Unser Experte für Prostata – Basics

PROF. DR. MED. PETER ALBERS
albers

Spezialisierung:
Klinische Schwerpunkte sind die urologische Onkologie (Prostata-, Blasen-, Nieren- und Hodenkarzinome), die rekonstruktive Urologie, benigne Prostatahyperplasien sowie Harnsteinleiden. Dabei kommen unteranderem moderne Diagnostik- und Therapieverfahren zum Einsatz: die Schlüssellochchirurgie (Laser) sowie Roboter-assistierte Operationen (DaVinci).

Direktor der Urologischen Klinik am Universitätsklinikum Düsseldorf und Leiter der Zertifizierungskommission der Deutschen Krebsgesellschaft für Prostatakrebszentren in Deutschland.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Peter Albers zum Thema “Prostata”

Wie funktioniert die Prostata?

Herr Prof. Dr. Albers: Die Prostata ist die so genannte Vorsteherdrüse des Mannes. Eine Drüse, die einen Teil der Samenflüssigkeit produziert, etwa kastaniengroß ist und unterhalb der Blase liegt.

Wenn sie sich im Alter vergrößert merkt der Mann das, indem er schlecht Wasser lassen kann. Zudem können sich dort Krebserkrankungen und Entzündungen abspielen. Das sind allesamt mehr und minder Alterserscheinungen. In jungen Jahren merkt der Mann die Prostata eigentlich gar nicht. Sie ist ein ganz normales Organ, das der Fruchtbarkeit des Mannes dient.

Wie macht sich eine Vergrößerung der Prostata bemerkbar?

Herr Prof. Dr. Albers: Eine gutartige Vergrößerung der Prostata merkt man am ehesten am schlechten Wasserlassen. Man muss nachts häufiger aufstehen, der Harnstrahl wird schwächer. Auch beim Auto fahren muss man häufiger anhalten um Wasser zu lassen. Die Erkrankung tritt meistens ab dem 60. Lebensjahr auf und betrifft fast zwei Drittel aller älteren Männer. Krebserkrankungen hingegen haben überhaupt keine Symptome. Man denkt immer, der Krebs macht auch Beschwerden. Das tut er erst, wenn er weit vorgeschritten ist.

Wie wird eine vergrößerte Prostata behandelt?

Herr Prof. Dr. Albers: Die Prostatavergrößerung führt dazu, dass der Patient schlecht Wasser lassen kann. Die Blase muss sich sehr anstrengen, um den Urin durch die Prostata hindurch zu drücken. Deswegen ist es sinnvoll, zunächst einmal die Prostatagröße medikamentös zu reduzieren bzw. die Spannung in diesem Organ heraus zu nehmen. Das hält meistens 5 bis 6 Jahre lang an.

Aber dann lassen die Medikamente in ihrer Wirkung nach und man muss in den allermeisten Fällen operieren, das heißt die Prostata ausschälen. Das passiert durch die Harnröhre hindurch ohne offenen Schnitt und man verwendet dort elektrischen Strom oder Laserenergie, um die vergrößerten Areale zu entfernen. Danach ist das Wasser lassen dann besser und die Operation braucht auch nur einmal durchgeführt zu werden, wenn sie vernünftig durchgeführt wird.

Beeinträchtigen Erkrankungen der Prostata die Sexualität?

Herr Prof. Dr. Albers: Die meisten Erkrankungen beeinträchtigen die Sexualität überhaupt nicht. Also zum Beispiel die gutartige Vergrößerung führt nicht zu Erektionsstörung. Eine akute Prostatitis kann manchmal chronischen Beckenschmerz verursachen. Und wenn man Prostatakrebs operieren lassen muss oder bestrahlen lassen muss, dann ist dort häufig eine verminderte Erektionsfähigkeit die Folge. Das heißt, nur wenige Erkrankungen der Prostata haben tatsächlich Einfluss auf die Sexualität.

Warum sollten Männer zur Vorsorge zum Urologen gehen?

Herr Prof. Dr. Albers: Der Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes und die Vorsorge dient dazu, diesen Krebs sehr frühzeitig zu erkennen. Gerade die aggressiven Prostatakrebs-Formen treten in jüngeren Jahren auf, so dass wir Vorsorgeuntersuchungen ab dem 45, oft schon ab dem 40. Lebensjahr empfehlen, um die aggressiven Tumoren frühzeitig erkennen zu können. Dabei muss man bedenken, dass die Hälfte der Patienten ein Prostatakrebs haben wird, an dem sie nicht versterben werden. Da wäre sinnvoll, diesen entweder gar nicht zu erkennen oder zumindest nicht zu behandeln. Insofern ist die Früherkennungs-Untersuchung sehr anspruchsvoll und eine detaillierte Untersuchung, die von Fachleuten durchgeführt werden muss.

