben selber kein erhöhtes Leukämierisiko. Eine kleine Ausnahme betrifft einzellige Zwillinge, die sehr selten vorkommen.

 

 

Benötigt mein Kind eine Knochenmarktransplantation?

Das hängt zuallererst von der Art der Leukämie bzw. den Risikofaktoren ab.Es gibt auch seltene Konstellationen, da benötig das Kind eine Knochenmarktransplantation schon bei der Ersterkrankung mit einer Leukämie.Sonst benötigt man eine Knochenmarktransplantation in aller Regel bei Rückfallerkrankungen.

 

 

Kann ich für mein Kind Knochenmark oder Stammzellen spenden?

Das ist möglich. Ein Elternteil kann für das erkrankte Kind Knochenmark oder Stammzellen spenden.

 

 

Was passiert, wenn kein passender Spender zur Verfügung steht?

An erster Stelle kann man die Patienten beruhigen. Es sind 14 Millionen freiwilligeFremdspender weltweitin Registern registriert.Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass man einen passenden fremden Spender findet.Für dieFälle, wo tatsächlichkein Spender gefunden ist, steht immer noch das Verfahren der Elternkeimtransplantation, bei demVater oder Mutter, also ein Elternteil für das leukämieerkrankte KindStammzellenspenden kann, zur Verfügung.

 

Gibt es Therapieverfahren ohne Chemotherapie?

Ja, gibt es.Sie sind sehr spezifisch und von der Leukämieform abhängig.In den letzten Jahren sind beide Therapieformen, sowohl die Therapie mit Antikörper als auch die Therapie mit Immunzellen, sehr auf denVormarsch bzw. weiter entwickelt worden.

 

 

Kann mein Kind während der Behandlung in die Schule gehen?

Das ist unter der Phase der intensiven intravenös zu applizierenden Chemotherapie nicht der Fall, da muss das Kind zu Hause bleiben.Sofern es sich um ein Schulkind handelt, bekommt es Hausunterricht von der Schule gestellt.Während der Phase der Dauertherapie, die anderthalb Jahre dauert, kann das Kind wieder ganz normal in den Kindergarten oder zur Schule gehen.

 

 

Muss ich während der Behandlung besonders auf die Ernährung achten?

Ja, das muss man.Insbesondere  rohes Fleisch, Fisch oder ungewaschenes nicht geschältes Obst ist nicht zu konsumieren, weil es durch diese Nahrungsmittel zur Übertragung von Krankheitserregern  kommen kann, die unter Chemotherapie nicht adäquat vom Immunsystem bekämpft werden können.

 

 

Kann mein Kind später selbst einmal Kinder bekommen?

Das ist in aller Regel der Fall.Eine Ausnahme sind Kinder nach einer allogenen Knochenmarkstransplantation.Hier geht man in der Regel davon aus, dass die Fertilität, die Fruchtbarkeit, nachträglich eingeschränkt ist.

 

 

Haben diese ein erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken?

Nein, haben sie nicht.Die Nachkommen von erfolgreich an Leukämie behandelten Kindern haben selbst kein erhöhtes Leukämierisiko.

 

 

Was gibt es derzeitig Neues in der Behandlung?

Die pharmazeutische Industrie hat im letzten Jahr eine Reihe von Medikamenten auf den Markt gebracht, die die Leukämiebehandlung einfacherer und sicherer gemacht haben und wie die Zukunft sicherlich zeigen wird, auch noch erfolgreich als in der Vergangenheit.

 

 

Welche Neuerungen erwarten Sie in den nächsten 3-5 Jahren?

Ich erwarte insbesondere eine Weiterentwicklung der zellulären bzw. der Knochenmarkstransplantationverfahren, als auch eine Neuentwicklungim Bereich der Antikörpern und der sogenannten smallmolecules, das sind kleine Inhibitoren von bestimmten Eiweißen, die als Tabletten dem Patienten verabreicht werden können.

 

 

Quelle: Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Professor Dr. med. Arndt Borkhardt zum Thema Leukämie bei Kindern aufgenommen als Video im März 2014

PROF. DR. MED. STEFAN R. BORNSTEIN
bornstein

Spezialisierungen:
Innere Medizin und Endokrinologie, Nebennierenerkrankungen, Prävention und Public Health

Prof. Bornstein ist Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III und des Zentrums für Innere Medizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Er betreut den Gesamtbereich Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel. Sein Forschungsschwerpunkt sind seit vielen Jahren die endokrinologischen Erkrankungen als auch der Bereich Public Health.

Die Medizinische Klinik und Poliklinik III und das Zentrum für Innere Medizin an der Universität Dresden hat eine lange Tradition in der Behandlung von Patienten mit internistischen Erkrankungen. Heilen, Lehren und Forschen sind unter einem Dach vereint. Dazu steht ein hochmotiviertes und hervorragend ausgebildetes Team an Ärzten, Schwestern, Pflegern, Physiotherapeuten und wissenschaftlichen Mitarbeitern aus unterschiedlichsten Ländern zur Verfügung.

