Unser Experte für zerebrales Aneurysma

PROF. DR. MED. HARTMUT VATTER
vatter

Spezialisierungen:
Zerebrales Aneurysma, Behandlung des zerebralen Aneurysma, Hirngefäßchirurgie, Hirntumorchirurgie

Facharzt für Neurochirurgie, Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Bonn. Spezialgebiet sind die Hirngefäßchirurgie, Hirntumorchirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, Epilepsiechirurgie, Kinderneurochirurgie sowie die funktionelle Neurochirurgie, Neuromodulation und Radiochirurgie.

 

Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Hartmut Vatter zum Thema Zerebrales Aneurysma

 

 

Was ist ein zerebrales Aneurysma, wo tritt es am häufigsten auf?

Ein zerebrales Aneurysma ist eine krankhafte Gefäßwandaussackung im Bereich von Hirngefäßen. Es kommt bei allen basalen Hirngefäßen vor. Es entsteht immer an der Stelle, beim Zusammenspiel vonGefäßwandschwäche und Blutstrom, der dahinstößtoder wenn esdort eine Blutverwirbelung gibt.

 

 

Was sind mögliche Ursachen für ein zerebrales Aneurysma?

Ein zerebrales Aneurysma entsteht  immer, wenn eine Gefäßwandschwächeund ein Blutstrom, der dahinstößt, vorliegen. Dementsprechend sind Erkrankungen, die eine Gefäßwandschwäche verursachen, Risikofaktoren für die Entstehung von Aneurysmen. Da gibt es einzelne Syndrome. Die meisten sind aber im Detail nicht bekannt. Ein Beispiel ist die polyzystische Nierenerkrankung. Ein schlecht eingestellter Blutdruck oderdas Rauchen sind klare Risikofaktoren für die Entstehung von Aneurysmen.

 

 

Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung von Aneurysmen?

Die häufigsten Risiken, die die Entstehung eines Aneurysmen begünstigen, sindBluthochdruck oder Rauchen. Grundsätzlich geht es immer um das Zusammenspiel zwischen Gefäßwandschädigung und einem Blutstrom, der dahinstößt. Deswegen führen sämtliche Erkrankungen, die die Gefäßwand schwächen dazu. Dazu zählen die polyzystische Niere oder das Ehlers-Danlos-Syndrom. Beide sind jedoch relativ selten.

 

 

Gibt es Symptome, die für ein zerebrales Aneurysma sprechen?

Die überwiegende Mehrheit der zerebralen Aneurysmen ist symptomlos und es sind Zufallsbefunde, die man im Rahmen einer bildgebenden Diagnostik entdeckt. In Einzelfällen können Hirnnerven gedrückt werden. Das kann zu einer Gesichtsfeldstörung oder Augenfeldstörung führen. Das wesentliche Symptom ist jedoch das Platzen eines Aneurysmas, was zu einer Subarachnoidalblutung führt.

 

 

Sollte ein zerebrales Aneurysma als Notfall behandelt werden?

Die überwiegende Mehrzahl der Aneurysmen ist symptomlos und stellt keinen Notfall dar. Es gibt eine große Anzahl an Menschen, die Aneurysma-Träger sind und dessen Aneurysmen zeitlebens nicht rupturieren. Es sollte insgesamt abgeklärt werden und der Durchmesser und die Lage des Aneurysmas dargestellt werden.

 

 

 

Wie wird ein zerebrales Aneurysmadiagnostiziert?

Um ein zerebrales Aneurysmazu diagnostizieren, gibt es grundsätzlich die Möglichkeit der nicht-invasiven Schnittbilddiagnostik. Das ist eine CT-Angiographie oder eine Kernspintomographie mit einer Angiofrequenz, wo man das Aneurysma sehen oder entdecken kann. Um seine Struktur und seine Art optimal oder genau zu beschreiben, benötigt man eine invasive Diagnostik, die so genannte digitale Subtraktionsangiographie. Das ist eine Katheter-Untersuchung, bei der mittels Kontrastverabreichung die Gehirngefäße dargestellt werden.

 

 

Wie kann das zerebrale Aneurysma behandelt werden?

Die erste Frage ist dabei immer, ob es überhaupt und wirklich behandelt werden muss.Das hängt von der Größe und der Lage des Aneurysmas ab und das Alter des Patienten ist entscheidend. Die etablierten Behandlungsverfahren sind einmal das interventionelle Coiling, da wird durch die Leistenarterie eine Platinspirale in das Aneurysma gebracht.  Das weitere interventionelle Behandlungsverfahren ist ein mikroneurochirurgisches Clipping, dabei wird während der Operation das Aneurysmamittels eines Metallclips verschlossen.

 

 

Wie wird dieoptimale Behandlung für den Patienten ausgewählt?

