Unser Experte für Leukämie – Basics

PROF. DR. MED. ARNDT BORKHARDT
borkhardt

Spezialisierungen:
Leukämie und Lymphome bei Kindern, Stammzelltransplantation, Hämatologie und Onkologie

Facharzt für Kinderheilkunde, Direktor der Klinik für Kinder-Onkologie, Kinder-Hämatologie und Klinische Immunologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, Mitglied der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Deutschland, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Entstehung der Leukämie und Entwicklung neuer Therapieverfahren bei Kindern.

 

Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Professor Dr. med. Arndt Borkhardt zum Thema Leukämie bei Kindern

 

Was ist eine Leukämie? Welche Symptome sind typisch?

Eine Leukämie ist eine bösartige Erkrankung, die im Knochenmark entsteht und dann zur Ausschwemmung dieser Leukämiezellen in den Körper bzw. in viele Organe und auch zum Teil in das zentrale Nervensystem führen kann.Die Symptome sind Blässe, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Fieber, immer wiederkehrende Infektionen, vermehrte blaue Flecke und Blutungen.

 

 

Welche Formen von Leukämie gibt es?

Es gibt akute und chronische Leukämien. Im Kindesalter ist die übergroße Mehrzahl (98 Prozent) aller Leukämien akut. Sie treten sehr plötzlich und sehr unvermittelt auf. Chronische Formen sind sehr selten. Die Therapie unterscheidet sich sehr fundamental zwischen diesen beiden Formen.

 

 

Was ist der Grund, dass unser Kind an Leukämie erkrankt ist?

Einen speziellen Grund gibt es nicht.Man kann nicht sagen, dass es einen Fehler in der Vergangenheit gegeben hat. Es ist eine schicksalhafte Erkrankung, die unvorbereitet das Kind oder die Familie trifft, ohne einen spezifischen Grund ausmachen zu können.

 

 

Hätte man die Erkrankung durch vorbeugende Maßnahmen vermeiden können?

Die Leukämie im Kindesalter ist per se nicht vermeidbar.Es trifft das Kind unvorbereitet und ohne Schuld.Viele Tumorerkrankungen im Erwachsenenalter habeneher eine lange Vorgeschichte und hängen mit Lifestylefaktoren zusammen. Das ist im Kindesalter in der Regel nicht der Fall.Die Krankheit ist nicht vermeidbar und nicht vorbeugend zu behandeln.

 

 

Welche Behandlungsmethoden gibt es für Leukämieerkrankungen?

An erste Stelle sei die Chemotherapie zu nennen, diese ist in letzten Jahren sehr perfektioniert worden. Zusätzlich zu der Chemotherapie kommen Antikörper und zelluläre Therapieverfahren zum Einsatz.

 

 

Wie lange dauert die Behandlung?

Die Behandlung einer Leukämie im Kindesalter geht zwischen mehreren Phasen. An erste Stelle zu nennen, ist die intensive intravenöse zu applizierende Chemotherapie, die dauert sechs Monate mit Unterbrechungen.Daran schließt sich eine anderthalb jährige Dauertherapie an, die mit Tabletten durchgeführt wird. So, dass wir von einer Gesamttherapiezeit von zwei Jahren ausgehen.

 

 

Wie sehen die Heilungschancen aus?

Die Heilungschancen sind  sehr gut.Bei einigen Leukämieformen liegen sie über 90 Prozent, bei anderen etwas darunter.Allgemein sagt man, dass 80 Prozent aller Kinder mit Leukämieerkrankungen dauerhaft gesund werden und die Erkrankung dauerhaft überwinden, groß werdenund ein selbstbestimmtes eigenständiges Leben führen können.

 

 

In welchem Zeitraum kann eine Leukämieerkrankung wieder auftreten?

Rückfälle von Leukämieerkrankten treten in den ersten zwei Jahren nach Therapieende auf,  im Einzelfall auch noch später. In sehr wenig Fällen treten auch noch nach über 5 Jahren nach der Erstbehandlung auf. Aber die meistender Patienten kommt in den ersten 24 Monaten nach Therapieende mit einem Rückfall wieder in die Klinik.

 

 

Was passiert, wenn die Erkrankung wiederkommt?

Rückfallerkrankungen müssen ebenfalls wieder intensiv mit Chemotherapie behandelt werden und dann schließt sich in vielen Fällen ein zelluläres Therapieverfahren an, in aller Regel eine Knochenmarktransplantation.

