Unser Experte für Gebärmutterhalskrebs

Prof. Dr. med. Sara Yvonne Brucker

Spezialisierungen: Gebärmutterkrebs, Brustkrebs, Jugendgynäkologie, Korrektur gynäkologischer Fehlbildungen

Institution und Position: Ärztliche Direktorin des Forschungsinstituts für Frauengesundheit am Universitätsklinikum Tübingen und Stellv. Direktorin des Departments für Frauengesundheit am Universitätsklinikum Ulm. Lehrstuhlinhaberin (W3) für Spezielle Gynäkologie und Frauengesundheit an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

Stand: 14.03.2018

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med. Sara Yvonne Brucker zum Thema “Gebärmutterhalskrebs”

Wie gefährlich ist der Gebärmutterkrebs?

Gebärmutterkrebs ist nicht gleich Gebärmutterkrebs und das ist ganz wichtig. Man muss unterscheiden, ob der Krebs z.B. in der Gebärmutterhöhle sitzt oder ob er am Gebärmutterhals sitzt. Generell gilt, dass Gebärmutterkrebs unabhängig von der Lokalisation ein Krebs ist, der oft sehr, sehr früh erkannt wird und deshalb sind auch die Heilungschancen sehr, sehr groß. Wir können solche Patientinnen normalerweise mit einer einzigen Therapie heilen.

Gibt es Risikofaktoren für den Gebärmutterkrebs? Die Antibabypille?

Es gibt Risikofaktoren für Gebärmutterkrebs und auch da gilt wieder die Unterscheidung: ist es ein Krens des Gebärmutterhalses oder der Gebärmutterhöhle. Man weiß inzwischen, dass der Gebärmutterhalskrebs hauptsächlich durch Viren ausgelöst wird, die sogenannten humanen Papillomaviren. Das sind Viren, die hauptsächlich beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, aber gerade dafür gibt es inzwischen eine Impfung, eine richtige Prävention gegen Krebs. Wenn man den Gebärmutterkörperkrebs anschaut, hat die Antibabypille in dem Sinn nicht die Wirkung als Risikofaktor. Man muss aber bedenken, dass in Zusammenschau, wenn eine Patientin z.B. übergewichtig ist oder wenn sie einen Diabetes oder Bluthochdruck hat, dann zählt sie schon eher zu den Frauen, die ein Risikoprofil haben und deshalb auch immer wieder engmaschig beim niedergelassenen Gynäkologen vorstellig werden sollten.

Besteht nach den Wechseljahren ein besonderes Krebsrisiko?

Generell gilt, dass beim Gebärmutterkrebs, egal ob Gebärmutterhöhlenkrebs oder Gebärmutterhalskrebs, die Wechseljahre eher zur Frühentdeckung beitragen. Der Vorteil der Wechseljahre, und in dem Fall kann man tatsächlich von Vorteil bei den Wechseljahren sprechen, ist, dass wenn in den Wechseljahren eine Blutung auftritt, die dann eben als postmenopausale Blutung bezeichnet wird, dass das ein sehr frühes Zeichen für eine mögliche Gebärmutterkörperkrebs-Erkrankung ist. Das heißt, Gebärmutterkrebs der in den Wechseljahren oder danach auftritt, ist ein Krebs der in einem ganz, ganz frühen Stadium erkannt wird, eben durch dieses erste Zeichen der sogenannten PMB, das heißt einer postmenopausalen Blutung.

Was kann ich selber tun, um das Krebsrisiko zu senken?

Gerade beim Gebärmutterkrebs haben wir eine sehr gute Präventionsmöglichkeit, das heißt eine sehr gute Strategie, um tatsächlich Krebs zu verhindern, denn wir wissen, dass der Gebärmutterhalskrebs zu 98% durch die sogenannten humanen Papillomaviren ausgelöst wird. Diese Viren kommen bei geschlechtsaktiven Frauen in der Bevölkerung bei einem überwiegenden Anteil immer wieder vor und normalerweise bekämpft der Körper diese Viren. Wenn er diese aber über viele Jahre hinweg nicht erfolgreich beseitigt, dann entsteht durch die fortlaufende örtliche immunologische Auseinandersetzung mit dem Gewebe irgendwann Gebärmutterhalskrebs. Um diese Viren erst gar nicht dazu zu bringen, dass sie die Zellen verändern, gibt es seit einigen Jahren die sogenannte HPV-Impfung, nämlich die Impfung zur Verhütung einer Infektion mit diesen Viren, und damit zur Verhinderung der Entstehung von Gebärmutterkrebs.