PROF. DR. MED. BERND W. BÖTTIGER
boettiger

Spezialisierungen:
Reanimation/Wiederbelebung, Intensivmedizin, Narkose, Anästhesiologie

Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des Universitätsklinikum Köln. Mitglied in zahlreichen wichtigen nationalen und internationalen Fachgesellschaften und Organisationen, auch zum Thema Wiederbelebung (Reanimation). Seit Mai 2008 ist Prof. Böttiger Präsident des European Resuscitation Council (ERC).

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Bernd W. Böttiger zum Thema “Wiederbelebung “

Was ist ein Herz-Kreislauf-Versagen?

Ich erkläre es vielleicht einfach mal so: das Herz pumpt das Blut durch den Körper im Blutkreislauf. Im Körper werden die einzelnen Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, das muss kontinuierlich passieren. Wenn das Gehirn nur 15 Sekunden nicht versorgt wird, dann werden wir bewusstlos und dann müssen unmittelbar Maßnahmen eingeleitet werden, um den Kreislauf in irgendeiner Art und Weise wieder herzustellen.

Wie erkenne ich einen kritischen Herz-Kreislauf-Zustand?

Die wichtigste Ursache für ein akutes Herz-Kreislauf-Versagen ist der sogenannte Herzinfarkt. Ein Herzinfarkt kündigt sich in den allermeisten Fällen dadurch an, dass ein Mensch Schmerzen in der linken Brust hat, die häufig auch in den linken Arm, auch in den Unterkiefer ausstrahlen. Diese können aus heiterem Himmel auftreten, auch beispielsweise bei Stress und sind sehr stark. In diesem Moment muss man unmittelbar professionelle Hilfe holen, also den Notarzt alarmieren und den Patienten nicht mehr alleine lassen, weil ein Herz-Kreislauf-Versagen kann jederzeit und unmittelbar die Folge sein.

Eine Person ist auf der Straße ohnmächtig – was ist zu tun?

Das Erste ist, ich schaue, ob der Mensch ansprechbar ist. Wenn er ansprechbar ist, ist ihm vielleicht nur schlecht geworden. Wenn er nicht ansprechbar ist, dann schau ich, atmet er noch? Und das ist gar nicht so einfach. Darum sagen wir, wenn keine normale Atmung vorhanden ist, wenn man also nicht sicher sieht, ob jemand normal atmet, dann muss man Erste Hilfe rufen, professionelle Hilfe, der Notarzt muss kommen. Man muss schauen, kann jemand helfen, hat jemand eine medizinische Ausbildung und dann muss man mit Wiederbelebungsmaßnahmen anfangen.

Eine Person ist am Arbeitsplatz ohnmächtig – was ist zu tun?

Ich schau nach, vielleicht ist der Mensch auch einfach nur schwach. Wenn er ansprechbar ist – wunderbar, wenn er nicht ansprechbar ist, dann schaue ich, ob er atmet – das ist gar nicht so einfach. Wir sagen, wenn keine normale Atmung vorhanden ist, dann muss unmittelbar mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden. Natürlich bevor ich damit beginne, schaue ich erst, wo kann ich Hilfe bekommen. Am Arbeitsplatz ist das meistens einfacher, oft gibt es da auch ausgebildete Personen, aber natürlich muss immer der Notarzt gerufen werden!

Eine Person ist in der Klinik/Praxis ohnmächtig – was ist zu tun?

Wenn Sie in der Klinik sind, rufen sie natürlich sofort das Notfallteam. Sie brauchen natürlich sofort professionelle Hilfe. Dann können sie natürlich schauen, ob sie dem Menschen bereits helfen können. Wenn er noch atmet, ist das gut, dann empfehle ich die stabile Seitenlage. Wenn ein Patient in der Klinik ist und nicht mehr atmet, dann sollte man auch in der Klinik sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, denn jede Minute, die man wartet, verschlechtert das Überleben des Patienten. Und auch in der Klinik kann es mal ein paar wenige Minuten dauern, bis das Notfallteam eintrifft.

Welche Basismaßnahmen kann ich als Laie einleiten?

Jeder Laie ist unmittelbar in der Lage, effektive Maßnahmen einzuleiten. Das wichtigste ist, professionelle Hilfe zu holen, also den Notarzt alarmieren. Das nächste ist, ich fange einfach mit der Herzdruckmassage an. 100/min mindestens. Denken sie an „Staying alive“ von den BeeGees. Mindestens 5cm tief drücken, unteres Drittel des Brustbeins. Allein das reicht, um einige Minuten zu überbrücken und den Menschen am Leben zu erhalten. Wenn Sie darüber hinaus noch können, wenn Sie ausgebildet sind oder das auch wollen, dann können Sie den Patienten auch noch mit Mund-zu-Mund-Beatmung intermittierend beatmen.

Was ist bei der Herzdruck-Massage zu beachten?

