Unser Experte für Nierenerkrankung – Basics

PROF. DR. MED. WERNER KLEOPHAS
kleophas

Spezialisierungen:
Hämodialyse, Nierenerkrankungen

Facharzt für Nieren- und Bluthochdruck-Krankheiten in eigener Praxis in Düsseldorf, Diabetologe, Vorsitzender des wissenschaftlichen Instituts für Nephrologie (WiNe).

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Werner Kleophas zum Thema “Nierenerkrankung”

Welches Risiko haben Diabetiker, an der Niere zu erkranken?

Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 haben ein zirka 20 bis 40%iges Risiko, im Verlaufe ihrer Diabeteserkrankung auch eine Nierenerkrankung zu erleiden. Das individuelle Risiko ist allerdings von vielen Faktoren abhängig, beispielsweise von der Güte der diabetischen Stoffwechseleinstellung oder aber auch von der Güte der Blutdruckeinstellung.

Woran erkenne ich eine Schädigung der Nieren?

Viele Nierenerkrankungen gehen mit Symptomen einher. Das besten Beispiel hierfür sind vielleicht die Nierensteinleiden, die mit Kolik-artigen Schmerzen oder Blutbeimengungen im Urin einhergehen können. Leider sind aber viele andere Nierenerkrankungen gänzlich ohne Symptome. Die diabetische Nierenerkrankung – die diabetische Nephrophatie – verläuft in ihren Anfangsstadien völlig symptomarm, so dass der betroffene Patient keine Möglichkeit hat, Symptome oder Beschwerden an sich selbst wahrzunehmen. Das erste Zeichen, das man hier feststellt, ist eine verstärkte Eiweißausscheidung im Urin, die so genannte Mikroalbiminurie, die der Arzt in einer entsprechenden Untersuchung feststellen kann.

Wie kann man feststellen, ob die Nieren gesund sind?

Der Untersuchungsgang umfasst folgende Untersuchungen: Der Urin wird auf die Beimengung von Albumin untersucht. Die so genannte Mikroalbiminurie wird hier gegebenenfalls festgestellt. Außerdem untersucht man den Urin auch noch auf Blutbeimengungen. Das Blut selber wird untersucht auf so genannte Retentionsstoffe, Serumkreatinin und Harnstoff. Der Arzt wird auf Grund dieser Maßnahme auch eine Feststellung der glomerulären Filtrationsrate vornehmen. Das heißt, hier wird genau untersucht, wie viel Giftstoffe die Nieren aus dem Blut in den Urin filtern können. Eine weitere, wichtige Untersuchung ist die Ultraschalluntersuchung, die Sonographie. Hierbei wird die Nierenanatomie beurteilt und es werden gegebenenfalls Auffälligkeiten festgestellt. Schließlich muss noch der Blutdruck untersucht werden, als eines der wichtigsten Begleitsymptome der Nierenerkrankung. Spezielle weitere Untersuchung wie die Nierenbiopsie, bei der aus der Niere Gewebe entnommen wird, oder weitere radiologische Verfahren sind in der Regel für die Anfangsdiagnostik nicht notwendig.

Inwiefern spielt Früherkennung eine Rolle?

Früherkennung ist wie bei vielen anderen Erkrankungen auch bei Nierenerkrankungen, speziell hier bei der diabetischen Nephropathie wichtig. Es gibt gesicherte Hinweise darauf, dass man bei einer frühzeitigen Behandlung das Fortschreiten einer Nierenschädigung aufhalten oder gegebenenfalls sogar rückgängig machen kann. Daher ist Früherkennung wichtig und man sollte im Falle einer Erkrankung bzw. des Verdachtes einer Erkrankung nicht zögern, den Arzt aufzusuchen.

Schädigt Eiweiß die Nieren?

Die Datenlage hierzu ist uneinheitlich. Es gibt einigen Studien die nahelegen, dass die Eiweißaufnahme im großen Umfang möglicherweise eine Nierenerkrankung verschlechtern kann. Wir müssen hierzu wissen, dass im Allgemeinen in Deutschland die Eiweißaufnahme pro Tag deutlich zu hoch liegt. Wir empfehlen für Patienten die betroffen sind oder das Risiko haben, eine Nierenerkrankung zu erleiden, eine Eiweiß normalisierte Kost oder eine leicht Eiweiß reduzierte Kost. Das bedeutet: Die Eiweißaufnahme sollte 0,8 bis 1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag nicht überschreiten. Hier sind Ernährungsberaterinnen und Diätassistentinnen in der Lage, ganz individuell anhand eines Ernährungsplanes dies mit dem Patienten konkret zu besprechen.

