Ein Experte für Lungenentzündungen

PROF. DR. MED. CLAUS FRANZ VOGELMEIER
vogelmeier

Spezialisierungen:
Lungenentzündung, Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie und Kardiologie

Facharzt für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie und Kardiologie, Direktor der Klinik für Innere Medizin (Schwerpunkt Pneumologie) der Philipps Universität Marburg, Ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr.  Claus Franz Vogelmeier zum Thema “Lungenentzündung”

Was ist eine Lungenentzündung? Welche Formen gibt es?

Eine Lungenentzündung oder Pneumonie ist eine Erkrankung des Lungengewebes, die durch sogenannte Mikroben, also Keime, ausgelöst wird. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Formen von Lungenentzündungen. Die wichtigste Unterscheidung ist, ob die Lungenentzündung außerhalb des Krankenhauses – eine sogenannte ambulant erworbene Lungenentzündung – oder innerhalb des Krankenhauses – eine sogenannte Hospitalinfektion – erworben wurde. Das ist deshalb wichtig, weil dann ganz unterschiedliche Keime ins Spiel kommen und die Prognose, also die Auswirkungen der Erkrankung für die Patienten, von sehr unterschiedlichem Schweregrad ist.

Was sind die Ursachen für eine Lungenentzündung?

Die häufigsten Lungenentzündungen werden ausgelöst durch Bakterien. Da gibt es wiederum ein ganzes Spektrum von Bakterien, was in Frage kommt. Das können Bakterien sein, die gram-positiv oder gram-negativ sind, das bedeutet, dass sie ein unterschiedliches Färbeverhalten in der Kultur aufweisen. Darüber hinaus können auch Viren Lungenentzündungen auslösen und bei besonderen Patienten mit einem schlechten Immunsystem sind auch Pilze dazu in der Lage, eine Lungenentzündung hervorzurufen.

Welche Zeichen sprechen für eine Lungenentzündung?

Die Symptomatik beginnt typischerweise mit den Symptomen einer Bronchitis, das heißt der Betroffene hat Husten und eitrigen Auswurf. Dann kommt in aller Regel Fieber dazu, es kann niedriges Fieber sein, aber auch ganz hohes Fieber bis über 40°C. Die Patienten können frieren, das Allgemeinbefinden ist sehr schlecht, die Leistungsfähigkeit ist sehr reduziert und es kann sich auch eine deutliche Atemnot einstellen.

Was sind die Unterschiede zu einer Bronchitis?

Bei einer Bronchitis hat der Patient typischerweise und ausschließlich Husten und Auswurf. Dieser Auswurf kann ganz weiß, glasig sein, aber kann auch eitrig werden, also gelb oder grün. Bei der Lungenentzündung kommen dann typischerweise noch andere Symptome hinzu: Fieber, schlechtes Allgemeinbefinden, Atemnot. Alles Hinweise darauf, dass die Erkrankung nicht mehr auf die Bronchien beschränkt ist, sondern die Bronchien verlassen hat und ins Lungengewebe eingedrungen ist.

Kann aus eine Bronchitis eine Lungenentzündung werden?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Zumindest kann man sagen, dass die Lungenentzündung mit den Symptomen einer Bronchitis beginnen kann. Das heißt der Patient fängt an mit Husten und eventuell kann sich Auswurf dazu gesellen, dann kommen typischerweise die anderen Symptome wie Fieber, schlechtes Allgemeinbefinden, Atemnot nacheinander auch dazu. Wie gesagt, der Zusammenhang ist nicht ganz so klar. Es gibt Hinweise darauf, dass sich aus einer reinen Bronchitis auch eine Lungenentzündung entwickeln kann.

Sollte ich mich zuerst an meinen Hausarzt wenden?

Wenn man als Betroffener den Verdacht hat, dass eine Lungenentzündung vorliegen könnte, sollte man unbedingt sofort den Hausarzt aufsuchen. Sowohl deshalb weil eine möglichst früh einsetzende Antibiotika-Therapie von entscheidender Bedeutung ist für das weitere Wohl und Weh. Der Hausarzt führt dann eine klinische Untersuchung durch, er lässt Laboruntersuchungen vornehmen und er veranlasst eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs.

Wie wird eine Lungenentzündung diagnostiziert?

Neben den klinischen Hinweisen, den Symptomen, gibt es eindeutig auch Befunde, die für eine Lungenentzündung sprechen bzw. sie belegen. Die Diagnose einer Lungenentzündung kann nicht erfolgen ohne den Nachweis eines sogenannten Infiltrats, also einer Verdichtung im Röntgenbild des Thorax. Deshalb kann ohne die Aufnahme eines Röntgenbildes auch nicht eindeutig die Diagnose einer Lungenentzündung gestellt werden.

Wann spricht man von einer atypischen Pneumonie?

