Unser Experte für Schilddrüsenerkrankungen – Basics

PROF. DR. MED. MATTHIAS SCHOTT
schott

Spezialisierungen:
Endokrinologie, Schilddrüsen-Erkrankungen, Endokrine Tumore

Leiter der Endokrinologie des Universitätsklinikums Düsseldorf, Leiter des Endokrinen Tumorzentrums der Uniklinik Düsseldorf, Mitglied der Sektion Schilddrüse der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Matthias Schott zum Thema “Schilddrüsenerkrankung”

Was ist ein Schilddrüsen-Kropf?

Ein Kropf ist eine Vergrößerung der Schilddrüse, wobei für Männer und für Frauen unterschiedliche Obergrenzen gelten. Ursachen für einen Kropf ist meistens ein Jodmangel oder auch eine direkte Erkrankung der Schilddrüse. Dabei kommt es entweder zu einer diffusen Vergrößerung der Schilddrüse oder auch zu Knoten in der Schilddrüse.

Was ist eine Schilddrüsen-Überfunktion?

Bei der Schilddrüsen-Überfunktion zirkuliert zuviel Schilddrüsenhormon im Blut, was eine Reihe von Symptomen auslöst. Typische Symptome einer solchen Hyperthyreose sind unter anderem schneller Puls, Herzklopfen, Schweißneigung, Schlafstörungen, Zittern der Hände, Haarausfall, Wärme-Intoleranz und Gewichtsabnahme, trotz gutem Appetit.

Wodurch wird eine Schilddrüsen-Überfunktion ausgelöst?

Ursachen für eine Schilddrüsen-Überfunktion sind z. B. der Morbus Basedow oder Hormon-produzierende Schilddrüsenknoten. Zusätzlich gibt es auch eine große Zahl weiterer Auslöser, wie z.B. eine übermäßige Zufuhr von Schilddrüsenhormonen oder auch von Jod-haltigen Substanzen.

Was ist eine Schilddrüsen-Unterfunktion?

Bei der Schilddrüsen-Unterfunktion wird von der Schilddrüse zu wenig Hormon produziert. Dies führt zu vielen klinischen Symptomen, wie z.B. Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kälteempfindlichkeit, langsamen Pulsschlag und Verstopfung. Ursache hierfür ist häufig ein Jodmangel oder eine Hashimoto-Thyreoiditis. Auch Patienten, die eine Schilddrüsen-Operation durchgemacht haben und danach keine Tabletten einnehmen, haben ein hohes Risiko, eine Schilddrüsen-Unterfunktion zu bekommen.

Wie kann man eine Schilddrüsen-Unterfunktion behandeln?

Die Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion erfolgt durch die Gabe von Schilddrüsenhormonen. In der Regel wird dabei L-Thyroxin (T4) gegeben, in bestimmten Fällen auch eine Kombination von Thyroxin und Jod. Die Dosis kann vom Arzt ganz genau festgestellt werden, indem man die Schilddrüsenfunktionswerte im Blut bestimmt. Meist kann dies am besten durch den TSH-basal-Wert angezeigt werden.

Welche Untersuchungsmethoden gibt es?

Neben der klinischen Untersuchung des Patienten kommen verschiedene Untersuchungstechniken zum Einsatz. Im Vordergrund steht dabei die Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse. So wird hier nicht nur die Größe der Schilddrüse begutachtet, sondern auch ob Knoten vorhanden sind. Weiterhin wird das Blut auf Schilddrüsenhormone und auf Schilddrüsenantikörper untersucht. Wichtig sind die Hormone TSH, freies T4 und freies T3. Falls Knoten nachzuweisen sind, so ist meist eine Schilddrüsenszintigraphie angezeigt. Dabei können heiße oder kalte Knoten diagnostiziert werden. Im Falle von kalten Knoten muss man meist eine sogenannte Feinnadelaspirationsbiopsie durchführen. Das Punktat wird dann unter dem Mikroskop begutachtet, um einen bösartigen Prozess auszuschließen.

