Unser Experte für Strahlentherapie – Basics

PROF. DR. MED. KARL-AXEL HARTMANN
hartmann

Spezialisierungen:
Strahlentherapie, Radioonkologie, Strahlenschutz

Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie und Radiologische Onkologie, Marien-Hospital Düsseldorf und außerplanmäßiger Professor an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, Mitglied der Ethikkommission der Ärztekammer Nordrhein, dabei zuständig für Strahlenschutzfragen.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Karl-Axel Hartmann zum Thema “Strahlentherapie”

Wann wird eine Strahlentherapie eingesetzt?

Strahlentherapie wird im Wesentlichen eingesetzt bei bösartigen Karzinomen. Die Strahlentherapie kann vor einer Operation erfolgen, kann postoperativ, also nach einer Operation erfolgen, und es gibt auch einige Tumorerkrankungen, die auch alleinig durch eine Strahlentherapie behandelt werden.

Können Strahlen eine Krebserkrankung heilen?

Es gibt Situationen, wie zum Beispiel den Prostatakrebs, da können Strahlen ganz alleine ohne eine Operation die Krebserkrankung heilen. Es gibt andere Situationen, beispielsweise Enddarmkrebs, also hier das Analkarzinom zu nennen, da wird Strahlentherapie und Chemotherapie zeitgleich eingesetzt und auch hier kann diese Kombination die Tumorerkrankung in einem hohen Prozentsatz heilen.

Wie wirkt eine Strahlentherapie kombiniert mit der Chemotherapie?

Die Strahlentherapie kann mit einer Chemotherapie kombiniert werden. Hier ist es ganz wichtig, dass die Dosierung der Strahlentherapie angepasst wird, dass auch die Dosierung der Chemotherapie entsprechend angepasst wird und die Auswahl der chemotherapeutischen Substanzen, die mit einer Strahlentherapie gut verträglich sind, ist hier entscheidend. Wichtig ist auch die zeitliche Abfolge, dass also der richtige Rhythmus eingehalten wird zwischen Chemotherapie und Strahlentherapie.

Bei welchen anderen Erkrankungen hilft eine Strahlentherapie?

Es gibt eine Reihe von nicht bösartigen Erkrankungen, bei denen eine Strahlentherapie sehr erfolgreich eingesetzt werden kann. Zu nennen sind hier degenerative Erkrankungen, also Gelenkverschleiß, entzündliche Erkrankungen im Bereich der Gelenke, der Tennisellenbogen ist allgemein bekannt, chronisch-entzündliche Veränderungen der Achillessehne. Hier können relativ kleine Strahlendosen den Schmerz nehmen, die Entzündung zurückführen, weswegen der Einsatz hier sehr dankbar ist und deswegen auch sehr häufig gemacht wird.

Welche neuen Entwicklungen gibt es?

Die Entwicklung der Strahlentherapie ist in den letzten Jahren sehr stark durch Revolutionen im Bereich der Computertechnologie beflügelt worden. Wir haben immer größere Planungsrechner, die es uns auch immer mehr erlauben, komplexe Bestrahlungspläne durchzuführen, sodass Risikoorgane geschont werden können, bei gleicher oder sogar besserer Bestrahlung des Tumors. Eine weitere Neuentwicklung ist die Bildgebung, nicht nur vor einer Strahlentherapie, sondern auch während einer Strahlentherapie. Man kann bei jeder Bestrahlung, die verabreicht wird, dreidimensional nachschauen und sehen, ob sich der Tumor verändert hat und ob sich die Lage des Tumors verändert hat und die Strahlentherapie insofern anpassen an das aktuelle Geschehen, wodurch die Nebenwirkungen geringer werden und die Heilungschancen steigen.

Kann eine Strahlentherapie auch vor einer Operation eingesetzt werden?

Es gibt Situationen, da ist es vorteilhaft, wenn die Strahlentherapie vor einer Operation eingesetzt wird. Insbesondere zu nennen ist hier der Enddarmkrebs, bei gewisser Tiefe des Tumors, Einwachsen in die Schleimhaut, wird erst eine Strahlentherapie über 6 Wochen durchgeführt in Kombination mit einer Chemotherapie. Man wartet dann 3-4 Wochen ab und erst dann kommt die Operation. Dieses Vorgehen hat dazu geführt, dass die Rückfallraten sich deutlich nochmal reduziert haben und heute unter 5% liegen.

Was bringt eine intraoperative Strahlentherapie?

Der Vorteil der intraoperativen Strahlentherapie ist darin zu sehen, dass man während der Operation einen sehr guten Blick auf den Tumor hat, dass man insofern genau weiß, wohin man bestrahlt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Haut zur Seite geschoben ist, dass andere Risikostrukturen wie beispielsweise der Darm oder der Magen bei Seite geschoben sind, so dass man relativ hohe Dosen geben kann, ohne gesunde Strukturen allzu stark zu belasten. Die Möglichkeit zur intraoperativen Strahlentherapie kennen wir seit etwa 30-40 Jahren. Aufschwung genommen hat die Entwicklung noch einmal in der Brustchirurgie, weil wir hier die Therapiezeit für Patientinnen deutlich reduzieren können und die intraoperative Strahlentherapie etwa 1,5-2 Wochen der normalen Strahlentherapie von außen, die auch immer erforderlich ist, den Patientinnen erspart.

