Unser Experte für Hüftprobleme – Basics

PROF. DR. MED. MARCUS JÄGER
jaeger

Spezialisierungen:
Hüftprobleme, Hüft-Endoprothetik, gelenkerhaltende Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie

Direktor der Klinik für Orthopädie sowie komm. Direktor der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Essen und der Kliniken Essen-Süd. Besondere Expertisen auf dem Gebiet der Hüft-Endoprothetik und gelenkerhaltenden Chirurgie. Entwicklung verschiedener gelenkerhaltende OP-Verfahren am Hüft-, Knie- und Sprunggelenk. Ehem. Fakultätsmitglied der Harvard Medical School, Boston, USA und Herausgeber der internationalen Fachzeitschrift Orthopaedic Reviews.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Marcus Jäger zum Thema “Hüftprobleme”

Was sind die häufigsten Probleme mit der Hüfte?

Viele Erkrankungen des Hüftgelenks haben ihre Ursache im jungen Kindes- und im jugendlichen Alter. Hierzu gehören unter anderem die Hüftgelenksdysplasie, die Perthes-Erkrankung, die Epiphysiolysis Capitis Femoris und andere Erkrankungen. Beim älteren Patienten steht die Arthrose im Vordergrund, hierbei kommt es zu einer Zerstörung des Gelenkknorpels, zu einer Degeneration. Darüber hinaus spielt die Hüftkopfnekrose, die mit zahlreichen Risikofaktoren assoziiert sein kann, eine wichtige Rolle.

Welche Beschwerden sind typisch für eine Hüftgelenksarthrose?

Die Coxarthrose, also die degenerative Veränderung des Hüftgelenkknorpels, verursacht in der Regel Schmerzen, die sich häufig in den Leistenbereich projizieren, aber auch durchaus zur Seite hin ausstrahlen können. Stellenweise werden sogar Schmerzen im Kniegelenk beobachtet.

Wie wird eine Coxarthrose behandelt?

Die Arthrose des Hüftgelenkes kann durch nicht-operative Maßnahmen oder durch die Operation behandelt werden. Zu den nicht-operativen Maßnahmen gehören zum einen die Physiotherapie, also Krankengymnastik, aber auch medikamentöse Verfahren, entzündungs-lindernde oder -unterdrückende Substanzen, die eingenommen werden können. Darüber hinaus spielt die Schmerztherapie eine wichtige Rolle. Unabhängig hiervon kommt bei fortgeschrittenen Erkrankungen der Arthrose der Hüftgelenkersatz infrage. Liegt zugleich eine Deformität des Hüftgelenkes vor, kann man durch sogenannte Umstellungsoperationen die gestörte Biomechanik des Gelenkes wiederherstellen und so in einigen Fällen das Gelenk erhalten.

Kann man bei Hüftproblemen Sport treiben?

Ja, diese Frage kann man eindeutig beantworten. In den allermeisten Fällen ist Sport sogar ratsam. Bitte lassen Sie sich von ihrem Arzt beraten, welche Grunderkrankung im Hüftgelenk vorliegt, je nach dem wird der eine oder andere Sport empfohlen oder auch nicht. Die allermeisten Sportarten, die man empfehlen kann, sind Schwimmen oder Fahrrad fahren, aber auch durchaus andere Sportarten wie Ski-Langlauf sind bei Erkrankungen des Hüftgelenks möglich.

Wie zeigt sich eine Entzündung des Hüftgelenks?

Die Entzündung des Hüftgelenkes zeigt sich in Schmerzen, die meist im Leistenbereich angegeben werden, aber auch zur Seite ausstrahlen können. Es kommt zu einem Schonhinken, insbesondere treten diese Schmerzen bei Belastung auf. Wenn eine septische Entzündung, also eine Entzündung auf Grund von Bakterien da ist, müsste man auch nachts Schmerzen haben, also der Ruheschmerz ist hier ganz charakteristisch. Während bei einer Entzündung aufgrund einer Arthrose der Nacht- und Ruheschmerz häufig nicht zu beobachten ist.

Was sind die Ursachen einer Entzündung im Hüftgelenk?

