Ein Experte für Gesichtsschmerzen – Basics

PROF. DR. MED. HANS-JAKOB STEIGER
Steiger Hans-Jakob

Spezialisierungen:
Gesichtsschmerzen, Trigeminusneuralgie, Neurochirurgie

Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Düsseldorf, Neurochirurg, Schwerpunkte in den Bereichen Tumorneurochirurgie, Schädelbasis- und Hypophysen-Chirurgie sowie Gefäßneurochirurgie.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Hans-Jakob Steiger zum Thema “Gesichtsschmerzen”

Was sind Gesichtsschmerzen? Was sind die Ursachen?

Gesichtsschmerzen sind, wie das Wort ja eigentlich sagt, Schmerzen, die man im Gesicht empfindet. Zahnerkrankungen gehören im Prinzip auch zu den Gesichtsschmerzen, eine gebrochene Nase verursacht auch Gesichtsschmerzen, aber was vielleicht wesentlich ist, häufig sind die Ursachen in den Nerven, die das Gesicht versorgen. Da ist der Nervus Trigeminus, das ist der Hauptnerv, der das Gefühl im Gesicht, auch im Mundinnern vermittelt und wenn dieser Nerv erkrankt ist, dann hat man Schmerzen, die im Gesicht empfunden werden, obwohl im Gesicht gar nicht die Ursache ist, sondern am Nerven selbst

Was sind typische Symptome für Gesichtsschmerzen?

Gesichtsschmerzen sind Schmerzen im Gesicht, das heißt in der Stirn, Nase, Wange oder auch in den Zähnen oder auch im Mundinnern empfunden werden. Die Schmerzen können ganz unterschiedlich sein, es kann ein Dauerschmerz sein, es können Attacken-förmige Schmerzen sein, die Schmerzen können nachts auftreten, wenn man versucht zu schlafen oder sie können tagsüber bei Stress auftreten oder sie können beim Essen oder beim Zähneputzen auftreten.

Welche Ursachen gibt es für Gesichtsschmerzen?

Es können sich Erkrankungen im Gesicht, in den Zähnen, im Kiefer, in der Haut des Gesichtes als Gesichtsschmerzen äußern, aber wichtig, relativ häufig ist im Gesicht selbst gar keine Erkrankung vorhanden, sondern der Nerv, der das Gesicht gefühlsmäßig versorgt, ist erkrankt.

Welche Symptome sprechen für eine Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie umschreibt eine ganz typische Erkrankung. Die Ursache ist in dem Nerven. Typische Symptome sind blitzartig einschießende Schmerzen, die in die Wange, den Unterkiefer oder die Stirn ausstrahlen. Die Attacken dauern Sekunden bis maximal eine Minute. Die Attacken werden durch Zähneputzen, Essen etc. ausgelöst.

Unterschiede zwischen Gesichtsschmerzen und Kopfschmerzen?

Gesichtsschmerzen sind im Gesicht lokalisiert, Kopfschmerzen sind im Scheitel, am Hinterhaupt oder gar am Übergang zum Nacken lokalisiert. Typische Kopfschmerzen sind zum Beispiel Migräne. Im Gegensatz dazu sind Gesichtsschmerzen in der Wange, Nase, Kinn oder manchmal auch im Auge lokalisiert.

Gibt es einen Zusammenhang von Herpes und Neuralgie?

Der sogenannte Herpes Zoster ist eine Erkrankung der Nerven. Normalerweise äußert sich das als Gürtelrose im Brustbereich oder am Bauch. Es kann sich aber auch, dieses Virus – es handelt sich dabei um ein Virus – in dem Trigeminus, also dem Gesichtsnerven ansetzen, dann kommt es zu einer Schädigung des Trigeminusnerven, welches häufig in sehr schwer zu behandelnden und langwierigen Schmerzen endet.

Welche Probleme kann das Kiefergelenk auslösen?

Das Kiefergelenk ist relativ empfindlich. Es gibt darin einen Diskus, das ist ähnlich wie der Meniskus im Knie, es kann mal einreißen und dann zu hartnäckigen Schmerzen im Kiefergelenk führen. Das führt dann sekundär dazu, dass manchmal die Kiefer nicht mehr gut aufeinander passen und auch Zahnschmerzen dazu kommen.

Welcher Arzt ist der Richtige bei Gesichtsschmerzen?

