Unser Experte für minimal-invasive Chirurgie – Basics

PROF. DR. MED. JÖRG SCHIPPER
schipper

Spezialisierungen:
Minimal-invasive Chirurgie im HNO-Bereich, Tumorchirurgie und Laserchirurgie, plastisch-rekonstruktive Chirurgie
Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik am Universitätsklinikum Düsseldorf.
Spezialist und langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet der minimal-invasiven Chirurgie, speziell endoskopische Chirurgie der Nase und der Nasennebenhöhlen, Ohr-Chirurgie sowie Gehör-verbessernde Eingriffe. Weitere Schwerpunkte sind die Tumorchirurgie, laserchirurgische Verfahren sowie die plastisch-rekonstruktive Chirurgie.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Jörg Schipper zum Thema “Minimal-invasive Chirurgie”

Was ist minimal-invasive Chirurgie?

Minimal-invasive Chirurgie, abgekürzt auch MIC, bedeutet eigentlich, dass man versucht, Gewebe schonend zu operieren. Man möchte gerne natürliche Körperhöhlenöffnungen nutzen oder kleinste Zugänge mit Verletzung der körperlichen Integrität durchführen, um dann in das Innere des Körpers zu gelangen. Das machen nicht nur wir Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, das machen auch zum Beispiel die Allgemeinchirurgen im Bauchbereich oder die Urologen. Es gibt zahlreiche Disziplinen, die sich mit diesem Verfahren beschäftigen und auch versuchen, das weiterzuentwickeln.

Wie hat sich diese Operationsmethode entwickelt?

Die Operationsmethode ist entstanden durch Entwicklung des Endoskops, denn erst dadurch haben wir die Möglichkeit gehabt durch kleinste Öffnungen, durch kleinste Hohlräume in das Innere des Körpers zu schauen. Das ging vorher gar nicht. Und erst in den 60er Jahren gab es die ersten Endoskope und mit Einführung und Verkauf der Endoskope auch im Medizinbereich gelang es, solche minimal-invasive Operationen durchzuführen. Das heißt, wir haben jetzt die Gelegenheit, dass wir mit dem Endoskop ins Körperinnere schauen und können dort die Pathologie identifizieren und dann entsprechend mit speziellen Instrumenten die Funktionsstörung oder die Pathologie beseitigen.

Welche Vorteile hat ein Patient bei diesem Verfahren?

Der große Vorteil ist, dass man atraumatisch und gewebeschonend operiert, dadurch kann man die Schmerzen lindern und man kann auch das Infektionsrisiko deutlich reduzieren, die Liegezeit im Krankenhaus wird dadurch geringer, das spart auch Kosten und für den Patienten ist es natürlich angenehmer, er ist wieder viel schneller Zuhause, viel schneller in seiner normalen natürlichen Umgebung und nimmt das unter Umständen gar nicht so wahr, dass er im Krankenhaus gewesen ist.

Wo sind die Einsatzgebiete für minimal-invasive Chirurgie?

Die Einsatzbereiche sind heutzutage nicht nur im HNO-Bereich, sondern auch im Bereich der Allgemeinchirurgie, der Neurochirurgie, der Urologie, eigentlich mittlerweile in fast allen chirurgischen Fachdisziplinen findet diese neue Methode Eingang. Es geht eben darum, möglichst gewebeschonend und atraumatisch in den Körper zu gelangen, um die Pathologie zu entfernen und es machen sich mittlerweile alle Fachdisziplinen diese neue Technologie zu Nutze.

Warum macht dieses Verfahren gerade im Kopfbereich Sinn?

Wir haben im Kopfbereich vielfältige natürliche Körperöffnungen, wie die äußeren Gehörgänge, der Naseneingang, die Mundhöhle und die kann man natürlich in hervorragender Weise nutzen, um hier, ohne eine weitere Verletzung herbeizuführen, in das Innere des Körpers zu gelangen. Und das tut man schon seit vielen Jahren, ganz besonders im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, wenn man zum Beispiel in den Kehlkopf schauen möchte, dort eine Pathologie oder eine Funktionsstörung beheben möchte, in die Speiseröhre, aber auch im Bereich der Nasennebenhöhlen wird dies bereits seit vielen Jahren durchgeführt.

Welche Gesundheitsstörungen können damit behandelt werden?