Das wichtigste bei der Herzdruckmassage ist (wenn man erkannt hat, dass es sich bei dem Menschen um einen mit Kreislaufstillstand handelt) dass man mit der Herzdruckmassage anfängt. Das ist das wichtigste! So kann die Lebensfunktion weiter aufrechterhalten werden bis der professionelle Rettungsdienst eintrifft. Die Message an dieser Stelle ist: Hauptsache heftige Herzmassage. Sie nehmen beide Hände und legen die auf die untere Hälfte des Brustbeins oder auf das untere Drittel des Brustbeins, knien neben dem Patienten und drücken das Brustbein mindestens 5cm tief mit einer Frequenz von 100/min ein, bis der professionelle Rettungsdien kommt. Das ist gar nicht einfach, das ist anstrengend. Wenn es da noch andere Menschen gibt, lassen sie sich nach 2 min abwechseln und wenn sie nicht so ganz sicher sind, ob sie in der richtigen Frequenz sind, dann denken sie an die BeeGees „Staying Alive“, die haben den richtigen Rhythmus.

Was ist bei Maßnahmen zur Beatmung zu beachten?

Bei den Maßnahmen zur Beatmung ist zu beachten: Wir empfehlen die Beatmung, weil sie die Überlebensrate der Menschen noch ein bisschen mehr verbessert als die alleinige Herzdruckmassage. Gleichzeitig sagen wir, dass wenn jemand nicht ausgebildet ist in der Beatmung oder nicht beatmen möchte, aus welchen Gründen auch immer (das ist ein fremder Mensch, vielleicht hat man da eine gewisse Hemmschwelle aus ganz unterschiedlichen Gründen), dann muss man nicht beatmen. Das wichtigste ist die Herzmassage. Das ist immer das erste, was man bei der Beatmung beachten muss.

Das zweite, was man beachten kann und muss, wenn man zu zweit ist: Der eine kann Herzmassage machen und der andere beatmen. Und wir empfehlen 30x mit einer Frequenz von 100/min (mindestens mit dieser Frequenz) den Brustkorb einzudrücken und dann 2x eine Mund-zu-Mund-Beatmung durchzuführen. Die Mund-zu-Mund-Beatmung führt man am besten so durch, dass man den Kopf des Menschen, der den Kreislaufstillstand hat, ein bisschen überstreckt, dass man mit seinem eigenen Mund über den Mund Luft in die Lunge des Patienten bläst. Also die eigene Ausatmenluft bläst man in den Patienten hinein, und man atmet tief ein, und Ausatmen tut man in den am Boden liegenden Patienten. Es empfiehlt sich, die Nase des Patienten zuzuhalten, damit die Luft da nicht wieder rausgeht. Wenn man das richtig macht, hebt sich der Brustkorb leicht und wenn man dann wieder weggeht, dann entweicht die Luft aus dem Patienten. Das macht man 2x und dann macht man wieder 30 Thoraxkompressionen, 30x Herzdruckmassage, und dann macht man wieder 2x Beatmung. Das ganze macht man so lange, bis der professionelle Rettungsdienst kommt.

Mache ich mich strafbar, wenn bei der Reanimation etwas schief geht?

Ganz sicher nicht! Das einzige, was man bei der Wiederbelebung falsch machen kann, ist nicht damit zu beginnen. Fangen sie einfach damit an, mit den Brustkompressionen. Es verdoppelt die Überlebensrate des Menschen.

Habe ich als Autofahrer eine besondere Pflicht zur Reanimation?

Sie haben als Autofahrer vielleicht eine Ausbildung, die liegt manchmal 30 Jahre zurück. Es empfiehlt sich, das ab und zu mal zu aktualisieren und sich damit auch zu beschäftigen. Ich würde sagen, jeder hat eine besondere Pflicht zur Wiederbelebung, denn es verdoppelt die Überlebensrate der betroffenen Patienten.

Wie erfolgt die Wiederbelebung durch den Rettungsdienst?

Der professionelle Rettungsdienst macht zunächst einmal gar nichts anderes wie der Laie. Auch hier werden die Brustkompressionen, die Thoraxkompressionen, die Herzdruckmassage, weitergeführt, gleichzeitig auch die Beatmung des Patienten. Wir nehmen dafür natürlich Atemmasken und Atembeutel und dann legen wir einen Plastikschlauch in die Luftröhre. Das verbessert noch einmal die Atmung und wir können auch mehr Sauerstoff geben. Gleichzeitig geben wir auch noch über die Venen bestimmte Medikamente, die das Herz rhythmisieren und den Kreislauf stärken.

Wie kann ich mich auf kritische Herz-Kreislauf-Situationen vorbereiten?

Das Beste ist, wenn man sich ausbilden lässt. Viele machen ja die Ausbildung beim Führerschein, oft ist das lange her. Es empfiehlt sich, das ab und zu mal zu wiederholen. Es gibt schöne Internetmöglichkeiten, sich up-zu-daten. Es gibt verschiedene Hilfsorganisationen, das Deutsche Rote Kreuz und andere, die regelmäßig Kurse anbieten. Und wir sind momentan dabei, die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin möchte und wird dafür sorgen, dass die Wiederbelebung auch ein Ausbildungsthema in den Schulen wird.