Der Begriff atypische Pneumonie ist vor einigen Jahrzehnten eingeführt worden, um die klassische Form der Lungenentzündung, die ausgelöst wird durch ganz bestimmte Bakterien, die sogenannten Pneumokokken, abzugrenzen von anderen Formen, die nicht so schwere Verläufe typischerweise machen. Das bedeutet, die Patienten haben nicht so hohes Fieber, sie fühlen sich nicht so schlecht. Im Röntgenbild gibt es typischerweise eine andere Art der Ausprägung: der Verdichtungsfiguren. Bei der körperlichen Untersuchung kann es oft sein, dass man überhaupt keinen pathologischen Befund erheben kann.

Wie wird eine Lungenentzündung behandelt?

Die Behandlung der Lungenentzündung besteht in der Gabe eines Antibiotikums. Die Auswahl des Antibiotikums richtet sich nach den Grundvoraussetzungen des Patienten. Hat der Patient eine chronische Erkrankung, hat er ein höheres Risiko, hat er vor kurzem schon einmal ein Antibiotikum bekommen, ist er im Krankenhaus? All diese Faktoren müssen bei der Auswahl des Antibiotikums berücksichtigt werden.

Welche Komplikationen können auftreten?

Eine normale Lungenentzündung, wenn sie frühzeitig behandelt wird, ist für den Patienten natürlich sehr belastend, aber stellt normalerweise kein großes Problem dar. Er wird sich nach einigen Wochen wieder erholt haben. Anders sieht es aus, wenn der Betroffene Komplikationen entwickelt. Da gibt es im Wesentlichen drei, die zu beachten sind. Das eine ist der sogenannte Lungenabszess, das heißt die Lunge um die Entzündung herum geht kaputt, es bildet sich eine eitrige Höhle. Das zweite ist das sogenannte Pleuraempyem, das heißt übersetzt, dass sich Eiter in das Rippenfell ergießt. Und das dritte, die gefürchtetste Komplikation, mit der höchsten Sterblichkeit ist die Blutvergiftung. Das bedeutet, dass die Bakterien aus dem Lungengewebe in die Blutbahn eintreten, dort in andere Organe fortgeschwemmt werden und dort erhebliche Komplikationen verursachen können.

Wer ist besonders gefährdet für eine Lungenentzündung?

Besonders gefährdet dafür, Lungenentzündungen zu entwickeln, sind Menschen mit chronischen Erkrankungen. Das kann eine Nierenerkrankung sein, eine Herzerkrankung, eine Lungenerkrankung kann eine Voraussetzung dafür darstellen, Diabetes, Patienten mit Tumorerkrankungen, also ein großes Spektrum von Erkrankungen im Hintergrund kann die Entstehung einer Lungenentzündung begünstigen. Darüber hinaus spielt ein höheres Lebensalter eine große Rolle, alle Menschen über 65 Jahren haben ein deutlich gesteigertes Risiko, Lungenentzündungen zu entwickeln und sind auch mit einer erheblich erhöhten Sterblichkeit belastet.

Was kann ich zur Verbeugung selber tun?

Ganz entscheidend für die Vorbeugung ist die Durchführung von entsprechenden Impfungen. Dazu gehört zum einen die Grippeschutzimpfung, diese sollte jedes Jahr erfolgen. Warum Grippeschutzimpfung, wenn es doch hauptsächlich um Bakterien geht? Deshalb weil die Virusinfektion typischerweise den Boden bereiten kann, dass sich dann Bakterien in der Lunge ansiedeln und entsprechende Komplikationen verursachen. Darüber hinaus ist es auch sinnvoll bei entsprechend gefährdeten Menschen, chronischen Erkrankungen, höheres Lebensalter, eine Impfung gegen Pneumokokken durchzuführen, weil das die wichtigsten Keime sind, die eine Lungenentzündung auslösen können.

Was gibt es Neues bei der Behandlung von Lungenentzündungen?

In den nächsten Jahren werden vermutlich neue Antibiotika auf den Markt kommen. Diese Antibiotika werden aber typischerweise für Patienten gedacht sein, die kompliziertere Formen der Lungenentzündung haben und die typischerweise auch im Krankenhaus behandelt werden müssen. Für praktisch alle Patienten, die gefährdet sind, eine Lungenentzündung zu entwickeln, ist aber relevant, dass wir jetzt einen neuen Impfstoff haben. Dieser Impfstoff zeichnet sich dadurch aus, dass er besonders für solche Menschen geeignet ist und besonders dort besonders effektiv ist, wo wir bisher Probleme hatten. Also bei den Patienten mit höherem Lebensalter und mit chronischen Erkrankungen.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Claus Franz Vogelmeier zum Thema Lungenentzündung aufgenommen als Video im Oktober 2012


Publikationen

Die Publikationen des Experten
publikationen-big-hover';

Hier finden Sie eine Auswahl von Publikationen unseres Experten.

Publikationen ansehen

Lebenslauf

DER LEBENSLAUF UNSERES EXPERTEN
lebenslauf-big-hover';

Lernen Sie unseren Experten kennen. Ein kurzer Überblick über die Karriere des Experten.

Lebenslauf ansehen

Mitgliedschaften

MITGLIEDSCHAFTEN DES EXPERTEN
aemter-big-hover';

Unsere Experten sind Kompetenzen auf Ihrem Gebiet und engagieren sich durch Mitgliedschaften.

Mitgliedschaften ansehen