Können Schilddrüsenknoten medikamentös behandelt werden?

Wenn Schilddrüsenknoten festgestellt wurden, so geht es zunächst um den Ausschluss bösartiger Knoten, die grundsätzlich operiert werden sollten. Wenn im Szintigramm heiße Knoten festgestellt worden sind und eine Überfunktion vorliegt, so wird man zunächst die Überfunktion behandeln und dann eine Radiojod-Therapie oder eine Operation durchführen. Wenn es sich allerdings um gutartige Knoten handelt und die Schilddrüse insgesamt vergrößert ist, so kann man eine Therapie mit Schilddrüsenhormon und Jod durchführen, um zumindest einer weiteren Größenzunahme der Schilddrüse vorzubeugen.

Was ist eine Hashimoto-Thyreoiditis?

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Autoimmunerkrankung des Menschen. Dabei kommt es zum Einwandern von Immunzellen in die Schilddrüse. Diese Immunzellen führen entweder zum Anschwellen der Drüse mit Kropfbildung oder zur kompletten Zerstörung der Drüse. Beides kann eine Unterfunktion der Schilddrüse auslösen. Eine solche Unterfunktion muss mit Schilddrüsenhormonen behandelt werden.

Wie wird der Morbus Basedow behandelt?

Beim Morbus Basedow mit Überfunktion der Schilddrüse werden zunächst Medikamente verabreicht, die sogenannten Thyreostatika, die die Hormon-Produktion in der Schilddrüse bremsen. Nach 6 bis 12 Monaten wird ein sogenannter Auslass-Versuch gemacht, um nachzusehen, ob die Patienten überhaupt noch Thyreostatika brauchen. In der Hälfte der Fälle brauchen die Patienten dann zunächst keine Medikamente mehr, d. h. es ist dann zu einer Spontanheilung gekommen. Falls jedoch eine Überfunktion wieder auftritt, so muss eine sogenannte definitive Therapie erfolgen, d. h. eine Radiojod-Therapie zur Inaktivierung der Schilddrüse oder eine weitgehende Entfernung der Schilddrüse durch Operation.

Wie werden Schilddrüsenkarzinome diagnostiziert?


Hinweise auf ein Schilddrüsenkarzinom – auf einen bösartigen Schilddrüsentumor – ergeben sich häufig schon im Ultraschall. Es existieren verschiedene Ultraschall-Kriterien, an denen man häufig schon den Verdacht auf das Vorliegen eines Schilddrüsentumors erheben kann. Auch wenn ein Schilddrüsenknoten beim Abtasten nicht gut verschieblich ist, so besteht der Verdacht auf einen bösartigen Schilddrüsentumor. Wenn sich bei der Schilddrüsenszintigraphie ein kalter Knoten zeigt, dass heißt wenn ein Knoten nicht hormonaktiv ist, so ist dies verdächtig und es muss dann häufig eine Feinnadelpunktion dieses Knotens durchgeführt werden. Wenn der zytologische Befund unter dem Mikroskop verdächtig ist, so muss eine Schilddrüsen-Operation erfolgen.

Kann Schilddrüsenkrebs behandelt werden?

Schilddrüsentumore können heute in der Regel sehr gut therapiert werden. Im Vordergrund steht dabei die Operation, wobei meist die Schilddrüse ganz entfernt wird. Nicht selten müssen auch betroffene Halslymphknoten mit entfernt werden. Danach werden die meisten Patienten mit einer sogenannten Radiojod-Therapie behandelt. Radioaktives Jod wird dabei als Tablette zugeführt und sucht direkt den Weg in die Schilddrüse, wo es speziell aufgenommen wird und durch eine ganz lokale Bestrahlung die Schilddrüsen-Restzellen zerstört. Durch diese Therapie kann in den meisten Fällen eine komplette Heilung eines Schilddrüsenkarzinoms erreicht werden.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Matthias Schott zum Thema Schilddrüsen-Erkrankungen, aufgenommen als Video im Oktober 2011, überarbeitet im Juni 2012


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