Gibt es spezielle Richtlinien für die Durchführung der Wiederbelebung?

Es gibt klare, wir sagen Leitlinien, für die Durchführung der Reanimation. Wir entwickeln bzw. erneuern die alle 5 Jahre, basierend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die wir in der Zwischenzeit gewonnen haben. Das European Resuscitation Council, dem ich vorstehe, publiziert diese Leitlinien. Die letzten wurden im Jahr 2010 publiziert. Auf deutscher Ebene werden die erst mal übersetzt und an die deutschen Verhältnisse adaptiert. Das macht das German Resuscitation Council. Die Leitlinien sind sehr klar.

Was gibt es heute Neues auf dem Gebiet der Reanimation?

Für mich ist das wichtigste, was sich in der Wiederbelebung in den letzten Jahren verbessert hat: die Möglichkeit, durch das Kühlen eines Menschen: Wir kühlen die betroffenen Patienten für 24 Stunden, also für einen ganzen Tag, auf 32-34°C ab. Die Menschen sind natürlich künstlich beatmet und schlafen. Das Abkühlen dieser Menschen führt zu einer deutlichen Verbesserung des Überlebens, weil viele schädigende Mechanismen, vor allem im Gehirn, dadurch positiv beeinflusst werden und nicht mehr so großen Schaden anrichten können. Das ist das Eine und hier ist es so, dass leider noch nicht alle Kliniken in Deutschland diese Maßnahme durchführen, die sehr effektiv ist, die in den Leitlinien steht und die einfach durchgeführt werden muss.

Das Zweite, das mir an der Stelle besonders wichtig erscheint und auch sehr am Herzen liegt, ist, dass wir Untersuchungen aus dem deutschen Reanimationsregister der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin haben, die aktuell publiziert wurden und die zeigen, dass die Wiederbelebungsrate durch medizinische Laien in Deutschland sehr niedrig ist. Es gibt Länder, skandinavische Länder und auch die Niederlande, da werden 50-60% der Menschen durch Laien wiederbelebt nach einem Kreislaufstillstand. In Deutschland liegt die Rate bei 15%. Das ist sehr niedrig. Vergleichbar niedrige Raten finden wir auch in den mitteleuropäischen oder den südeuropäischen Ländern. Hier kann erheblich viel getan werden durch entsprechende Ausbildung, durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit. Wenn es gelingt, die Wiederbelebungsrate durch Laien zu verbessern, dann wird das unmittelbar die Überlebensrate der betroffenen Patienten verbessern. Wenn ein Laie einen Menschen wiederbelebt, dann verdoppelt das seine Überlebensrate.

Welche Neuentwicklungen erwarten Sie in den nächsten Jahren?

Für die nächsten Jahre erwarte ich weniger Neuerungen im Bereich der Medikamente oder der Geräte. Ich glaube, das entscheidende in den nächsten Jahren wird die Aufmerksamkeit in der Bevölkerung sein und auch der Ausbildungsgrad, den wir hoffentlich in dieser Zeit positiv beeinflussen. Wenn ein Mensch, der einen Kreislaufstillstand hat, durch einen Laien wiederbelebt wird, dann verdoppelt das seine Überlebensrate.

Wir haben gerade auf europäischer Ebene durch das European Resuscitation Council eine Initiative des Europaparlaments auf den Weg gebracht, die von 395 europäischen Parlamentariern durch ihre Unterschrift unterstützt wurde, und diese Initiative wird hoffentlich dazu führen, dass auch die europäische Kommission eine Initiative ergreift, um zum Beispiel die Ausbildung zur Wiederbelebung in den Schulen in ganz Europa fest zu etablieren, sodass jeder Schüler mindestens dreimal mindestens 2 Stunden in seiner schulischen Laufbahn in der Wiederbelebung ausgebildet wird.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Bernd Böttiger zum Thema Wiederbelebung / Reanimation aufgenommen als Video im Oktober 2012

PROF. DR. MED. OLIVER BRÜSTLE
bruestle

Spezialisierungen:
Stammzellforschung, Neuroregeneration, Neuropathologie

Direktor des Instituts für Rekonstruktive Neurobiologie der Universität Bonn sowie Mitgründer und Geschäftsführer der Life&Brain GmbH

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Oliver Brüstle zum Thema “Stammzellforschung”

Was sind Stammzellen? In welchen Geweben kommen sie vor?

Stammzellen haben zwei charakteristische Eigenschaften: Zum einem können sie sich dauerhaft vermehren. Zum anderen können sie in organspezifischen Organen ausreifen. Wir finden Stammzellen vor allem in solchen Gewebe und Organen, die sehr gut generieren oder die zeitlebens neue Zellen hervorbringen müssen, wie zum Beispiel die Haut, das Darmepithel oder das Knochenmark, wo ständig millionenfach neue Blutzellen gebildet werden. Unglücklicherweise haben nicht alle Gewebe diesen Stammzellpool zur Verfügung. Das ist auch der Grund, dass Gewebe wie das Nervensystem, Gehirn und Rückenmark, das Herz oder insulinproduzierendes Gewebe ein sehr geringes Regenerationspotential haben.