Auf welche Symptome sollte die Frau achten?

Das Gute beim Gebärmutterkrebs ist, dass es normalerweise eine Krebsart ist, die wir schon in einem sehr frühen Stadium, normalerweise sogar schon bei Vorstufen entdecken können. Und hier ist es ganz wichtig und das erzähle ich auch immer meinen Patientinnen, und bitte erzählen Sie das auch ihren Töchtern, gehen Sie regelmäßig zur Vorsorge. Nehmen sie bei den niedergelassenen Kollegen einmal im Jahr die Vorsorgeuntersuchung, den Krebsabstrich, wahr. Damit haben Sie die beste Gewähr, dass erst gar keine Symptome auftreten und dass dabei tatsächlich schon Krebsvorstufen erkannt werden können. Wenn Sie beim Geschlechtsverkehr immer mal wieder z.B. bluten oder wenn Sie schon in den Wechseljahren sind und eine ungewöhnliche Blutung bemerken, dann sollten Sie Ihren Gynäkologen aufsuchen und dies abklären lassen.

Wie wird ein Krebsverdacht abgeklärt?

Wenn Sie beim Geschlechtsverkehr plötzlich bluten oder wenn Sie in den Wechseljahren sind und es plötzlich zu einer Blutung aus der Scheide kommt, dann sollten Sie zu ihrem niedergelassenen Gynäkologen gehen. Der wird als Erstes einmal auf dem normalen gynäkologischen Untersuchungsstuhl eine Untersuchung durchführen und mit einem Mikroskop den Gebärmutterhals anschauen. Eventuell färbt er auch den Gebärmutterhals und dann kann er durch das Mikroskop Zellverbände sehen und bestimmte Areale in diesem Gebärmutterhals sehen, die dann eventuell verändert sind. Vielleicht muss man auch eine kleine Gewebeprobe entnehmen oder zumindest einen Krebsabstrich anfertigen, der dann ins Labor geschickt wird und innerhalb von wenigen Tagen hat man dann ein Ergebnis ob Zellen verändert sind.

Wie wird Gebärmutterkrebs sicher diagnostiziert?

Generell kann man sagen, dass Krebs immer dann sicher diagnostiziert ist, wenn eine Gewebeprobe vorliegt. Das gilt für alle Krebsarten. Das heißt auch beim Gebärmutterkrebs braucht man eine sogenannte histologische Untersuchung zur Sicherung derDiagnose. D.h. man kann z.B. in Lokalanästhesie eine kleine Gewebeprobe vom Gebärmutterhals nehmen oder in einer Kurznarkose eine sogenannte Ausschabung machen, um aus der Gebärmutterhöhle, ein kleines Gewebestück des Gebärmutterkörpers entfernen. Dies wird dann zum in die Pathologie geschickt. Der Pathologe untersucht dann das Gewebe unter Mikroskop, er führt spezielle Färbungen durch und weiß dann ganz genau ob Krebs vorliegt oder nicht.

Was ist bei der Diagnostik/Untersuchung zu beachten?

Wenn der Verdacht besteht, dass Gebärmutterkrebs vorliegt, müssen Sie keine Angst haben vor einer Abklärung, weil dies ganz normal auf dem gynäkologischen Untersuchungsstuhl stattfinden kann. Man kann ganz einfach den Gebärmutterhals anschauen und auch die jungen Frauen, die Jugendlichen, die jungen Mädchen, müssen keine Angst haben, dass z.B. das Jungfernhäutchen dabei verletzt wird. Man kann auch mit ganz kleinen, sogenannten Spekula durch das Jungfernhäutchen durchschauen und den Gebärmutterhals anschauen und so eine kleine Gewebeentnahme tut auch nicht weh. Es ist nur ein stecknadelkopfkleines Stückchen, was eventuell vom Gebärmutterhals entfernt wird. Da braucht man nicht mal eine Betäubung dafür.

Gibt es Alternativen zur Ausschabung der Gebärmutter?

