Ein Experte für Diabetes und Auge – Basics

DR. MED. KATJA SEVERING
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Spezialisierungen:
Augen-Erkrankungen, medikamentöse und operative Therapien, Einsatz von Lasertherapie

Leitende Oberärztin der Augenklinik des Marienhospitals Düsseldorf, umfangreiche klinische Erfahrungen in der Behandlung von Augenerkrankungen bei Diabetes, Dozentin am Universitätsklinikum.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Dr. med Katja Severing zum Thema “Diabetes und Auge”

Wie bemerkt man Augenveränderungen beim Diabetes?

Meisten ist es so, dass der Patient kaum Veränderungen bemerkt und auch keine Sehstörungen hat. Aus diesem Grunde empfehlen wir Augenärzte den Diabetespatienten routinemäßige Kontrollen beim Augenarzt. Und zu diesem Zeitpunkt sollte der Patient möglichst auch ohne Auto zum Augenarzt fahren, weil die Pupille erweitert werden muss und dadurch der Patient 3 bis 5 Stunden schlechter sehen kann. Und wenn dann der Augenarzt sich die Netzhaut anschaut, kann er auch kleinste Veränderungen in der Netzhaut bereits erkennen. Kleinste Veränderungen müssen eigentlich nicht behandelt werden, die werden nur zur Kenntnis genommen. Wenn aber schon schwerwiegende Probleme aufgetreten sind, wird der Augenarzt das mit den Patienten diskutieren und auch die weiteren Schritte einleiten.

Sind Laser-Behandlungen bei Diabetes noch aktuell?

Beim Diabetes und Augenproblemen handelt es sich meistens um die Diabetische Retinopathie oder die Diabetische Makulopathie. Beide Erkrankungen werden mit dem Laser behandelt und es ist unsere erste Linie der Therapie, wenn der Schwellenwert für eine Behandlung überschritten ist. Dies wird vom Augenarzt festgelegt. Es gibt inzwischen aber auch neuere Verfahren, wie zum Beispiel Injektionen in das innere Auge oder auch eine Vitrektomie, was eine Entfernung des Glaskörpers bedeutet.

Gefährdet Diabetes die Augen?

DiabetesDas muss man mit einem klaren „ja“ beantworten. Die häufigste Erblindungsursache in unseren industrialisierten Ländern im erwerbsfähigen Alter ist der Diabetes. Man muss aber auch dazu sagen, dass der Diabetes keine Erblindung mehr verursachen muss, mit den heutigen Therapiemöglichkeiten. Wenn der Patient eine ordentliche Stoffwechseleinstellung hat und regelmäßig beim Augenarzt kontrolliert wird und bei Schwellenwerten therapiert wird, entweder mit Laser, mit Injektionen, mit Operationen, was auch immer angezeigt ist, so muss kein Patient mehr erblinden.

Diabetische Makulopathie: Wie wird diese behandelt?

Die Diabetische Makulopathie ist eine Schwellung der Makula, die im Zentrum des Auges das Schärfste sehen ermöglicht. Wenn die Makula geschwollen ist, dann verliert man Sehkraft. Diagnostiziert werden kann das einmal, indem der Augenarzt bei der dilatierten Pupille direkt auf die Makula schaut oder teilweise wird er eine Farbstoffuntersuchung veranlassen oder eine so genannte OCT-Untersuchung, bei der die Netzhautdicke bestimmt wird. Wenn die Diabetische Makulopathie einen Schwellenwert überschreitet, dann beginnen wir mit einer Laserkoagulation. Das ist die erste Linie der Behandlung. Oder wir beantragen bei der Kasse Injektionen mit Lucentis in das Auge. Dies entspricht dann einem operativen Eingriff.

Was ist eine Diabetische Retinopathie?