Welche Vorsorgeuntersuchungen empfehlen Sie?

Herr Prof. Dr. Albers: Gesetzlich empfohlen wird die Tastuntersuchung der Prostata durch den Enddarm hindurch und das ab 45 Jahre. Das wird auch von der Kasse bezahlt. Wir als Urologen empfehlen zusätzlich die Entnahme des Prostata-spezifischen Antigens. Das ist ein Laborparameter aus dem Blut, der genau anzeigen kann, ob eine Prostataerkrankung vorliegt. Für den Einzelpatienten ist das nach wie vor der beste Tumormarker. Deswegen addieren wir das gerne für die Früherkennungs-Untersuchung. Es dient auch dazu, die Patienten im weiteren Verlauf zu beobachten und hilft uns sehr, die Erkrankung richtig einzuordnen.

Was halten Sie von der Bestimmung des PSA-Wertes?

Herr Prof. Dr. Albers: Der PSA-Wert ist für den einzelnen Patienten der beste Tumormarker den es gibt. Kaum ein anderes Krebsleiden ist durch einen einfachen Bluttest so genau zu bestimmen, wie das Prostatakarzinom. Problematisch ist es, dass der PSA-Wert auch gutartige Prostataerkrankungen erkennt, also Entzündungen oder auch gutartig vergrößerte Drüsen haben einen erhöhten PSA-Wert. So dass die Beurteilung des Wertes – vor allem, wenn man mehrere Werte hintereinander macht – nicht ganz einfach ist und deswegen eigentlich nur vom Urologen durchgeführt werden sollte. Wenn dann klar ist, in welcher Risikogruppe der Patient sich befindet, dann kann diese Routineuntersuchung auch von Hausärzten durchgeführt werden. Aber die initiale Beurteilung des PSA-Wertes ist extrem wichtig, damit man nicht zu viele Patienten unnötig diagnostiziert und dass man die Patienten, die wirklich eine frühe Diagnose benötigen, frühzeitig genug erkennt.

Ab welchem Alter sollten Männer den PSA-Wert bestimmen lassen?

Herr Prof. Dr. Albers: Nach neuesten Studienergebnissen ist es so, dass man eine erste Bestimmung in sehr frühen Lebensjahren empfiehlt. Das heißt: Ab 40 sollte ein einziger PSA-Wert vorliegen. An diesem Wert kann man schon eine ganze Menge ablesen. Befindet sich dieser Wert unter einer bestimmten Grenze, dann gehört man – und das sind 70 bis 80 Prozent der Patienten – zu einer so genannten Niedrigrisiko-Gruppe. Man hat also dann relativ rasch die Gewähr, dass man kaum eine Chance hat, an Prostatakrebs zu erkranken.

Wenn in jungen Jahren der Wert bereits sehr hoch ist dann führt es dazu, dass eine Krebserkrankung sehr früh erkannt wird und man sehr frühzeitig was dagegen unternehmen kann. Wichtig ist nur – wenn man diese Unterteilung vorgenommen hat – dass nicht alle Patienten ab 40 jährlich PSA-Werte bekommen. Das wäre sicherlich Überbehandlung und Überdiagnostik; aber der Beginn der Früherkennung sollte zwischen 40 und 45 Jahren liegen.

Wie gefährlich ist Prostata-Krebs?

Herr Prof. Dr. Albers: Der Prostatakrebs ist zunächst einmal der häufigste Krebs des Mannes. Das liegt aber daran, dass es ein Alterskrebs ist. Das heißt, etwa 50 Prozent aller neuerkrankten Patienten merken überhaupt nichts vom Prostatakrebs und sterben auch nicht daran. Sie sterben am Herzinfarkt, werden mit dem Krebs alt. Die anderen 50 Prozent haben tatsächlich eine Krebserkrankung, die sie während ihrer Lebenszeit beeinträchtigt und diese Patienten müsste man möglichst früh erkennen.

Die gefährlichsten Krebsarten sind die, die bereits im Alter von 45, 50 oder 55 Jahren auftreten – häufig sehr aggressive Krebskarzinome. Da gibt es auch prominente Beispiele wie Herrn Rüssmann zum Beispiel, den Fußballspieler, der ganz frühzeitig erkrankt und verstorben ist. Daran erkennt man, dass es eine sehr große Bandbreite von Prostatakrebserkrankungen gibt. Und man darf nicht vergessen, dass die Hälfte der Erkrankten nicht am Krebs stirbt und die andere Hälfte eigentlich auch ganz gut therapiert werden kann, wenn man sie früh erkennt.