Bevor eine Ausschabung der Gebärmutter vorgenommen wird, ist zunächst einmal der Abstrich dran. Das heißt zunächst wird vom Gebärmutterhals und vom sogenannten Zervikalkanal, das ist der Kanal der innerhalb des Gebärmutterhalses verläuft und in den Körper der Gebärmutter mündet, ein Abstrich genommen. Das kennen Sie ja von der normalen Krebsvorsorge. Dann wird noch eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt , und zwar durch die Scheide und auch dort wird zunächst einmal die Schleimhaut beurteilt und bevor dann tatsächlich in Narkose eine Ausschabung gemacht wird, kann man auch mit einer sogenannten Pipelle, das ist ein ganz ganz kleines Röhrchen, was dann in die Gebärmutter eingeführt wird, eine ganz winzig kleine Gewebeprobe aus dem Gebärmutterkörper entnehmen.

Wann kommen weitere bildgebende Verfahren in Frage?

Wenn der Verdacht besteht, bzw. wenn tatsächlich die Diagnose Gebärmutterkrebs gesichert ist, dann wird zunächst einmal eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, und zwar transvaginal, also durch die Scheide hindurch. Dabei kann die Schleimhaut, aber auch die Gebärmutter an sich beurteilt werden. Heutzutage wird daran anschließend ein MRT, also eine Kernspinuntersuchung gemacht. Wir in Tübingen machen sogar noch ein sogenanntes PET-MRT. Damit kann man kleine mit Krebs besiedelte Areale aufleuchten lassen und präzise markieren.

Welche Bedeutung hat die Tumorklassifikation bei Gebärmutterkrebs?

Jeder Krebs wird mit der sogenannten Tumorklassifikation eingeteilt. Diese Tumorklassifikation beschreibt das sogenannte TNM-Stadium. Dabei stehen diese drei Buchstaben für die Tumorgröße, für den sogenannten Nodalstatus, das heißt den Lymphknotenbefall, und für eine Metastasierung. Wie bei jedem anderen Krebs auch, ist es ganz wichtig, dass wir genau wissen in welchem Stadium sich der Krebs befindet, weil wir die Patientin dann ganz individuell behandeln können. Durch diese Stadien-adaptierte Behandlung können wir eine Über- oder auch Untertherapie vermeiden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bei Gebärmutterkrebs gibt es?

Die Behandlung von Gebärmutterkrebs ist abhängig vom Tumorstadium. Je geringer das Tumorstadium, desto weniger weit fortgeschritten ist der Krebs und man kann beim Gebärmutterkrebs oder beim Gebärmutterhalskrebs, wenn die Frau noch sehr jung ist und z.B. noch Kinderwunsch besteht, sogar organerhaltend behandeln. Darauf sind wir als zertifiziertes gynäkologisches Zentrum spezialisiert; dabei erfolgt z.B. nur eine Umschneidung des Muttermundes oder eine Teilentfernung des Muttermundes, unter Erhaltung des Gebärmutterkörpers, sodass die Frau danach tatsächlich wieder schwanger werden und auch ein Kind gebären kann. Auch die sogenannte Schlüssellochchirurgie hat in die Behandlung des Gebärmutterkrebs Einzug gehalten. Hierbei ist es ganz wichtig, dass kein Längsschnitt mehr benötigt wird. Das heißt wir müssen nicht mehr die Bauchhöhle komplette öffnen, sondern wir können durch ganz kleine Einstiche für die Schlüssellochchirurgie, ungefähr 0,5 cm große Einstiche, den gesamten Gebärmutterkrebs operativ angehen. Bei der Behandlungsstrategie ist es auch außerordentlich wichtig, die regionalen Lymphknoten anzuschauen und zu beurteilen ob sich der Krebs schon in die Lymphknoten ausgebreitet hat. Mit neuen Verfahren können wir befallene Lymphknoten sichtbar machen und dann ganz gezielt nur die befallenen Lymphknoten entfernen oder die Lymphknoten, die bei einer Ausbreitung des Krebses als erstes befallen werden. Damit können wir Komplikation verhindern, die durch eine Lymphabflussstörung hervorgerufen werden und z.B. zu einem Lymphödem der Beine, also dicken Beinen oder einer Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Bauch führen. Insgesamt sind die Behandlungsmethoden bei Gebärmutterkrebs in den vergangenen Jahren sehr stark weiterentwickelt worden, insbesondere werden die Eingriffe heute bevorzugt minimal-invasive durchgeführt. Sollte danach noch eine Strahlentherapie notwendig sein, so wird auch diese heutzutage sehr präzise, gezielt und individuell angewandt. Wenn wir z.B. bei der Operation gesehen haben, dass die Lymphknoten gar nicht befallen sind, können wir die Bestrahlung auf ein ganz kleines Feld beschränken, und auch dieses wird exakt ausgemessen, sodass strahlenbedingte Nebenwirkungen deutlich geringer geworden sind.