Welche Spezialverfahren gibt es?

Es gibt die Möglichkeit, sehr kleine Tumoren mit hohen Dosen zu versorgen, das nennt man stereotaktisch geführte Strahlentherapie. Sehr lange wird das eingesetzt für Hirnmetastasen, also Absiedlungen im Gehirn, wie auch für hirneigene Tumoren in Spezialfällen. Etwas neuer ist der Einsatz im Körperstammbereich für Metastasen, für kleinere Lungenkarzinome. Der Vorteil hier ist zum einen die präzise Applikation der Strahlentherapie, die ermöglicht die Behandlungszeit zu verkürzen und nicht wie sonst üblich 30 Sitzungen zu geben, sondern das ganze auf vielleicht 3 oder 5 Sitzungen zu verkürzen. Das hat für Patienten große Vorteile.

Ist eine Bestrahlung mit Protonen besser?

Es gibt seit einigen Jahren die Möglichkeit zur Strahlentherapie mit Protonen oder Schwer-Ionen. Hier sind einige Erkrankungen zu nennen, wie zum Beispiel Augentumoren oder im Rückenmark gelegene Sarkome, bei denen die Vorteile sich bereits eindeutig gezeigt haben. Bei den häufigen Tumorerkrankungen, also beispielsweise der Brust, dem Lungenkrebs, dem Prostatakrebs ist noch unklar, ob die höhere Präzision der Protonenstrahlung wirklich von Vorteil ist für die Patienten. Es gibt eine große Reinuntersuchung aus den USA, bei der sich sogar gezeigt hat, dass Protonen bei der Bestrahlung des Prostatakrebses mehr Nebenwirkungen machen. Man muss hierauf verweisen, dass erst Studien durchgeführt werden müssen zu diesen häufigen Tumorerkrankungen, die den Vorteil der Protonen dann noch beweisen müssen.

Wie läuft eine Strahlentherapie ab?

Für den Patienten sieht der Ablauf einer Strahlentherapie meist so aus, dass am Anfang der Therapie ein ausführliches Gespräch steht. Hier wird zum einen über die Ausdehnung der Erkrankung gesprochen, über die zu erwartenden Nebenwirkungen und Verhaltensweisen während der Strahlentherapie. Danach findet eine Planungscomputertomografie statt, in der der Teil, der bestrahlt werden soll, dreidimensional dargestellt wird. Auf dieser Basis können dann Strahlungstherapeut und Strahlungsphysiker gemeinsam einen Bestrahlungsplan erarbeiten. Dieser Bestrahlungsplan wird am Bestrahlungsgerät dann nochmal verifiziert, auf Passgenauigkeit überprüft. Für den Patienten folgt dann meist eine 6-7 wöchige Strahlenbehandlung, fünfmal in der Woche ist da der normale Fall. Die Strahlentherapie kann in den allermeisten Fällen ambulant durchgeführt werden, man muss also für eine Strahlentherapie nicht 6 oder 7 Wochen in ein Krankenhausbett.

Kann es zu Verbrennungen kommen?

Sehr viele Patienten haben Sorge, dass es während der Strahlentherapie zu Verbrennungen kommen kann. Verbrennung ist hier nicht ganz das richtige Wort. Was auftreten kann, während einer Strahlentherapie, sind Sonnenbrand-ähnliche Veränderungen, ein sogenanntes Hauterythem, und in ganz seltenen Fällen auch feuchte Hautreaktionen, die dann in der Tat sehr ähnlich aussehen wie Verbrennungen. Die moderne Strahlentherapie führt in der Regel nur zu geringen Hautbelastungen, so dass wir kaum noch stärkere Hautreaktionen sehen.

Wie kann ich selber die Therapie unterstützen?

Wir werden häufig von Patienten gefragt, wie sie selber die Therapie unterstützen können. Hier sind ganz einfach Dinge zu nennen, wie eine ausgewogene leichte Ernährung, fünfmal am Tag Obst oder Gemüse sind hier sehr hilfreich. Darüber hinaus ist es bei vielen strahlentherapeutischen Behandlungen heutzutage möglich, Sport zu treiben. Leichter Ausdauersport erhöht die Lebensqualität und kann bei gewissen Tumorerkrankungen, wenn es langfristig betrieben wird, auch Rückfallrisiken senken. So dass wir unseren Patienten raten, ein möglichst normales Leben zu führen, sich ausgewogen zu ernähren und sich regelmäßig zu bewegen.

Welche Neuerungen erwarten Sie in den nächsten 3 – 5 Jahren?

Ich denke, dass in den nächsten Jahren die Computertechnik so weit noch voranschreiten wird, dass wir noch genauer planen können, dass wir Bewegungsanalysen von Lungentumoren, die atemabhängig sich bewegen, erfassen können, und die Strahlentherapie dann bildgesteuert nachführen können, so dass die Treffsicherheit auch in beweglichen Objekten sich weiter erhöht.

Quelle: Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Prof. Dr. med. Karl-Axel Hartmann zum Thema Strahlentherapie aufgenommen als Video im Juli 2013


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