Am häufigsten signalisiert der Trigeminusnerv richtig eine Erkrankung dort, wo man den Schmerz empfindet. Also wenn die Zähne schmerzen, dann ist es sicher richtig zum Zahnarzt zu gehen, wenn das Mundinnere schmerzt oder der Rachen schmerzt, dann geht man am besten zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Wenn es schon empfunden wird, dass es eigentlich ein Nervenschmerz ist, also etwas typisch Attacken-artig Ausstrahlendes in verschiedene Regionen des Gesichtes, also das ist ja vielleicht ein Hinweis, dass es von der Weiterleitung ausgehen müsste, dann kann man auch direkt einen Neurologen aufsuchen. In jedem Fall ist es sicher sinnvoll, den Hausarzt als Erstes zu konsultieren. Er wird dann in die richtige Spezialität weiter vermitteln.

Wie werden Gesichtsschmerzen diagnostiziert?

Die Diagnose der Gesichtsschmerzen ist eine klinische, das heißt sie stützt sich auf die Befragung der Natur der Schmerzen und die Untersuchung. Die Einteilung in verschieden Gruppen erfolgt aufgrund der Internationalen Kopfschmerz-Gesellschaft und da gibt es für jede Art von Gesichts- und Kopfschmerzen genaue Kriterien, also zum Beispiel für die Trigeminusneuralgie ist es der kurzfristig Attacken-artig einschießende Schmerz mit einer Zone, wo das ausgelöst werden kann, durch Berührung und vielleicht auch einen Mechanismus, der die Schmerzen auslöst, sogenannte die Trigger-Zone oder der Trigger-Mechanismus.

Wie werden Gesichtsschmerzen behandelt?

Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Wenn es sich um eine Zahnerkrankung handelt, muss eventuell ein Zahn extrahiert werden, wenn es sich um eine Erkrankung des Kiefergelenkes handelt, dann muss kieferorthopädisch eingegriffen werden, handelt es sich um eine Neuralgie, im Sinne einer Trigeminusneuralgie, dann wird zuerst medikamentös behandelt. Dafür gibt es Medikamente, die die Nerven etwas dämpfen, falls dies nicht ausreicht oder es zu Nebenwirkungen kommt, dann muss operiert werden.

Wann ist bei Gesichtsschmerzen eine OP notwendig?

Eine Operation ist angezeigt, wenn die medikamentöse Behandlung nicht mehr greift oder wenn wesentliche Nebenwirkungen von Medikamenten auftreten. Je nach Ursache oder Typus des Gesichtsschmerzes wird man aber großzügiger oder restriktiver eine Operation indizieren. Eine Trigeminusneuralgie kann sehr gut und erfolgreich operativ behandelt werden, währenddessen zum Beispiel eine Gesichtsneuralgie nach Herpes-Erkrankungen ganz schwierig operativ zu behandeln ist.

Was gibt es derzeit Neues bei der Behandlung von Neuralgien?

Wir haben immer noch eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Ursache. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass ein kleines Gefäß bei der Trigeminusneuralgie auf den Nerven drückt. Die Behandlung der Wahl besteht auch darin, dieses Gefäß vom Nerven weg zu verlagern und dann ein Polster dazwischen zu legen. Mit dieser Behandlung wird bei etwa 70% der Patienten eine Heilung erreicht, aber eben nur 70% und nicht 100%. Wir haben keine gute Möglichkeit vor der Operation festzustellen, ob wirklich ein sogenannter Gefäß-Nerven-Konflikt vorliegt. Die Auflösung der heutigen Kernspintomografien ist noch ungenügend. Mit besserer Bildgebung, insbesondere Hochfeld-Kernspintomografen, werden wir in Zukunft besser feststellen können, ob dieses Gefäß wirklich die Ursache der Neuralgie ist und gegebenenfalls werden wir andere Ursachen im Hirnstamm oder im Nerven selbst identifizieren können.

Welche Neuerungen erwarten Sie in den nächsten 3 – 5 Jahren?

Die aktuelle Möglichkeit der Bildgebung, insbesondere Kernspintomografie, ist noch relativ unzuverlässig im Hinblick auf die Festsetzung der Ursachen der Trigeminusneuralgie. Wir gehen davon aus, dass die Ursache im Allgemeinen in einem Konflikt der Nerven mit einem parallel verlaufenden Gefäß zu suchen ist. Diese Nachbarschaft kann schon hinreichend dargestellt werden. Wir können jedoch noch nicht darstellen, inwieweit dadurch der Nerv geschädigt wird. In der Hoffnung auf eine bessere Kernspin-Auflösung sind wir eigentlich schon sicher, dass man eine bessere Diagnostik möglicherweise nicht nur des Nervenkonfliktes mit dem Gefäß, sondern auch von anderen Erkrankungen im Nerv selbst erwarten kann. Das heißt insbesondere wir brauchen die Einbeziehung von 3-7-Tesla-Geräten in die Routinediagnostik der Trigeminusneuralgie.

Quelle: Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Prof. Dr. med. Hans-Jakob Steiger zum Thema Gesichtsschmerzen aufgenommen als Video im Juli 2012


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