Unser Experte für Brustkrebs – Basics

PROF. DR. MED. WOLFGANG JANNI
janni

Spezialisierungen:
Behandlung von Brustkrebs, Frauenheilkunde

Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm und Leiter des Interdisziplinären Brustzentrums, Mitglied der S3-Leitlinien-Kommission der Deutschen Krebsgesellschaft für die Diagnostik und Therapie von Brustkrebs.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Wolfgang Janni zum Thema “Brustkrebs”

Welche Erkrankungen der weiblichen Brust gibt es?

Es gibt gut- und bösartige Erkrankungen der weiblichen Brust. Zu den gutartigen Erkrankungen der weiblichen Brust gehören vor allem die Fibroadenome: Gutartige Vermehrungen des Brustdrüsenkörpers, die als Knoten gut verschieblich unter der Haut tastbar sind und leicht entfernt werden können, aber nicht müssen – weil sie nicht entarten. Dazu gehört aber auch die Entzündung der Brust, die am häufigsten im Wochenbett unter Stilltätigkeit auftritt, selten auch bei Raucherinnen außerhalb des Wochenbettes. Die häufigste bösartige Erkrankung der Brust ist natürlich mit Abstand der Brustkrebs, das Mammakarzinom, das etwa jede zehnte Frau im Laufe ihres Lebens betrifft, aber glücklicher Weise sehr gut Heilungschancen aufweist.

Wie gefährlich ist Brustkrebs?

Brustkrebs ist, wie jede bösartige Erkrankung, eine potentiell tödliche Erkrankung, wenn sie nicht behandelt wird. Allerdings ist Dank der Fortschritte der Diagnostik in der Früherkennung, aber auch in der Therapie von Brustkrebs die Heilungsrate in den letzten Jahren drastisch angestiegen, so dass 80 Prozent der Frauen mit Erstdiagnose eines Brustkrebs heute von einer sicheren Heilung ausgehen können.

Können Männer auch Brustkrebs bekommen?

Herr Prof. Dr. Janni: Männer können auch Brustkrebs bekommen, weil sie auch eine Brust bzw. zwei Brüste haben, aber viel, viel seltener als Frauen. Die Wahrscheinlichkeit ist etwa mit dem Faktor 1:100 seltener als bei Frauen.

Wie oft sollten Frauen zur Vorsorgeuntersuchung gehen?

Frauen sollten jährlich ihren Frauenarzt aufsuchen und sowohl zur Krebsvorsorge als auch zur Früherkennung gehen. Dazu gehören sowohl die gynäkologische Untersuchung als auch die Tastuntersuchung der Brust, ergänzt von einer Mammographie, also Röntgendurchleuchtung der Brust alle zwei Jahre im Rahmen des Mammographie-Screenings. Gegebenenfalls ergänzt von einer Ultraschalluntersuchung oder auch einer Kernspintomographie der Brust, wenn Auffälligkeiten beim Tastbefund oder bei der Mammographie auftreten.

Was können Frauen zur Vorsorge selber tun?

Patientinnen sollten vor allem regelmäßig ihren Frauenarzt aufsuchen. Einmal im Jahr zur Krebsfrüherkennung und Krebsvorsorge. Patientinnen können versuchen, ihr Körpergewicht zu normalisieren. Wir wissen, dass Patientinnen mit einem hohen Körpergewicht ein deutlich erhöhtes Risiko für die Ersterkrankung eines Brustkrebses aufweisen. Und Patientinnen können regelmäßig am Mammographie-Screening teilnehmen.

Wie wird Brustkrebs diagnostiziert?

© Henrie / Fotolia

Brustkrebs wird in aller Regel durch eine bildgebende Methode erstdiagnostiziert. Häufig bei Tastbefund an der Brust, beim Tasten eines Knotens durch die Patientin selbst und durch den Arzt, wird anschließend eine Mammographie, also eine Röntgendurchleuchtung der Brust durchgeführt. Eventuell ergänzend eine Ultraschalluntersuchung und/oder eine Kernspintomographie der Brust. Und bei Auffälligkeiten in diesen Untersuchungen wird dann eine so genannte Jetbiopsie durchgeführt. Das heißt, mit einer Nadel wird Gewebe von der Auffälligkeit, dem Knoten entnommen. Diese so genannte Biopsie, die Gewebsentnahme wird dann feingeweblich untersucht und unter dem Mikroskop die Gut- oder Bösartigkeit des Tumors bestätigt.

Muss Brustkrebs sofort operiert werden?

Brustkrebs muss operiert werden. Allerdings nicht unter allen Umständen sofort. Es gibt sowohl das Therapiekonzept einer medikamentösen Therapie als ersten Therapiebaustein. Sehr häufig über ein halbes Jahr, häufig mit einer Chemotherapie, dann gefolgt von einer Operation. Oder zunächst die Operation, dann gefolgt meist von einer medikamentösen Therapie. Onkologisch bieten beide Verfahren die gleiche Sicherheit und die gleiche Chance auf Heilung durch verschiedene Vor- und Nachteile, über die Ihr Arzt Sie aufklären wird.

Welche Behandlungsmethoden für Brustkrebs gibt es?

Es gibt die drei wichtigen Therapiesäulen der Behandlung des Brustkrebses: Zum einen die Operation, also die operative Entfernung des Tumors sowie gegebenenfalls von Lymphknoten aus der Achsel. Da ist zum Zweiten die Strahlentherapie, die heute entweder während oder auch nach der Operation durchgeführt werden kann. Und da ist zum Dritten die medikamentöse Therapie, die heute ein ganze Portfolio von medikamentösen Therapiemöglichkeiten umfasst, wie etwa die Chemotherapie, aber auch die antihormonelle Therapie und immer häufiger auch die so genannte zielgerichtete biologische Therapie, eine Form der Immuntherapie.

Warum sollte ein Brustzentrum zertifiziert sein?

Das Brustzentrum sollte zertifiziert sein, weil es dann regelmäßig nach den Richtlinien der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie kontrolliert wird: Ob alle Therapiemöglichkeiten in diesem Brustzentrum auch tatsächlich dem aktuellen Stand der Medizin und der Wissenschaft entsprechen und die Patientinnen so die bestmögliche Therapie und damit auch die bestmögliche Heilungschance für den Brustkrebs erhalten – so wie in unserem Brustzentrum.

Wie sind die Heilungschancen bei Brustkrebs?

Die Heilungschancen bei Brustkrebs sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dank der Fortschritte bei der Krebs-Früherkennung, aber auch vor allem bei der Therapie von Brustkrebs kann man heute von einer Heilungschance von 80 Prozent bei Erstdiagnose von Brustkrebs rechnen – wenn die Therapie in einem zertifizierten Brustzentrum durchgeführt wird, wie dem unseren.

Was gibt es Neues bei der Behandlung von Brustkrebs?

Es gibt ganz viel Neues bei der Behandlung. Neue Therapiemöglichkeiten sind in den letzen Jahren hinzugekommen: Das sind weniger invasive, also weniger belastende Therapiemöglichkeiten bei der Operation, also Operationen, die weniger Neben- und Nachwirkungen haben. Das ist die Möglichkeit, die Strahlentherapie zum Teil schon während der Operation durchzuführen. Und es ist vor allem ein immer größer werdendes Portfolio an medikamentösen Therapiemöglichkeiten, die neben den herkömmlichen Möglichkeiten der Chemotherapie und der antihormonellen Therapie auch zunehmend individualisierte biologische zielgerichtete Therapien umfasst, Möglichkeiten der Immuntherapie.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Wolfgang Janni zum Thema „Brustkrebs”, als Video aufgenommen im März 2012


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