 

 

Besteht ein erhöhtes Risiko für die gesunden Geschwister zu erkranken?

Bis auf wenigen Ausnahmen ist es nicht der Fall. Gesunde Geschwisterkinder von Leukämiepatienten haben selber kein erhöhtes Leukämierisiko. Eine kleine Ausnahme betrifft einzellige Zwillinge, die sehr selten vorkommen.

 

 

Benötigt mein Kind eine Knochenmarktransplantation?

Das hängt zuallererst von der Art der Leukämie bzw. den Risikofaktoren ab.Es gibt auch seltene Konstellationen, da benötig das Kind eine Knochenmarktransplantation schon bei der Ersterkrankung mit einer Leukämie.Sonst benötigt man eine Knochenmarktransplantation in aller Regel bei Rückfallerkrankungen.

 

 

Kann ich für mein Kind Knochenmark oder Stammzellen spenden?

Das ist möglich. Ein Elternteil kann für das erkrankte Kind Knochenmark oder Stammzellen spenden.

 

 

Was passiert, wenn kein passender Spender zur Verfügung steht?

An erster Stelle kann man die Patienten beruhigen. Es sind 14 Millionen freiwilligeFremdspender weltweitin Registern registriert.Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass man einen passenden fremden Spender findet.Für dieFälle, wo tatsächlichkein Spender gefunden ist, steht immer noch das Verfahren der Elternkeimtransplantation, bei demVater oder Mutter, also ein Elternteil für das leukämieerkrankte KindStammzellenspenden kann, zur Verfügung.

 

Gibt es Therapieverfahren ohne Chemotherapie?

Ja, gibt es.Sie sind sehr spezifisch und von der Leukämieform abhängig.In den letzten Jahren sind beide Therapieformen, sowohl die Therapie mit Antikörper als auch die Therapie mit Immunzellen, sehr auf denVormarsch bzw. weiter entwickelt worden.

 

 

Kann mein Kind während der Behandlung in die Schule gehen?

Das ist unter der Phase der intensiven intravenös zu applizierenden Chemotherapie nicht der Fall, da muss das Kind zu Hause bleiben.Sofern es sich um ein Schulkind handelt, bekommt es Hausunterricht von der Schule gestellt.Während der Phase der Dauertherapie, die anderthalb Jahre dauert, kann das Kind wieder ganz normal in den Kindergarten oder zur Schule gehen.

 

 

Muss ich während der Behandlung besonders auf die Ernährung achten?

Ja, das muss man.Insbesondere  rohes Fleisch, Fisch oder ungewaschenes nicht geschältes Obst ist nicht zu konsumieren, weil es durch diese Nahrungsmittel zur Übertragung von Krankheitserregern  kommen kann, die unter Chemotherapie nicht adäquat vom Immunsystem bekämpft werden können.

 

 

Kann mein Kind später selbst einmal Kinder bekommen?

Das ist in aller Regel der Fall.Eine Ausnahme sind Kinder nach einer allogenen Knochenmarkstransplantation.Hier geht man in der Regel davon aus, dass die Fertilität, die Fruchtbarkeit, nachträglich eingeschränkt ist.

 

 

Haben diese ein erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken?

Nein, haben sie nicht.Die Nachkommen von erfolgreich an Leukämie behandelten Kindern haben selbst kein erhöhtes Leukämierisiko.

 

 

Was gibt es derzeitig Neues in der Behandlung?

Die pharmazeutische Industrie hat im letzten Jahr eine Reihe von Medikamenten auf den Markt gebracht, die die Leukämiebehandlung einfacherer und sicherer gemacht haben und wie die Zukunft sicherlich zeigen wird, auch noch erfolgreich als in der Vergangenheit.

 

 

Welche Neuerungen erwarten Sie in den nächsten 3-5 Jahren?

Ich erwarte insbesondere eine Weiterentwicklung der zellulären bzw. der Knochenmarkstransplantationverfahren, als auch eine Neuentwicklungim Bereich der Antikörpern und der sogenannten smallmolecules, das sind kleine Inhibitoren von bestimmten Eiweißen, die als Tabletten dem Patienten verabreicht werden können.

 

 

Quelle: Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Professor Dr. med. Arndt Borkhardt zum Thema Leukämie bei Kindern aufgenommen als Video im März 2014


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