Wie viel muss man Trinken bei einer Nierenschädigung?

Eine ausreichende Trinkmenge ist von Bedeutung. Man sollte also nicht dursten. Ansonsten ist eine Trinkmenge sicherlich dann korrekt, wenn Sie Ihrem eigenen Durstgefühl folgen. Bei höheren Stadien der Nierenerkrankung ist die übermäßige Flüssigkeitszufuhr sogar gefährlich. Man merkt es daran, dass Beinschwellungen, so genannte Ödeme, aufgetreten sind. Dies ist häufig der Fall, wenn zugleich auch eine Herzschwäche besteht. In diesem Fall ist übermäßiges Trinken gefährlich und man sollte gegebenenfalls nach Absprache mit dem Arzt die Trinkmenge reduzieren. Ansonsten gilt aber: Das Durstempfinden ist ausreichend, um den Flüssigkeitshaushalt konkret und korrekt einzustellen.

Muss die Diabetes-Therapie bei einer Nierenerkrankung geändert werden?

Viele Medikamente, die zur Behandlung des Diabetes mellitus eingesetzt werden, werden aus dem Körper über die Nieren ausgeschleust. Das heißt, Stadien abhängig ist hier tatsächlich zu entscheiden, ob diese Medikamente noch weiter eingenommen werden dürfen, oder ob sie zumindest in ihrer Dosis reduziert werden müssen. Dies gilt im Übrigen auch für das Insulin. Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die bei höhergradiger Nierenschwäche gar nicht mehr verordnet und eingenommen werden dürfen. Dazu zählt leider auch das Metformin, da hier die Gefahr einer Übersäuerung des Blutes besteht.

Ist eine Erkrankung der Nieren heilbar?

Es gibt eine gute Datenlage dafür, dass durch eine rechtzeitige Diagnostik und Therapie das Fortschreiten einer Nierenerkrankung aufgehalten werden kann. In vielen Fällen ist sogar eine Rückbildung bereits eingetretener Veränderungen möglich. Unser Therapieziel ist es daher, frühzeitig in diesen Krankheitsprozess einzugreifen, um das Abgleiten in eine höhergradige Nierenschwäche unbedingt zu vermeiden.

Kann ich als Diabetiker eine Nierentransplantation bekommen?

Patienten mit Diabetes mellitus können, wie alle anderen nierenkranke Menschen auch, transplantiert werden. Es wird im Vorfeld einer Transplantation kritisch untersucht, ob möglicherweise Erkrankungen bestehen, die gegen eine Transplantation sprechen. Sollte dies nicht der Fall sein, stehen für Menschen mit Diabetes Transplantationen selbstverständlich zur Verfügung. Wir unterscheiden neben der Nierentransplantation auch die kombinierte Pankreas- und Nierentransplantation, wo Bauchspeicheldrüse und Niere in einem Eingriff transplantiert werden, insbesondere bei Patienten mit Typ-1-Diabetes. Darüber hinaus gibt es auch die Verwandtenspende. Das heißt, es besteht die Möglichkeit durch einen Verwandten eine Lebendspende zu erhalten, sofern ein geeignetes Organ zur Verfügung steht.

Welche Nierenerkrankungen kann man bekommen?

Diabetische Menschen können, wie alle anderen Menschen auch, ganz verschiedene Nierenerkrankungen erleiden, beispielsweise Nierensteine oder aber auch Nierenbeckenentzündungen. Das Risiko ist allerdings besonders hoch für eine spezielle diabetische Nierenerkrankung, die diabetische Nephrophatie. Und diese Erkrankung ist geprägt dadurch, dass es im Verlauf zu einer zunehmenden Verödung der kleinen und kleinsten Nierengefäße und Nierenkanälchen kommt.

Was muss ich beachten, wenn eine Schädigung festgestellt wurde?