Wann ist eine operative Entfernung die beste Wahl?

Generell gilt dass eine Operation immer angezeigt ist, wenn ein Gebärmutterkrebs festgestellt worden ist. Beim Gebärmutterkrebs haben wir die Möglichkeit, dass dieser schon ganz früh erkannt wird und deshalb sogar die Möglichkeit, dass wir organerhaltend operieren können. Das heißt wenn der Krebs noch nicht weit fortgeschritten ist, können wir z.B. nur den Gebärmutterhals entfernen und den Gebärmutterkörper belassen, sodass hinterher eine Schwangerschaft wieder möglich ist. Ganz wichtig ist, dass bei Gebärmutterkrebs normalerweise nur eine sogenannte der möglichenTherapiemodalitäten gewählt wird. Das heißt, man sollte entweder komplett operieren oder die Gebärmutter drin lassen und dann bestrahlen.

Wann ist eine Bestrahlung eine sinnvolle Therapieoption?

Es kommt darauf an, in welchem Stadium sich die Krebserkrankung befindet. Bei einem frühen Stadium von Gebärmutterkrebs ist normalerweise die Bestrahlung gar nicht notwendig und schon gar nicht eine Chemotherapie. Wenn der Krebs aber schon etwas fortgeschritten oder größer ist, dann steht als Erstes die Beurteilung der Lymphknoten im Vordergrund und hier ist es ganz wichtig, darauf zu achten. Man kann nämlich heutzutage diese Lymphknotenentfernung minimal-invasiv durchführen, das heißt wir würden zunächst eine sogenannte Schlüssellochchirurgie durchführen und mittels dieser Schlüssellochchirurgie die Lymphknoten beurteilen und ggf. entfernen. Daran würde sich eine Strahlentherapie anschließen. Man wird in dem Fall normalerweise die Gebärmutter zunächst erstmal im Körper belassen, damit man ganz gezielt diesen Krebs dann auch bestrahlen kann und nicht das umgebende Gewebe oder umgebende Organe bestrahlen muss, wie z.B. die Harnblase, die oberhalb der Gebärmutter liegt oder den Darm, der unterhalb der Gebärmutter liegt. Das heißt, dass nur die Gebärmutter selbst bestrahlt werden soll und nicht durch die Bauchdecke hindurch auch die Blase und der Darm bestrahlt werden.

Wie ist die Prognose für eine Heilung bei Gebärmutterkrebs?

Generell ist die Prognose bei Gebärmutterkrebs exzellent, weil wir sehr gute Früherkennungsmöglichkeiten haben. Das heißt durch die regelmäßige Krebsvorsorge bei der ein Abstrich genommen wird und Zellen untersucht werden im Bereich des Gebärmutterhalses, sehen wir schon oft sogar nur Vorstufen. Das heißt wir können mit einer Operation die Patientin komplett heilen, aber auch wenn der Krebs z.B. in den Wechseljahren auftritt, als sogenannter Gebärmutterkörperkrebs, dann ist das erste Zeichen oft eine sogenannte PMB Blutung, d.h. eine Blutung nach der Menopause. Auch das ist ein sehr frühes Zeichen, sodass man generell eigentlich, wenn man sich einen Krebs aussuchen dürfte, eher einen Gebärmutterkrebs nehmen würde wie einen anderen Krebs, weil da die Heilungschancen mit einer Operation exzellent sind. Aber nicht nur die Heilung ist exzellent, sondern auch die Vorsorge bzw. die Prävention ist inzwischen möglich. Durch eine Impfung gegen sogenannte humane Papillomaviren können wir heute sogar Gebärmutterhalskrebs verhindern.

Wie kann ich meinen Partner am besten einbinden?