Was sind embryonale Stammzellen? Wie werden sie gewonnen?

Embryonale Stammzellen können aus befruchteten Eizellen gewonnen werden, wie sie etwa bei der künstlichen Befruchtung anfallen, aus sogenannten überzähligen Embryonen. Bei diesem Verfahren werden die befruchteten Eizellen über wenige Tage in der Zellkultur erhalten (=kultiviert) bis zur Ausbildung eines Keimbläschen. Wir nennen es Blastozyste. Aus der Blastozyste (aus der inneren Zellmasse dieses Gebildes) können embryonale Stammzellen isoliert und gewonnen werden. Einmal gewonnen haben diese Zellen zwei herausragende Eigenschaften: Sie können dauerhaft über viele Jahre vermehrt werden, eingefroren und wieder aufgetaucht werden und sie haben wie Zellen im frühen Embryo die Möglichkeit und Fähigkeit in verschiedenste Gewebezelltypen auszureifen. So lassen sich herz- oder blutbildende Zellen, Gehirnzellen und viele andere Zelltypen aus embryonalen Stammzellen gewinnen. Allerdings können die Zellen aus sich aus keinen ganzen Organismus bilden. Wir bezeichnen diese Zellen als pluripotente Stammzellen, weil sie diese vielen Eigenschaften der Zelldifferenzierung in sich tragen.

Warum werden embryonale Stammzellen kontrovers diskutiert?

Auf der einen Seite haben embryonale Stammzellen sehr großes medizinisches Potential gerade für Organe, die sich schlecht oder gar nicht regenerieren können. Hier besteht die möglich künstlich im Labor aus den embryonalen Stammzellen verschiedene Zelltypen herzustellen wie Herzzellen, Gehirnzellen, blutbildende Zellen, insulinproduzierende Zellen und viele andere Zelltypen. Gerade aufgrund der zunehmenden degenerativen Erkrankungen verbindet deshalb die Wissenschaft aber auch die Bevölkerung große Hoffnung mit diesem Forschungsgebiet. Auf der anderen Seite müssen für die Gewinnung der Stammzellen befruchtete Eizellen, das heißt Embryonen im frühesten Stadium herangezogen werden. Der Keim geht bei der Gewinnung von embryonalen Stammzellen zu Grunde, weshalb kontrovers diskutiert wird, ob solche Zellen überhaupt gewonnen werden dürfen und ob man sie medizinisch einsetzen soll. Letztendlich ist dies eine Abwägung zwischen der Schutzwürdigkeit des Embryos im frühen Stadium und der Möglichkeit neuer medizinischer Anwendungen zu erschliessen. Diese Abwägung ist sehr schwierig, entsprechend divers ist auch die Regelung dieses Gebietes national wie international. In Deutschland zum Beispiel dürfen embryonale Stammzellen gar nicht gewonnen werden. Es ist lediglich möglich unter strengen Auflagen aus dem Ausland bereits existierende Stammzellen zu importieren. Geregelt wird dieses sehr sensible Gebiet in Deutschland durch das Stammzellgesetz.

Was sind induziert pluripotente Stammzellen? Haben sie Vorteile?

Vor wenigen Jahren ist es Forschern aus Japan gelungen, aus Hautzellen des Erwachsenen mit Hilfe einer vorübergehenden genetischen Veränderung pluripotente Stammzellen, diese Alleskönner, künstlich zu erzeugen. Wie embryonalen Stammzellen können diese Zellen in verschiedene organspezifische Zellpopulationen ausreifen, wie beispielsweise in Herzzellen, in neuronale Zellen, insulinbildende Zellen oder in viele verschiedene Zelltypen. Da die Pluripotenz dieser Zellen künstlich im Labor induziert wurde, bezeichnen wir sie als induzierte pluripotente Stammzellen oder abgekürzt IPS-zellen. Diese IPS-Zellen haben für die Medizin ganz entscheidende Vorteile, da sie aus dem jeweiligen Patienten quasi maßgeschneidert gewonnen werden können. Würden Zellen aus IPS entwickelt werden, würden sie bei einer Transplantation nicht abgestossen werden, da sie genetisch identisch sind mit dem Empfänger. Zusätzlich sind bei der Gewinnung der Zellen keine befruchteten Eizellen erforderlich, so dass auch die ethische Problematik, wie wir sie bei der Gewinnung embryonaler Stammzellen haben, entfällt.

Warum wird sowohl an „HES“ als auch an „IPS“ geforscht?