Wenn eine Schädigung der Nieren diagnostiziert wurde ist von besonderer Wichtigkeit, dass die bisherigen Therapiemaßnahmen überprüft und gegebenenfalls optimiert werden. Die Grundsäulen der Therapie bei der diabetischen Nierenerkrankung bestehen darin, die diabetischen Stoffwechseleinstellungen zu optimieren und den Blutdruck gut einzustellen. Darüber hinaus ist von besonderer Wichtigkeit, dass weitere schädigende Faktoren, wie zum Beispiel häufige Einnahme von Schmerz- und Rheumamitteln, unbedingt vermieden werden. Außerdem ist wichtig, dass potentiell Nieren-schädliche Maßnahmen oder Medikamente entweder ganz vermieden werden oder so selten wie möglich zur Anwendung kommen. In diesem Zusammenhang sind Röntgenkontrastmittel zu erwähnen. Denn eine einmal vorgeschädigte Niere reagiert sehr empfindlich auf weitere schädigende Faktoren.

Gibt es bestimmte Nahrungsmittel die man meiden sollte?

Dies ist anhängig von der Schwere einer Nierenerkrankung. In den Anfangsstadien der Nierenerkrankung ist eine besondere Diät nicht unbedingt erforderlich. In späteren Stadien muss man darauf achten, dass eine übermäßige Zufuhr von Kalium und Phosphat vermieden wird. Bei Patienten mit Bluthochdruck ist wichtig, dass die Kochsalzzufuhr reduziert wird. Das heißt, nachsalzen sollte in der Regel nicht erfolgen und man sollte auch darauf achten, wenn man sich beispielsweise von Fertigprodukten ernährt, hier kochsalzarme Produkte zu benutzten.

Ab wann empfiehlt es sich einen Nierenspezialisten aufzusuchen?

Viele Programme sehen die Einschaltung eines Nierenspezialisten vor, wenn Auffälligkeiten festgestellt worden sind. Das trifft zum Beispiel bei den Disease-Management-Programmen zu, wenn eine Albuminurie festgestellt wurde. In diesem Fall ist eine erstmalige gründliche Untersuchung der Nieren vorgesehen. Die weiteren Folgeuntersuchungen sind Stadien-abhängig mit den Nephrologen zu besprechen. Bei einem Stadium 3 bis 4, das heißt, wenn die Nierenfunktion etwa nur noch zu 50% und weniger vorhanden ist, sollten regelmäßige Besuche beim Nephrologen stattfinden. Denn nur durch die gemeinsame Betreuung des Nephrologen zusammen mit dem Diabetologen und dem Hausarzt kann eine gut abgestimmte Behandlung des Patienten erreicht und das Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen vermieden werden. Es muss z.B. verhindert werden, dass Medikamente mit schädigenden Nebenwirkungen auf die Niere noch weiter verordnet werden.

Wann sollte man mit einer Dialyse beginnen?

Grundsätzlich muss die Aufnahme einer Dialysetherapie bei einem Stadium 5 der Niereninsuffizienz erwogen werden. Das bedeutet dann, dass nur noch weniger als 15 Prozent der normalen Nierenfunktionen vorhanden sind. Wann letztendlich dann die Nierenersatztherapie – die Dialysetherapie – aufgenommen werden muss, hängt von weiteren Faktoren ab: Beispielsweise, ob der Körper noch in der Lage ist, das Wasser zeitgerecht auszuscheiden oder sammelt sich Wasser im Körper an. Das gefährlichste wäre die Wasseransammlung in der Lunge. Hier müsste dann spätestens mit der Dialyse anfangen werden.

Weitere Risikofaktoren sind ein Anstieg des Kaliumspiegels im Blut, was zu einer Kaliumvergiftung führen kann. Auch hier müsste man dann mit der Dialyse früher anfangen. Im Allgemeinen wird der Patient selber aufmerksam durch einen weiteren Abfall seiner Leistungsfähigkeit und das ist verbunden mit Beschwerden, die wir Urämie-Beschwerden nennen. Wenn der Patient z.B. regelmäßig über eine morgendliche Übelkeit klagt oder wenn er sich sogar übergeben muss, dann sollte man unbedingt mit der Dialyse beginnen, sofern diese Symptome im Rahmen des Stadiums 5 der Nierenschwäche auftreten. Dann ist im Allgemeinen der Zeitpunkt da, die Hämodialysetherapie oder die Bauchfelldialysetherapie aufzunehmen.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Privat-Dozent Dr. med. Werner Kleophas zum Thema Nierenerkrankungen, aufgenommen als Video im April 2011


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