Ganz wichtig bei einer Krebserkrankung, die so etwas intimes wie die Weiblichkeit betrifft, nämlich ihre Gebärmutter: reden Sie mit ihrem Partner darüber. Binden Sie ihn ein indem Sie ihm sagen “Hilf mir, begleite mich”, indem Sie offen auch über ihre Ängste sprechen und ermuntern Sie auch Ihren Partner über seine Ängste zu sprechen, weil das wichtig ist. Sie müssen gemeinsam da durch und Sie müssen aber auch gemeinsam immer wieder zueinander finden. Haben Sie keine Angst z.B. vor Geschlechtsverkehr nach einer solchen Operation. Reden Sie mit Ihrem Partner darüber, wenn Sie bereit sind, aber geben Sie Ihrem Partner auch Mut, dass Sie jetzt bereit sind und auch wieder bereit sind mit ihm intim zu werden.

Welche Neuerungen bei der Diagnostik/Behandlung gibt es gegenwärtig?

Bei Gebärmutterkrebs haben wir verschiedene neue Behandlungs- aber auch Diagnostikmöglichkeiten und wir haben sogar eine Prävention. Wir haben eine Impfung gegen Krebs, eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Sollte trotzdem der Krebs bei Ihnen diagnostiziert worden sein, gibt es moderne, bildgebende Verfahren wie z.B. das MRT, also die Kernspinuntersuchung und das PET-MRT was noch sehr viel gezielter einzelne Tumorfelder aufleuchten lässt und eine gezielte Entnahme ermöglicht. Aber auch Behandlungsmethoden in der eigentlichen Therapie hat sich ganz viel getan. Wichtig hierbei ist, dass wir heutzutage sogar bei Krebs minimalinvasiv operieren können. Das heißt wir brauchen keinen großen Bauchschnitt mehr mit drei Wochen Krankenhausaufenthalt, sondern wir können den Gebärmutterkrebs minimalinvasiv operieren. Wir können sogar minimalinvasiv Lymphknoten operieren. Das heißt nach wenigen Tagen verlassen sie das Krankenhaus und haben keinen Längsschnitt mehr, keinen Bauchschnitt von dem sie sich eventuell sehr viel später erst erholen würden, aber auch die Teilentfernung bei Gebärmutterkrebs ist inzwischen möglich und es ist sogar eine gezielte Entfernung der Lymphknoten möglich. In Tübingen verwenden wir den gleichen sogenannten Tracer, das heißt wir verwenden genauso eine Substanz wie wir es beim Brustkrebs auch haben, um gezielt den sogenannten Wächterlymphknoten darzustellen und verhindern damit, dass man komplett alle Lymphknoten aus dem Becken oder sogar um die Bauchschlagader heraus entnehmen muss, sondern ganz gezielt nur diesen Wächterlymphknoten entfernen können, um damit Nebenwirkungen wie z.B. dicke Beine oder Flüssigkeit im Bauch zu vermeiden.

Welche neuen Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten 3-5 Jahren?

Beim Gebärmutterkrebs tut sich schon sehr, sehr viel. Ich denke aber, dass gerade die schonendere und die gezielte Entfernung der Gebärmutter, aber auch der Lymphknoten weiter flächendeckend Einzug halten wird und die Minimierung des Operationstraumas, indem man z.B. auch die Nerven gut darstellt und schont. Früher gab es die sogenannte Wertheim-Blase. Das heißt nach jeder Gebärmutterentfernung, der Wertheim-Operation bei Krebs hatten die Frauen Probleme mit dem Wasserlassen. Das können wir heute schon sehr präzise vermeiden, indem wir die Nerven sehr gut darstellen können bei der Operation und da werden uns in den nächsten drei bis fünf Jahren neue Techniken, wie bessere Bildgebung, wie bessere Darstellungsmöglichkeiten, noch weiter helfen, aber auch bei der Bestrahlung wird es präzisere Geräte geben und vielleicht tut sich auch etwas in der sogenannten Immuntherapie. Das heißt, dass wir bei der Therapie anschließend an die Operation das Immunsystem deutlich noch stärken können und die Immunantwort verbessern können um den Krebs 100% zu heilen.

Ist Gebärmutterkrebs ein Tabuthema?

Gerade Gebärmutterkrebs betrifft ja eines der ureigenen weiblichen Organe, die Gebärmutter. Deshalb ist es leider immer noch in der Öffentlichkeit ein Tabuthema und insbesondere die Möglichkeiten der Prävention wie z.B. die HPV-Impfung sind noch nicht in der Gesamtbevölkerung angekommen. Deshalb engagieren wir uns vom Forschungsinstitut für Frauengesundheit, aber insbesondere auch von ZERVITA, auch ganz, ganz stark im Sinne der Aufklärung, der Laienaufklärung, der Bewusstseinsmachung für die Möglichkeiten der Früherkennung oder sogar für die Möglichkeit der Prävention von Gebärmutterhalskrebs.