Embryonale Stammzellen sind sozusagen die natürliche Variante der Alleskönner, der pluripotenten Stammzellen. Diese Zellen werden ja ohne genetische Veränderungen aus dem frühen Embryo gewonnen. Gleichzeitig versucht das Feld nun solche Zellen künstlich zu erzeugen über Reprogrammierung induzierter pluripotente Stammzellen immer besser herzustellen. Im Idealfall sollten diese den embryonalen Stammzellen in all ihrer Eigenschaft entsprechen und auch sicher für die Anwendung sein. Um dieses herauszufinden braucht man den direkten Vergleich zwischen induzierte pluripotente Stammzellen und embryonale Stammzellen. Das heißt, dass wir brauchen beide Forschungsgebiete, um dieses Feld voranzutreiben.

Was sind die Risiken bei der Nutzung pluripotenter Stammzellen?

Neben den allgemeinen Risiken einer Gewebetransplantation müssen hier besondere Punkte beachtet werden. Pluripotente Stammzellen sind in der Lage verschiedenste Gewebe auszubilden. Die Ausreifung dieser Zellen muss vor Transplantation im Labor ganz genau und präzise gesteuert werden. Geschieht dieses nicht, besteht das Risiko einer Tumorentwicklung. Auch genetische Veränderungen die während der Reprogrammierung oder im Verlauf der Vermehrung der Zellen im Labor auftreten, bergen ein mögliches Tumorrisiko und müssen deshalb sehr genau kontrolliert werden.

Wo werden Stammzellen heute bereits klinisch eingesetzt?

Stammzellen aus dem Knochenmark und aus Nabelschnurblut werden bereits seit vielen Jahren klinisch eingesetzt. Vor allem um das blutbildende System aufzubauen, etwa nach einer Krebsbehandlung in deren Verlauf das blutbildende System zerstört wird. Auch aus anderen Geweben sind Stammzellen bereits im klinischen Einsatz. Beispielsweise aus der Haut. Man kann heute mit Hilfe von Hautstammzellen kleinere Hautabschnitte bereits künstlich im Labor erzeugen und damit beispielsweise Verbrennungsopfer zu behandeln. Auch Stammzellen aus dem Hornhautrand sind im klinischen Einsatz, zum Beispiel zur Versorgung anderwärtige nicht behandelbarer Hornhautläsionen. Was embryonale Stammzellen angelangt, ein noch junges Gebiet, hier gibt es erste klinische Studien beispielsweise zur Behandlung von Netzhauterkrankungen, der sogenannten altersbedingten Makuladegeneration. Eine Erkrankung des Auges, die bei älteren Patienten zu Erblindung führen kann. Weitere Studien zum Beispiel zum Zellersatz bei der Parkinson-Erkrankung sind in Vorbereitung.

Eignen sich Stammzellen für die Medikamentenentwicklung?

Das ist ein sehr spannendes und viel versprechendes neues Gebiet. Bislang wurden die Wirkstoffe überwiegend an Zellen tierischen Ursprungs oder an menschlichen Tumorzelllinien untersucht, die mit dem erkrankten menschlichen Gewebe sehr wenig zu tun haben und deshalb nur eingeschränkte Aussagen über Wirksamkeit und Nebenwirkungen zulassen. Mit Hilfe pluripotente Stammzellen ist es nun möglich, beliebige gewebespezifische Zellen menschlichen Ursprungs künstlich im Labor zu erzeugen. Im Falle können IPS-Zellen sogar vom jeweiligen Patienten und damit Wirkstoffforschung zu betreiben. So ist es zum Beispiel möglich, aus Patienten mit neurologischen oder auch mit Herzerkrankungen entsprechende Zellen künstlich im Labor herzustellen und erstmals an diesen von der Krankheit betroffenen Zellen Wirkstoffforschung zu betreiben, die Entstehung der Erkrankung zu erforschen und Wirkstoffe zu testen.

Wo finde ich verlässliche Informationen zu Stammzelltherapien?

Gerade was vermeidliche Stammzelltherapien anbelangt, gibt es leider auch eine große Zahl unlauterer Angebote. Deshalb ist es wichtig, verlässliche und objektive Informationen über dieses Gebiet zu haben. Das Kompetenznetzwerk Stammzellforschung Nordrhein-Westfalen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Experten wie Laien umfassend zu diesem Gebiet zu informieren. Die Homepage dieses Netzwerks hat auch Links zu anderen internationalen Netzwerken und den entsprechenden Fachgesellschaften. Sie finden diese Informationen unter: www.stammzellen.nrw.de

Was sind die offenen Fragen in der Stammzellforschung?

Zum einen versucht dieses Feld natürlich diese neuen Stammzellpopulationen, pluripotente Stammzellen, das heißt, embryonale Stammzellen und induzierte pluripotente Stammzellen, in die klinische Anwendung zu bekommen. Das ist eine große Herausforderung, zu deren Lösung Grundlage-Wissenschaftler und Kliniker eng zusammen arbeiten müssen. Gleichzeitig forscht man nach noch neueren Methoden, zur Gewinnung solcher Ersatzzellen. Wir können heutzutage auch auf direktem Wege, beispielsweise aus Hautzellen oder Blutzellen Gehirnzellen herstellen ohne den Umweg über diese Alleskönner, über pluripotente Stammzellen zu gehen. Das ist ein Gebiet, welches sich sehr rasant entwickelt und die Perspektive in Zukunft im Organismus direkt von einem Zelltyp in den andere umzuwandeln, so dass gar keine Transplantation von Nöten wäre.