Die Diabetische Retinopathie ist eine Veränderung der Gefäße in der Netzhaut, die vor allem dadurch auftritt, dass es zu einer Minderdurchblutung in der Netzhaut kommt. Verschiedene Teile der Netzhaut werden weniger durchblutet und dann werden dort Botenstoffe ausgeschüttet, die das Gefäßwachstum anreizen oder fördern. Dieses Gefäßwachstum macht erst einmal Sinn. Die Gefäße, die dann wachsen, sind aber von minderer Qualität und bluten leicht. Und wenn es zu einer Einblutung ins Auge – in den Glaskörper – kommt, kann die Sehkraft sehr stark reduziert werden. Wenn also festgestellt wird, dass es zur Minderdurchblutung in der Netzhaut gekommen ist, muss zu aller erst einmal eine Lasertherapie durchgeführt werden. Alle zu wenig durchbluteten Areale müssen mit Laserkoagulation behandelt werden, damit diese Botenstoffe nicht mehr produziert werden. Wenn es erst einmal zur Einblutung gekommen ist, kann diese abgesaugt werden, durch eine Vitrektomie, also Entfernung des Glaskörpers durch einen operativen Eingriff, der in einer Klinik stattfinden muss, am besten unter stationären Bedingungen.

Schielen: Was Menschen mit Diabetes wissen sollten

Was vielleicht nicht so bekannt ist unter Diabetikern, das ist, dass es im Rahmen des Diabetes auch zu einer Schielstellung der Augen kommen kann und zum Doppelsehen, was ein großes Problem für den sicheren Gang und für das Gleichgewicht des Patienten darstellen kann. Wenn es zu einer Minderperfusion, einer Minderdurchblutung eines Augenmuskels kommt, dann kommt es auch zu einer Fehlstellung. Und sobald die Augen nicht mehr genau parallel stehen, kommt es zu Doppelbildern. Dadurch wird der Patient fahruntüchtig und sehr stark in seiner Lebensqualität eingeschränkt. Durch eine verbesserte Zuckereinstellung und Blutdruckeinstellung, kommt es meistens zu einer spontanen Rückbildung der Symptome in 3 bis 6 Monaten. Diese Behandlung liegt in der Hand des Diabetologen oder des Hausarztes und nicht in der Hand des Augenarztes.

Wie kann man die Augen schützen?

Der beste Schutz der Augen ist eine sehr gute Zuckereinstellung. Der Blutzucker muss gut eingestellt werden in Abstimmung mit dem Diabetologen, genauso der Blutdruck und auch die Blutfettwerte. Es ist außerdem wichtig, nicht zu rauchen. Die Patienten sollten regelmäßig Ihre Kontrolltermine beim Augenarzt wahrnehmen und wenn dort kleinere Veränderungen festgestellt werden, die vielleicht auch noch unter dem Schwellenwert liegen und vom Augenarzt nicht behandelt werden müssen, so kann dieser in Absprache mit dem Diabetologen die Zeit bis zum nächsten Kontrolltermin entsprechend festlegen.

Welche neuen Behandlungsmethoden gibt es?

Die Standardbehandlungen beim Diabetes werden sicherlich schon bei den meisten Patienten angewendet: Die längste Erfahrung liegt mit der Laserkoagulation vor. Neu im Bereich des Diabetes sind die Injektionen ins Auge, die meistens bei der Diabetischen Makulopathie, also beim Ödem und der Schwellung der Netzhautmitte, eingesetzt werden. Meist werden diese angeordnet in einer Frequenz von 3 Spritzen, jeweils einen Monat auseinander. Und am Ende dieser Drei-Spritzen-Periode wird mit einer Farbstoffuntersuchung oder einer OCT-Untersuchung die Netzhautdicke überprüft. Bei einer Verbesserung des Netzhautbefundes kann dann weiter konservativ behandelt werden.

Sind die Behandlungen Kassenleistungen?

Prinzipiell sind alle Behandlungen, die Sie beim Augenarzt als Diabetiker erhalten, Kassenleistungen. Es gibt aber eine neue Therapieform – die Injektion in die Augen – die derzeit nur auf Antrag bei der Krankenkasse erstattet wird, aber von den Kassen in der Regel genehmigt werden. Es muss aber über den Augenarzt ein spezieller Antrag gestellt werden.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Frau Oberärztin Dr. med. Katja Severing zum Thema Diabetes und Auge, aufgenommen als Video im Oktober 2011


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