Es können heute, wenn es um chirurgische Maßnahmen geht, sehr viele Pathologien entfernt werden oder operativ beseitigt werden. Wie gesagt, das betrifft sowohl die Allgemeinchirurgie, die Bauchhöhlenchirurgie, aber auch im Bereich des Kopfes findet diese Technik zunehmend Einsatz, zum Beispiel in der Schädel-Basis-Chirurgie, wo wir gemeinsam mit den Neurochirurgen heute auch Tumore des Neurokraniums, des Hirns entfernen können, ohne von außen den Kopf zu öffnen, also wir können auf eine Trepanation verzichten und durch die Nase beispielsweise minimal-invasiv Pathologien entfernen.

Gibt es spezielle Risiken der minimal-invasiven Behandlung?

Wie mit allen Techniken gibt es natürlich auch hier Risiken, insbesondere das Fehlermanagement, das heißt kommt es zu einer Blutung oder zu einer Verletzung des Nervens, denn man hat natürlich beengte Verhältnisse. Man hat nicht so einen guten Überblick wie in der konventionellen, traumatischen Chirurgie hätte ich fast gesagt. Hier bedarf es besonderer Vorsichtsmaßnahmen, auch eines bestimmten Back-Ups, zum Beispiel, dass ein Neuroradiologe im Haus ist, dass man, falls es zu einer Blutung kommt, unter Umständen interstitiell, endovaskulär eine solche Blutung stoppen kann.

Wer trägt die Kosten einer solchen Behandlung?

In den meisten Fällen werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen. Man muss allerdings dazu sagen, dass derzeit bei den neu entwickelten Verfahren die Kosten teilweise höher sind als bei den konventionellen Verfahren und die Kassen aber nur die Kosten für die konventionellen Verfahren übernehmen, so dass diese Differenz zunächst einmal vom Krankenhaus oder vom Operateur übernommen werden muss. Wir arbeiten aber daran im Gespräch mit den Krankenkassen, dass dies auch dann entsprechend angepasst wird für die Zukunft.

Wo kann man sich denn operieren bzw. behandeln lassen?

In solchen Fällen ist es günstig, wenn sich der Patient bei den wissenschaftlichen Gesellschaften informiert, zum Beispiel der deutschen chirurgischen Gesellschaft oder der Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder der für Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie. Dort sind die Kompetenzen und Erfahrungen der einzelnen Operateure bekannt. Sie können sich natürlich auch informieren im Internet über die jeweiligen Homepages der Kliniken. Sicherlich ist es auch gut auf Bekannte zu hören, die vielleicht schon Erfahrung gesammelt haben und dann aufgrund dieser verschiedener Informationen eine Entscheidung zu treffen, an wen man sich wendet.

Wie wird sich die minimal-invasive Chirurgie weiterentwickeln?

Die minimal-invasive Chirurgie wird noch feiner werden, das heißt die Miniaturisierung wird noch weiter fortschreiten, die Instrumente werden noch kleiner werden. Das Endoskop wird wahrscheinlich wieder verschwinden, es wird dann ein sogenanntes Chip-on-the-tip-System geben, das heißt ein kleines Mikrokamerasystem ist auf dem Instrument, mit dem wir dann sowohl sehen als auch gleichzeitig manipulieren können. Dadurch kann man den Operationskanal noch kleiner machen und noch atraumatischer gestalten.

Was versteht man unter mechatronischer Assistenz?

Mechatronische Assistenz ist eigentlich eine besondere Art von Mechanik oder Unterstützung des Operateurs. Das können zum Beispiel kleinste Bewegungen sein, die in der Instrumentenspitze durchgeführt werden, weil dort zum Beispiel ein Piezoelement oder ein Aktuator sitzt, also ein Minielektromotor, der eine bestimmte Bewegung wie Schneiden, Greifen, Fassen durchführt. Es gibt natürlich auch größere Instrumente, das sind eine Art Roboterarme, die auch noch zur mechatronischen Assistenz gezählt werden, vor allen Dingen als Master-Slave-System, die dann zum Beispiel mit ganz ruhiger „Hand“ eine Bewegung hochpräzise durchführen und das reproduzierbar, egal zu welcher Tageszeit.

Quelle: Mitschrift des Frag-den-Professor.de – Experten-Interviews mit Herrn Prof. Dr. med. Dr. h.c. Jörg Schipper zum Thema Minimal-invasive Chirurgie aufgenommen als Video im Mai 2012


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