Unser Experte für Deutsche Diabetes-Stiftung

PROF. DR. MED. RÜDIGER LANDGRAF
landgraf

Spezialisierungen:
Diabetes und Prävention, Endokrinologie und Diabetologie, Evidenzbasierte Leitlinien

Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologe und Diabetologe, Vorsitzender der Deutschen Diabetes-Stiftung (DDS), Professor für Innere Medizin und früher Leiter der Endokrinologie und Diabetologie am Klinikum Innenstadt der Universität München. Arbeitet aktiv an den Nationalen Versorgungs-Leitlinien zum Diabetes mit.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Rüdiger Landgraf zum Thema “Deutsche Diabetes-Stiftung”

Welche Ziele hat die Deutsche Diabetes Stiftung (DDS)?

Die Deutsche Diabetes-Stiftung hat drei große Ziele. Das eine ist die Früherkennung des Diabetes. Das Problem dabei ist, dass etwa auf jeden bekannten Diabetiker ein unbekannter Diabetiker kommt. Und Früherkennung bedeutet frühzeitige adäquate Therapie. Das zweite ist die Prävention, die Vorsorge, dass überhaupt die Krankheit ausbricht. Und das dritte ist die Sensibilisierung der Bevölkerung und Aufklärung für das Problem Diabetes.

Welche Aktivitäten der DDS sind besonders wichtig?

Die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Diabetes durch bessere Schulungsangebote oder auch die Möglichkeit der Schaffung von Schulungsangeboten, wie zum Beispiel „Diabetes im Alter“ und „Diabetes und Migration“. Das zweite ist die Prävention zu initiieren und auch die Materialien zu schaffen durch Leitlinien, durch Broschüren und viele andere Dinge, durch den Gesundheits-Check „FindRisk“, die Prävention sozusagen an oberste Stelle zu setzen. Und das dritte ist, Qualität abzubilden in der Prävention, indem wir ein Koordinierungszentrum für Qualität in der Prävention implementiert haben.

Welche Aspekte sind Ihnen als Vorsitzender besonders wichtig?

Die Frage ist relativ kompliziert, weil wir meinen, dass unsere Ziele alle besonders wichtig sind. Aber ganz im Fokus muss für uns stehen, die Prävention, die Vorbeugung der Erkrankung, denn unser Gesundheitssystem ist eigentlich ein Reparatursystem, das bisher für Prävention ganz wenig getan hat. Und wenn wir diese Pandemie des Diabetes, diesen Tsunami des Diabetes wirklich beherrschen wollen, müssen wir in die Prävention gehen und das ist unser Hauptfokus im Moment.

Was ist das Besondere am DiabetesMARKT der DDS?

Den DiabetesMARKT gibt es seit 20 Jahren. Wir haben versucht in Schlüsselstädten in Deutschland, von Nord nach Süd, von West nach Ost, auf prominenten Plätzen einer Stadt Sensibilisierung und Aufklärung für Diabetes zu betreiben, zusammen mit lokalen Diabetologen und Gesundheitsanbietern wie Apothekern, der Pharmaindustrie und anderen wie Sportvereinen etc. Meistens kommen dann so zwischen 10.000 und 20.000 Menschen zu so einem DiabetesMARKT, um sich über den Diabetes aufklären zu lassen, das ist das eine und zum anderen auch, um ihr Risiko festzustellen durch Blutzuckermessungen, Blutdruckmessungen und andere Messungen.

Welche Art von Projekten fördert die DDS?

Wir sind als fördernde und operative Stiftung natürlich besonders auch interessiert an Förderung, die ist natürlich abhängig von dem Volumen, mit dem wir fördern können. Wir fördern grundsätzlich Grundlagenforschung, klinische Forschung, psychosoziale Forschung, Versorgungsforschung. Da gibt es also keine Fokussierung, wenn wir auch sagen müssen, aufgrund der begrenzten Ressourcen sind wir im Moment mehr in Richtung Prävention tätig.

Welche Ereignisse waren bedeutsam für die Arbeit der DDS?

Die Tatsache, dass die UN Diabetes als nicht-kommunizierbar, nicht-infektiöse Krankheit, als eine der größten Bedrohungen der Weltbevölkerung vor einigen Jahren deklariert hat. Als erste nicht-infektiöse Krankheit überhaupt und die Tatsache, dass auch in Deutschland die Anzahl der Diabetiker jährlich wächst, ist für uns der größte Stimulus gewesen zu sagen, wir müssen jetzt etwas für die Prävention, für die Vorbeugung tun und ich glaube, da sind wir auf dem richtigen Weg und das ist auch die Zündung für neue Präventionsstrategien.

Wie arbeitet die DDS mit der Deutschen Diabetes-Gesellschaft zusammen?

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Diabetologen. Sie ist einer der Mitstifter der Deutschen Diabetes-Stiftung und wir haben traditionell seit 1985 eine sehr gute und freundschaftliche Kooperation. Einmal über sehr viele Arbeitsgemeinschaften innerhalb der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, in verschiedenen Ausschüssen, in der Preis-Jury-Kommission, wo wir zusammen in einem Kooperationsvertrag gemeinsam Forschungsprojekte finanzieren und auch in der Ausrichtung der Fachkongresse, wo wir jetzt seit zwei Jahren Präventionsangebote in praxi durchführen, im sogenannten Präventionsparcours.