Was passiert bei einer Transplantation von Stammzellen?

Die Transplantation von Stammzellen unterscheidet sich grundlegend von der Organ-Transplantation. Es geht bei der klinischen Nutzung von Stammzellen nicht um die Züchtung ganzer Organe. Vielmehr geht es darum, Stammzellen in geschädigte Organe einzuschleusen, um dort vor Ort ausgefallene Zellen zu ersetzen. Das heißt man transplantiert nicht Organe oder Gewebeabschnitte, sondern man injiziert Stammzellen als Zelllösung bzw. Zellsuspension in die betroffene Organe oder ins Blutsystem.

Quelle:  Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Prof. Dr. med. Oliver Brüstle zum Thema Stammzellforschung aufgenommen als Video im Januar 2015

PROF. DR. MED. THOMAS BUCK
Unser Experte für Herzklappenerkrankungen

Chefarzt der Kardiologie des Klinikums Westfalen, über 20 Jahren klinische und wissenschaftliche Erfahrungen zur Behandlung von Herzklappenerkrankungen; Spezialisierung auf die Echokardiographie (3-dimensionale Echokardiographie) sowie in der modernen Behandlung von Herzklappenerkrankungen im Herzkatheterlabor

Die Klinik für Kardiologie bildet mit Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Bochum-Bergmannsheil das Herzzentrum Westfalen und bietet das gesamte Spektrum der Diagnostik sowie chirurgischen und katheter-basierten Klappentherapie; hochmodernes Hybrid-Herzkatheterlabor; 3-dimensionale Echokardiographie zur Diagnostik und zur Steuerung während katheter-basierten Herzklappeneingriffen

 Spezialisierungen:

+ Kardiologie und Interventionelle Kardiologie
+ DEGUM Kursleiter Echokardiographie (Stufe III)
+ Katheter-basierte Diagnostik und Klappentherapie

DR. MED. KEREM BULUT
Unser Experte für Colitis ulcerosa

Chefarzt der Inneren Medizin/ Gastroenterologie am St. Clemens-Hospital Geldern, langjährige klinische Erfahrungen sowie Forschungsarbeiten zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, besondere Expertise in der endoskopischen Behandlung sowie persönliche Betreuung der Patienten

 

 Spezialisierungen:

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Endoskopische Diagnostik und Therapie, Colonoskopie und Bronchoskopie

 

Die Klinik für Innere Medizin / Abteilung Gastroenterologie am St.-Clemens-Hospital in Geldern bietet umfassende diagnostische Möglichkeiten des Dünndarms, sehr gute medikamentöse, endoskopische und chirurgische Therapiemöglichkeiten sowie erfahrenes ärztliches und pflegerisches Personal zur Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

PROF. DR. MED. ALI E. CANBAY
canbay

Spezialisierungen:
Chronische und akute Lebererkrankungen; Lebertransplantation, Behandlung des Leberkarzinoms, Fettleber

Stellvertretender Direktor der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie / Zentrum für Innere Medizin am Universitätsklinikum Essen,Stellvertretender Leiter der Zentralen Endoskopie

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Ali E. Canbay zum Thema “Diagnose und Therapie der Fettleber”

Was ist eine Fettleber-Erkrankung,welche Formen  gibt es?

Eine Fettleber-Erkrankung ist eine Verfettung der Leber. Zum einen haben wir die alkoholische Fettleber-Erkrankung und zum anderen haben wir die nicht-alkoholische Fettleber-Erkrankung.

Welche Symptome weisen auf eine Fettleber hin?

Die Symptome  sind zum einen erhöhte Müdigkeit und vor allem rechtseitige Oberbauchschmerzen können auf eine Fettleber hinweisen.

Was sind die Ursachen für eine nicht-alkoholische Fettleber?

Die Hauptursache einer nicht-alkoholischen Fettleber sind vor allem Adipositas (=die Fettleibigkeit) und der Diabetes.

Was sind die Ursachen für die alkoholische Fettleber?

Die Ursache einer alkoholischen Fettleber-Erkrankung ist natürlich der Gebrauch von übermäßigem Alkohol. Der überhöhte Alkoholkonsum, das heißt jeden Tag einen halben Liter Wein, kann zur alkoholischen Fettleber führen.

Was sind die Risikogruppen?

Zur Risikogruppegehören der Alkoholkonsum, die Adipositas (=Fettleibigkeit) und der Zuckerstoffwechsel (=Diabetes).

Wie wird eine Fettleber diagnostiziert?

Die Fettleber wird durch eine Ultraschall-Untersuchung (=Sonografie) diagnostiziert.