Sollte bei Prostata-Krebs sofort operiert werden?

Herr Prof. Dr. Albers: Zunächst einmal: Nein. Prostatakrebs ist eine Erkrankung des Alters. Es gibt verschiedene Formen von gutartig bis relativ bösartige Formen des Krebses und man muss zunächst einmal in aller Ruhe feststellen, um welchen Krebs es sich handelt. Welche so genannten Ko-Morbiditäten der Patient aufweist, das heißt, welche Erkrankungen hat er sonst noch, die behandelt werden müssten.

Und das ganze sollte in einem Prostatakrebs-Zentrum stattfinden, das von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert ist. Denn es garantiert dem Patienten, dass er dort Experten vor sich sitzen hat, die sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit der Erkrankung beschäftigen und auch eine neutrale Beratung für die Diagnostik, aber vor allem Therapie des Prostatakrebs mit ihm durchführen. Und dem entsprechend wird dann festgelegt, welcher Krebs tatsächlich sofort behandelt werden muss und welcher Krebs zum Beispiel auch durch ein abwartendes Verhalten mit engmaschiger Beobachtung behandelt werden könnte. Diese gemeinsame Beratung und die von anderen Motiven unbeeinflusste Beratung ist heute ein ganz wesentliches Element der Prostatakrebstherapie.

Welche modernen OP-Methoden kommen zum Einsatz?

Herr Prof. Dr. Albers: Prostatakrebs kann durch verschiedene operative Methoden behandelt werden. Es geht immer darum, dass das gesamte Organ entfernt werden muss. Und für alle Verfahren gilt eigentlich ein Grundsatz: Je häufiger man diese Operation durchführt, je sicher man in der jeweiligen Technik ist, desto besser sind die Ergebnisse. Das heißt: Es gibt zwar moderne Verfahren, die für den Patienten aber durchaus Nachteile bringen können, weil der der sie anwendet, nicht genügend Erfahrungen damit hat. Zu den modernen Verfahren zählen zum Beispiel laparoskopische Eingriffe, also minimal-invasive Knopflocheingriffe, zum Teil auch Roboter assistierte Eingriffe. Die sind nur dann sinnvoll, wenn sehr viel Erfahrung mit dieser Technik besteht und man alle Vorteile dieser Technik gegenüber dem offenen Operieren auch ausspielen kann. Zum Beispiel: weniger Blutverlust, weniger Krankenhausliegezeit, besseres Zusammennähen von Harnblase und Harnröhre nach Entfernen der Drüse. Das sind alles Dinge, die gehen mit einer Roboter-assistierten Technik besser und sinnvoller, aber nur dann wenn der entsprechende Operateur auch genügend Erfahrung hat. Wenn man einen Operateur wählt, der mit der offenen Technik gute Erfahrung hat, werden die Ergebnisse, zumindest die onkologischen Ergebnisse genauso gut sein. Blutverlust und Krankenhausliegezeit spielen ja auf Dauer eine geringe Rolle. Von daher kann man eigentlich nicht sagen, dass die modernen Techniken grundsätzlich besser sind. Sie sind nur dann besser, wenn auch der Operateur genügend Erfahrung mit modernen Techniken besitzt.

Welche Neuigkeiten gibt es bei der Behandlung von Prostata-Erkrankungen?

Herr Prof. Dr. Albers: Ich glaube, die wichtigste Neuigkeit zumindest bei der Krebserkrankung ist, das die Patienten in zertifizierten Prostatakrebs-Zentren behandelt werden sollten, die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert sind. Denn nur in diesen Zentren ist gewährleistet, dass der Patient eine neutrale Beratung über alle möglichen Therapieverfahren erhält und mit dieser Beratung kann er sich dann in aller Ruhe für die für Ihn beste Therapie entscheiden. Andere Erkrankungen haben auch Neuigkeiten und Modernes erfahren. Zum Beispiel bei der gutartigen Erkrankung haben die Lasertechnologien zur Verkleinerung des Organes an Gewicht gewonnen. Auch dort steht der Blutverlust im Vordergrund, der wesentlich geringer ist bei Anwendung einer Lasertechnik gegenüber der üblichen Elektro-Schlingentechnik. Und bei den entzündlichen Erkrankungen hat sich in den letzten Jahren eigentlich wenig getan – dort gibt es einen guten Standard zur Therapie.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Peter Albers zum Thema „Prostata”, als Video aufgenommen im Juni 2012


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