Es gibt verschiedene Ursachen: Man unterscheidet die bakteriellen Infekte des Hüftgelenks, wo eben Bakterien und Keime eindringen, entweder durch die Blutbahn oder nach einer Injektion und dann im Gelenk selber den Gelenkknorpel und die angrenzenden Strukturen angreifen und auch zerstören können. Darüber hinaus gibt es rheumatische Erkrankungen, bei denen sich sozusagen das eigene Immunsystem gegen Strukturen innerhalb des Gelenkes richtet und hierdurch eine Entzündung in Gang gesetzt wird. Letztendlich sind aber auch Entzündungsprozesse im Rahmen einer Arthrose, wo Knorpelabriebprodukte durch Zellen letztendlich angenommen werden und verarbeitet werden, für eine Entzündung ursächlich anzuführen.

Wie wird eine Hüftarthritis behandelt?

Die Arthritis im Hüftgelenk wird je nach Ursache unterschiedlich behandelt. Liegt ein bakterieller Infekt vor, ist die unverzügliche Spülung des Gelenkes in Kombination mit einer Antibiotika-Gabe indiziert. Bei einer Arthritis, also einer Entzündung aufgrund einer Arthrose, kann die Therapie völlig anders aussehen. Hier muss nicht immer operiert werden, sondern kann durch Physiotherapie, physikalische Maßnahmen, zum Beispiel Kühlung oder Wärmeanwendungen, aber auch durch die Gabe von sogenannten Entzündungshemmern, ein gutes Ergebnis in frühen Stadien erreicht werden. Bei fortgeschrittenen Stadien kommt der Gelenkersatz als Mittel der Wahl in Frage. Diesen empfiehlt man immer dann, wenn das Gelenk eben schon sehr stark in Mitleidenschaft gezogen ist und der Gelenkknorpel zerstört ist.

Was ist eine Hüftkopfnekrose?

Die Hüftkopfnekrose ist definiert als Untergang von sogenannten Osteoblasten. Osteoblasten sind die Zellen, welche wesentlich für die biologische Reaktion und für den Aufbau des Hüftkopfes verantwortlich sind. Wenn diese Zellen nicht mehr vorhanden sind, stirbt der Hüftkopf ab. Die Ursache für diesen Untergang der Osteoblasten ist vielfältig. Gemeinsame Endstrecke ist stets, dass es zu Thrombosen und lokalen Embolien im Versorgungsgebiet des Hüftkopfes kommt. Da der Hüftkopf häufig schon kritisch von der Durchblutung her versorgt ist, ist er häufiger von der Durchblutungsstörung betroffen als andere Knochen.

Wie wird eine Hüftkopfnekrose behandelt?

In frühen Stadien der Hüftkopfnekrose sieht man ein sogenanntes Knochenmarködem, eine Flüssigkeitsansammlung in der MRT-Diagnostik. In diesen frühen Stadien kann man noch gelenkerhaltend das Hüftgelenk behandeln, zum Beispiel durch eine sogenannte Anbohrung, core decompression genannt. Hierbei wird durch eine Eröffnung der nekrotischen Areale, also der abgestorbenen Areale eine Druckentlastung herbeigeführt und gesundes Knochenmark kann einströmen und den Defektbereich zur Ausheilung bringen. In späteren Stadien, immer dann wenn bereits im Röntgenbild Zeichen erkennbar sind, kommt mittel- und langfristig der Hüftgelenkersatz in Frage, leider eben auch bei jungen Patienten. Die Therapie der Wahl ist somit die Endoprothese in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung.

Wann kommt die minimal-invasive Therapie zum Einsatz?

Das Wort „minimal-invasiv“ wird relativ häufig gebraucht in der operativen Orthopädie und in der Unfallchirurgie. Minimal-invasiv bedeutet gewebeschonend, man möchte also Gewebe erhalten. Bei Operationsverfahren bedeutet dies, dass ein sogenannter minimal-invasiver Zugangsweg zum Gelenk gewählt wird. Hierbei ist nicht unbedingt die Länge des Hautschnittes entscheidend, sondern inwieweit die darunter befindlichen Strukturen, also Muskel, Sehnen, Kapsel, Bänder oder auch Leitungsbahnen geschont werden. Einen anderen Hintergrund für „minimal-invasiv“ ist die sogenannte minimal-invasive Therapie mit einer Spritze, also eine Injektionsbehandlung; auch hier wird dieser Begriff häufig angewendet.