Um die optimale Behandlung für den Patienten und dessenAneurysma auszuwählen, braucht man sowohl einen erfahrenen Operateur als auch einen erfahrenen Interventionalisten, so dass die beiden Behandlungsmöglichkeiten mikroneurochirurgisches Clipping oder endovaskuläresCoilingverglichen werden können und der optimale Behandlungsweg festgelegt werden kann.

 

 

Welchen Vor- und Nachteil haben die beiden Behandlungsformen?

Die beiden etablierten Behandlungsformen des zerebralen Aneurysmassind einmal das operative mikroneurochirurgische Clipping und auf der anderen Seite das endovaskuläre Coiling. Das endovaskuläre Coiling ist eindeutig weniger invasiv. Es wird quasi durch die Leistenarterie eine Metallspirale ins Aneurysma eingebracht.Insgesamt ist die Langzeitstabilität im Vergleich zu der operativen Behandlung geringer.

 

Die operative Variante ist deutlich invasiver. Der Schädel muss eröffnet werden und das Aneurysma mit einem Clip ausgeschaltet werden.Hier haben wir aber eine sehr lange Erfahrungen und Beobachtungen gemacht. Eine Stabilität dieser Ausschaltung ist fast immer gewährleistet.

 

 

Was sollten Patienten mit implantierten Stents/Clips/Coils beachten?

Unterschiede sind natürlich ein Stent, ein Clip oder ein Coil. Bei einem Coil oder einem Clip muss nichts Wesentliches beachtet werden. Die Furcht, dass irgendwo beim Flughafen oder bei einem Magnetfeld etwas passieren könnte, sind bei modernen Coils und Clips nicht gegeben. Bei Stents besteht eine gewisse Gefahr, dass sich ein Thrombos im Bereich des Stents bildet.Deswegen muss man mit dem behandelnden Arzt abklären, ob eine dauerhafte Einnahme von einem Plättchenaggregationshemmer wie Aspirin notwendig ist.

 

 

Wann besteht die Gefahr einer Ruptur des Aneurysmas?

Grundsätzlich besteht immer dann eine Gefahr einer Ruptur, wenn ein Aneurysma da ist. Die Rupturgefahrwahrscheinlichkeit ist je nach Größe und Lage des Aneurysmas unterschiedlich,in den meisten Fällen allerdings gering. Die Rupturgefahrwahrscheinlichkeit ist bei einem schlecht eingestellten Bluthochdruck oder Beinvenen erhöht. Man kann die Ruptur auch nicht durch eine konsequentes Vermeidung von Anstrengungen vermeiden oder verhindern, sondern es geht im wesentlichen um die Größe und die Lage des Aneurysmas.

 

 

Welche Symptome sprechen für eine Aneurysma-Ruptur?

Das ganz klassische Krankheitsbild einer Aneurysma-Ruptur, eine so genannte Subarachnoidalblutung, ist ein schlagartiger Kopfschmerz, der einsetzt wie ein Schalter der umgelegt wird. Das kann von einem reinen Kopfschmerz bis hin zu massiver Bewusstseinsstörungen und bis hin zu einem Koma reichen.

 

 

Was ist bei einer Aneurysma-Ruptur unbedingt zu tun?

Zunächst stellt sich die Frage, wie ausgedehnt die Aneurysma-Ruptur gewesen ist. Es handelt sich jetzt um eine Subarachnoidalblutung. Das ist ein absoluter Notfall, der sofort behandelt werden muss. Die Gefahr, dass es zu einer weiterenBlutung innerhalb des nächsten Tageskommt, ist so hoch, dass man eine Behandlung desAneurysmas in den nächsten 24 Stunden erzwingen muss. Diese muss in einem Spezialzentrum erfolgen. Wenn das gelingt und durchgeführt wurde, gibt es weitere Störungen: einerseits das die Hirnwasserzirkulation gestört ist, durch das Blut, was ausgeströmt ist. Das ist ein so genannter Hydrozephalus.  Nach stattgefundenen Blutungen bilden sich innerhalb der nächsten fünf bis zehn Tage Gefäßspasmen, die man nur durch einen künstlich erzeugten Bluthochdruck behandeln kann.

 

 

Welche Innovationen erwarten Sie in den nächsten 3-5 Jahren?

Die wesentliche Innovation wird sein, dass wir besser wissen, welche Aneurysmen wirklich gefährlich sind und damit zu platzen drohen und welche einfach da sind und keine Gefahr für den Patienten darstellen. Daneben wird es weitere technische Verbesserungen im Bereich der operativen Behandlung geben, wie zum Beispiel bessere Mikroskope oder Einbau von Angiografien in die Mikroskope. Bei der endovaskulären Therapie wird es bessere Stent-Verfahren mit anderen Maschen geben, die sicherer eingebracht werden können und die so die Behandlung vereinfachen.

 

 

Quelle:  Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Hartmut Vatter zum Thema Zerebrales Aneurysma aufgenommen als Video im November 2014


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