Wie wird die Fettleber-Erkrankung behandelt?

DieFettleber-Erkrankung wird durch Lifestyle Modifikation (=Änderung der Lebensgewohnheiten) behandelt, das heisst, man versucht zum einen die Ernährung umzustellen oder mehr Sport zu treiben. Das ist die erste Phase der Therapie. Die zweite Phase der Therapie ist eine medikamentöse Therapie, die beinhaltet, dass man durchaus die Risikofaktoren wie den Diabetes optimal therapiert.

Muss die Fettleber behandelt werden? Welche Folgen drohen?

Die Fettleber muss behandelt werden, denn wenn eine Fettleber nicht behandelt wird, kann es zu einer Fettleber-Hepatitis führen. Eine Fettleber-Hepatitis kann über Jahre zu einer Zirrhose (= ein Umbau der Leber) führen und letztendlich zur Entstehung eines Lebertumors.

Wie wirdeine akute Fettleber-Hepatitisbehandelt?

Eine akute Fettleber-Hepatitis ist meistens durch Alkohol verursacht. Die Behandlung einer akuten Fettleber-Hepatitis  geschieht  meistens stationär, das heisst, die Patienten müssen in der Klinik aufgenommen werden und medikamentös und ernährungstechnisch behandelt werden.

Wie kann eine chronische Fettleber behandelt werden?

Eine chronische Fettleber-Erkrankung muss unbedingt behandelt werden. Denn eine chronische Fettleber-Erkrankung mit einer Entzündung führt zu einer Zirrhose und letztendlich zur Entstehung eines Lebertumors. Es sind langfristige Veränderungen notwendig, das heißt, dass die Patienten Gewicht abnehmen, den Diabetes optimieren und sich viel mehr bewegen.

Steigt bei einer Fettleber mein Krebs-Risiko?

Ja, durchaus steigt das Risiko für eine Entstehung eines Tumors in der Leber an, wenn aus einer Fettleber eine Fettleber-Hepatitis entsteht.

Muss ich bei einer Fettleber auf Alkohol verzichten?

Man muss unbedingt auf Alkohol verzichten, denn ein zusätzlicher Alkoholkonsum kann eine Fettleber, bedingt durch die Fettleibigkeit oder auch Diabetes, deutlich verstärken. Das heißt, die Schädigung der Leber nimmt zu und damit entwickeln die Patienten eine schnellere Zirrhose und eine Entwicklung eines Lebertumors.

Wie ist die Prognose bei der Behandlung der Fettleber?

Die Prognose der Fettleber, wenn man sie behandelt, ist sehr gut, denn die Leber hat eine hohe Regenerationsfähigkeit. Die Verfettung der Leber bildet sich zurück und dann haben wieder Sie eine Leber ohne Fett.

Was sollte ich in der Ernährung bei einer Fettleber beachten?

Die Ernährung spielt eine wesentliche Rolle in der Entwicklung der Fettleber. Wir wissen, dass zum Beispiel Fastfood zu einer Leberverfettung führen kann. Wir wissen, dass zum Beispiel Cola- oder Limonade-haltige Getränke zu einer Leberverfettung führen können.Wir wissen aber auch, dass eine kohlenhyrdatreiche Nahrung ebenfalls zu einer Leberverfettung führen kann. Und da ist es wichtig, dass man auf Obst verzichtet oder wenig Obst konsumiert und mehr Gemüse konsumiert. Wir wissen, dass Obst bzw. die Fructose selbst zu einer Leberverfettung führen kann.

Welche aktuellen Forschungsansätze gibt es auf diesem Gebiet?

Die aktuellen Forschungsansätze der Fettleber sind zum einen Veränderungen des sogenannten Mikrobioms, das heißt, die Veränderung der Bakterien im Darm. Sie haben Einfluss auf die Entwicklung der Fettleber-Hepatitis. Zum anderen haben wir Hinweise, dass das Fettgewebe Einfluss auf die Entwicklung der Fettleber hat.

Was gibt es Neues bei der Behandlung der Fettleber?

Aktuelle Therapien sind in der Erforschung, aber eine aktuelle optimale medikamentöse Therapie gibt es nicht. Die beste Therapie ist, weniger zu essen und sich mehr zu bewegen.

Welche Innovationen erwarten Sie in den nächsten 3-5 Jahren?

In den nächsten 3-5 Jahren werden wir den pathophysiologischen Mechanismus mehr untersuchen, das heißt, wie kommt es von einer einfachen Fettleber zur Fettleber-Hepatitis und damit zur Entstehung einer Zirrhose und eines Lebertumors. Da sehen wir insbesondere die Entwicklung in einem Bereich, wo wir auf der molekularen Ebene genau die Mechanismen aufarbeiten können, die eben zu einer Schädigung der Leberzellen führen können.

Quelle:  Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviewsmit Herrn Prof. Dr. med. Ali E. Canbayzum Thema Fettleber, aufgenommen als Video im Februar 2015