Infos zur Person

Seit vielen Jahren engagiere ich mich im Bereich der Gynäkoonkologie, das heißt der Krebserkrankungen der Frau, insbesondere auch Krebserkrankungen im Genitalbereich, das heißt im Bereich der Gebärmutter. Ich bin seit über 10 Jahren im Vorstand bzw. Mitglied verschiedener Arbeitsgruppen, die sich um die Gebärmutterhalskrebsformen und die Behandlung, aber auch die Erforschung von Ursachen von Gebärmutterhalskrebs kümmern. Etwas was mir ganz wichtig ist und was mir am Herzen liegt ist auch die Prävention von Krebs und insbesondere in dem Fall von Gebärmutterhalskrebs. Die Früherkennung von Krebs und da engagieren wir uns, insbesondere auch vom Forschungsinstitut für Frauengesundheit, extrem was das Bewusstsein, was Aufklärung sowohl im Laienbereich aber eben auch im Expertenbereich ist und haben sehr viele Innovationen angestoßen, was Therapien angeht – von Gebärmutterkrebs insbesondere die sogenannten Schlüssellochtherapien und die schonende Entfernung der Lymphknoten.

Infos zur Klinik

Als zertifiziertes, universitäres Krebszentrum, insbesondere gynäko-onkologisches Krebszentrum haben wir die gesamte Bandbreite von neuen innovativen Therapiemöglichkeiten über die normalen Standardverfahren, die an unserer Klinik angeboten werden. Insbesondere aber auch neue Möglichkeiten für Therapie, insbesondere in der sogenannten Schlüssellochchirurgie oder auch in der Schonung von Lymphbahnen, in der Schonung von der Entfernung von Organen. Wir können teilweise auch bei Krebs organerhaltend operieren und dies insbesondere mit unseren interdisziplinären Partnern aus z.B. der Strahlentherapie oder auch der Bildgebung, der Radiologie. Wir bieten ein breites Spektrum, gerade auch in der Vernetzung mit unseren niedergelassenen Kollegen, die sie im Vorfeld normalerweise als Patientin zunächst diagnostizieren und die dann in ganz engem Austausch mit unseren Kollegen in den Spezialsprechstunden, aber auch mit den Kollegen in den anderen Disziplinen inkorporieren.

Lebenslauf:

Beruflicher Werdegang

02/2014 Ärztliche Direktorin Forschungsinstitut für Frauengesundheit Stellvertretende Geschäftsführende Ärztliche Direktorin Department
für Frauengesundheit, Universität Tübingen
08/2013 Ruf: Lehrstuhl und Professur Universitäts-Frauenklinik Würzburg Julius-Maximilians-Universität Würzburg
12/2011 W3-Professur für Spez. Gynäkologie und Frauengesundheit Universitäts-Frauenklinik Tübingen
03/2011 Ruf: Lehrstuhl und Professur Universitäts-Frauenklinik Salzburg Paracelsus Medizinische Privatuniversität
12/2010 Leitung des Zentrums für seltene genitale Fehlbildungen (ZSGF) im Zentrum für seltene Erkrankungen (ZSE) Sprecher
des ZSE: Prof. Dr. O. Riess, Direktor der Abteilung für Med. Genetik
12/2009 Habilitation und Venia Legendi für das Fach Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Eberhard-Karls-Universität, Tübingen
Titel: „Die Vaginalaplasie: Aktuelle Diagnose- und Therapiekonzepte“
01/2008 Geschäftsführende Oberärztin der Universitäts-Frauenklinik Tübingen
Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. med. D. Wallwiener
01/2006 Oberärztin und Leitung des Instituts für Frauengesundheit
an der Universitäts-Frauenklinik, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. med. D. Wallwiener
09/2005 Anerkennung als Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
12/01 – 12/05 Assistenzärztin
Universitäts-Frauenklinik, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. med. D. Wallwiener
12/2001 Approbation
06/00 – 11/01 Ärztin im Praktikum Universitäts-Frauenklinik,
Eberhard-Karls-Universität Tübingen Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. med. D.
Wallwiener
10/93 – 05/00 Studium der Humanmedizin an der
Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg i. Br.
03/98 – 07/98 Studium der Humanmedizin an der Université Pierre et
Marie Curie, Paris
05/2000 Promotion an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
im Breisgau
Abteilung für Neurologie, Prof. Dr. C.H. Lücking Titel:
„Präattentive visuelle Informationsverarbeitung bei Patienten mit Morbus
Parkinson“ Note: magna cum laude