Welche Rolle spielen die anderen Stiftungen in der DDS?

Die DDS ist die Dachorganisation, die treuhänderisch die Tochterstiftung verwaltet. „Motivation zur Lebensstiländerung – Chance bei Diabetes“ ist die jüngste Stiftung, mit dem Vorsitzenden Prof. Martin aus Düsseldorf. Dann „Das zuckerkranke diabetische Kind“, die sich vor allem um Grundlagenforschung zur Heilung des Typ-1-Diabetes kümmert. Dann „Der herzkranke Diabetiker“, der eine enge Kooperation mit den Herzspezialisten anstrebt und das vierte ist die „Juvenile Adipositas“, also die jugendliche Extremfettleibigkeit, die sich darum kümmert, warum man in so jungen Jahren schon so dick sein kein, nämlich mit einem BMI von 40, 50 oder 60 und das ist das Ziel der Forschung und auch der Prävention, der Verhinderung.

Wer sind die Ansprechpartner bei der DDS?

Die DDS ist ein überschaubares Team, mit insgesamt sechs Mitarbeitern, wobei der Vorsitzende, der heute vor ihnen steht, ehrenamtlich tätig ist. Dann gibt es einen Geschäftsführer und zwei Festangestellte und zwei über Projekte finanzierte Mitarbeiter. Das heißt wir haben einen kleinen Bereich, ein kleines Team und jeder ist eigentlich für den anderen mitverantwortlich, so dass wir also auch bei Ausfall durch Krankheit oder Urlaub den anderen ersetzen können. Also im Gegensatz zu vielen anderen Stiftungen sind wir extrem schmal und deshalb sind die bürokratischen Wege ganz kurz.

Wie kann ich die Arbeit der DDS unterstützen?

Die DDS als wohltätige Stiftung bürgerlichen Rechts ist neutral und unabhängig. Unterstützung kann man leisten ideell, finanziell oder fachlich. Das Problem dabei ist, dass für Diabetes ganz wenig gespendet wird, das heißt Fundraising ist für uns ein ganz großes Thema und wenn Sie sich mal anschauen, wer sich von den Prominenten als Diabetiker outet, ist das eher die Ausnahme als die Regel, weil der Diabetes in unserer Gesellschaft eine sehr negative Rolle hat. Eine Typ-2-Diabetes-Erkrankung ist eine“ selbstverschuldete Krankheit“, würde man nicht so viel essen, so viel trinken, sich mehr bewegen, dann hätte man diese Krankheit nicht, aber das ist viel, viel komplexer. Aber weil es so komplex ist, verdrängt man es auch häufig, obwohl mindestens 10% der Bevölkerung an Diabetes leiden.

Wie finanziert die DDS Ihre Arbeit und die Förderprojekte?

Sozusagen die Basis ist das Kapital und die Kapitalerträge, die aus diesem Kapital jährlich ausgeschüttet werden. Sie wissen, dass Kapitalerträge im Moment ganz schlecht sind, so dass wir unsere Projekte eigentlich über Drittmittel finanzieren müssen. Das sind einmal Nachlässe, das sind Busgelder, das sind Kondolenzspenden, das sind Projekte, die wir mit der Industrie – Pharmaindustrie aber auch andere Industrie – gemeinsam versuchen um zu setzen. Fokussieren tun wir uns im Moment insbesondere auf Prävention, auf größere mittelständige und große Betriebe für betriebliche Gesundheit. Also wir sind ständig am Suchen von Unterstützern für unsere Aktivitäten.

Was gibt es aktuell Neues?

Das ist schwierig zu sagen, weil der Diabetes in den letzten Jahren tatsächlich so aktuell geworden ist. Was ganz neu ist, dass nach vielen Anläufen aus der Gesundheitspolitik jetzt zumindest der Referentenentwurf für ein Präventionsgesetz vom Kabinett verabschiedet worden ist. Aber wie gerade vor einigen Tagen gehört, hat der Bundestag diesen Referentenentwurf nicht durchgewunken, sodass wir nach der Bundestagswahl erneut warten müssen, ob ein Präventionsgesetz kommt. Das ist auch für uns und unsere Arbeit sehr problematisch, weil sowohl die Krankenkassen als auch andere Institutionen ohne dieses Gesetz für Prävention wahrscheinlich wenig Geld in die Hand nehmen.

Wo sehen Sie die DDS in den nächsten 10 Jahren?

Ich hoffe, dass wir uns gewaltig ausdehnen können, weil die Problematik des Diabetes ja nicht kleiner, sondern immer größer wird, sodass wir damit rechnen können, dass es in den nächsten Jahren nicht nur 12% sondern 15% Diabetiker werden und deswegen brauchen wir eine größere Manpower und größere Unterstützung, um all die Probleme in der Versorgung des Diabetes und den schwerwiegenden Komplikationen als auch in der Prävention und in der Versorgungsforschung umzusetzen.

Quelle: Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Prof. Dr. med. Rüdiger Landgraf zum Thema Deutsche Diabetes-Stiftung aufgenommen als Video im Juni 2013


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