Wann sollte der Patient eine Hüftprothese erhalten?

Es gibt verschiedene Kriterien, wann man einen Hüftgelenkersatz empfehlen sollte. Je nach dem wie intensiv oder wie höhergradig das Gelenk geschädigt ist, kann man dazu raten oder auch nicht. Hierbei helfen die Röntgendiagnostik, die sogenannte Kernspintomografie oder auch die Computertomografie zu einer Entscheidung zu kommen. Ihr Orthopäde oder Unfallchirurg wird Sie hier beraten, da neben der bildgebenden Diagnostik auch Ihre persönlichen Beschwerden wegweisend sind. Wenn die Gehstrecke kleiner als 100 Meter beträgt und starke Schmerzen auftreten, darf man davon ausgehen, dass das Gelenk stark geschädigt ist. Wenn zusätzlich Zeichen im Röntgenbild hinzukommen und Sie drüber hinaus in Ihrer Lebensqualität deutlich behindert und beeinträchtigt sind, kann ein Gelenkersatz empfohlen werden.

Was sollte zuerst behandelt werden: das Knie oder die Hüfte?

Was zuerst behandelt wird, richtet sich letztendlich nach der Schmerzursache, da zahlreiche Erkrankungen des Hüftgelenkes ebenso in das Kniegelenk ausstrahlen, und zum anderen nach der Erkrankungsschwere und nach dem Stadium. In vielen Fällen ist die Empfehlung so, dass das Hüftgelenk zuerst behandelt werden kann, in anderen Fällen würde man das Kniegelenk bevorzugen. Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten.

Was müssen Patienten mit künstlicher Hüfte beachten?

Patienten mit künstlicher Hüfte müssen zahlreiche Aspekte beachten. Zum Einen muss man sich immer gewiss sein, dass es ein Ersatzteil ist, also eine Sache wie ein Autoreifen, die sich einfach abnutzt und die eben auch altert. Das bedeutet, dass mit jedem Schritt, mit jeder Bewegung feine Partikel freigesetzt werden, Abriebpartikel, und diese Partikel können letztendlich eine Entzündung in Gang setzen, die wiederum zur Lockerung des Gelenkes führen kann. Diese Lockerung tritt in der Regel erst nach vielen, vielen Jahren auf und wird häufig vom Patienten gar nicht bemerkt, das heißt der Patient hat keine Schmerzen. Daher ist es wichtig, dass sie, sofern sie ein künstliches Hüftgelenk haben, von Zeit zu Zeit, also alle 1-2 Jahre, ihren Orthopäden aufsuchen, damit dieser die Funktionsfähigkeit des Hüftgelenkes überprüft. Zum anderen gibt es auch Alterungsprozesse im Bereich der Materialalterung, die ebenso zu einem Verschleiß führen können.

Was gibt es heute Neues auf dem Gebiet der Hüftersatztherapie?

Neue Verfahren in der Hüftgelenkersatz-Therapie, also in der sogenannten Endoprothetik, betreffen zahlreiche Aspekte. Zum einen die Materialien an sich, hier gibt es Neuentwicklungen zum Beispiel auf dem Gebiet der Keramiken, die sogenannte Delta-Keramik ist ein Beispiel, die besonders wenig anfällig gegenüber Sprüngen und Stößen ist. Es gibt Neuentwicklungen im Bereich der Polyethylene, wo sogenannte Antioxidantien zugesetzt werden, die eben eine Materialalterung verhindern oder das Risiko einer Materialalterung reduzieren. Darüber hinaus kommen sogenannte minimal-invasive Zugangswege zum Einsatz. Die Computer-Navigation und das digitale Röntgen helfen dem Chirurgen, das Implantat möglichst exakt zu positionieren und helfen somit auch, dass die Funktion des Gelenkes nach der Operation optimal ist.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Marcus Jäger zum Thema Hüftprobleme aufgenommen als Video im Oktober 2012


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