Wissenschaftspreise

2003 Forschungspreis der AGE für junge Wissenschaftler
2008 Innovationspreis der DGGG

 

2000 – jetzt – Hauptvorlesung Gynäkologie und Geburtshilfe
– Blockpraktikum der Frauenheilkunde und Geburtshilfe
– Vertiefungsseminare in Kleingruppen im Bereich spezielle Gynäkologie und
2005 – jetzt – Interdisziplinäre Fallkonferenzen Jugendgynäkologie
– „Teaching, training and testing“-Kurse der EAGS in MIC
– „Teaching-Live-Surgeries“ für ESHRE, AAGL, ESGE, DGGG

Mitgliedschaften:

Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Senologie
Mitglied im St. Gallen Panel
Board of Directors of the European Society for Gynaecological Endoscopy (ESGE)
Mitglied im Vorstand AG Endoskopie (AGE)
Mitglied AG Gynäkologische Onkologie (AGO), Kommission „Uterus“
Mitglied im Vorstand der DGGG als Kongresspräsidentin 2016
Mitglied Zertifizierungskommission Brustkrebszentren, Deutsche Krebsgesellschaft (DKG)
Mitglied S3-Leitliniengruppe „Mammakarzinom“
Gründungsmitglied ISUTx (International Society of Uterus Transplantation)

Publikationen:

  • S. Brucker, U. Krainick, M. Bamberg, B. Aydeniz, R. Kreienberg, D.
    Wallwiener Brustzentren – Rationale, funktionelles Konzept, Definition
    und Zertifizierung Gynäkologe 2003; 36: 862-877
  • S. Brucker, W. Zubke, D. Wallwiener, B. Aydeniz Optimierung der
    laparoskopisch-assistierten Neovagina-Anlage durch neue
    Applikationsinstrumente inklusive einem neuen mechanischen Spannapparat
    Geburtsh Frauenheilk 2004; 64: 70-75
  • Brucker S, Aydeniz B, Gegusch M, Wallwiener D, Zubke W Improvement of
    endoscopically assisted neovagina: new application
    instruments and
    traction device Gynecol Surg 2004; 1: 133-138
  • S. Brucker, U. Krainick-Strobel, R. Kreienberg, M. Bamberg, D.
    Wallwiener Brustzentren – Entwicklung in Deutschland Onkologe 2005;
    11: 285-297
  • W. Zubke, J. Baltzer, D. Wallwiener, S. Brucker Suprazervikale
    Hysterektomie per Laparoskopie im Vergleich zur totalen Hysterektomie
    Geburtsh Frauenheilk 2005; 65: 102-109
  • U. Krainick-Strobel, H. Abele, H. Kusicka, D. Wallwiener, S. Brucker
    Rezertifizierung und Brustzentren – Aufwand, Qualitätsgewinn, Chancen
    Geburtsh Frauenheilk 2006; 66: 696-699
  • K. Rall, U. Krainick-Strobel, B. Böer, T. Iftner, S. Brucker
    Aufklärung und Prävention in der Jugendgynäkologie – Eine Aufgabe für die
    Frauenärztin/ -arzt Geburtsh Frauenheilk 2006; 66: 500-505
  • S. Brucker, M. Halber, C. Belka, T. Wolff, D. Wallwiener Die
    elektronische Brustkrebs-Akte: Qualitätssicherung ohne Bürokratie
    Geburtsh Frauenheilk 2007; 67: 884-888
  • Brucker S, Solomayer E, Zubke W, Sawalhe S, Wattiez A, Wallwiener D
    A
    newly developed morcellator creates a new dimension in minimally invasive
    surgery J Minim Invas Gyn 2007; 14(2): 233-9
  • I. V. Gruber, E. H. Schmidt, R. L. De Wilde, D. Wallwiener, S. Brucker
    Aspekte der Qualitätssicherung in der gynäkologischen Endoskopie Geburtsh
    Frauenheilk 2007; 67: 352-358

 

Weitere Publikationen