Unser Experte für Bluthochdruck – Basics

PROF. DR. MED. LARS C. RUMP
rump

Spezialisierungen:
Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Nieren-Transplantation

Direktor der Klinik für Nephrologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Mitglied des Vorstandes und des wissenschaftlichen Beirates der Deutschen Hochdruckliga e.V.

 

Die Mitschrift des Interviews mit Prof. Dr. med Lars C. Rump zum Thema “Bluthochdruck”

Woran erkennt man, dass der eigene Blutdruck zu hoch ist?

Herr Prof. Dr. Rump: Meist kann man das nicht selber erkennen. Es gibt zwar Symptome, die mit einem sehr hohen Blutdruck einhergehen können – Kopfschmerzen, Nasenbluten, Unwohlsein, Atemnot – aber das ist unspezifisch. Um einen Bluthochdruck festzustellen, muss man einfach den Blutdruck messen, ohne eine Messung geht das eben nicht.

Was können Ursachen für einen Bluthochdruck sein?

Herr Prof. Dr. Rump: Es gibt sehr vielfältige Ursachen für Bluthochdruck. Bis zu 20 Millionen der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland leiden an Bluthochdruck. Einerseits spielt die Veranlagung eine Rolle, also ob die Eltern oder andere nahe Verwandte einen Bluthochdruck haben. Außerdem spielt der Lebensstil eine große Rolle, und zwar: Zuviel Kochsalz, Übergewicht, zu wenig Bewegung und auch Umwelteinflüsse, wie Stress bei der Arbeit oder im sonstigen täglichen Leben tragen dazu bei, dass der Blutdruck mit den Jahren ansteigt. Daneben gibt es auch noch Erkrankungen, die mit Bluthochdruck einhergehen, wie z. B. Nebennieren-Erkrankungen oder Nebennierenrinden-Erkrankungen, die man bei der Feststellung eines Bluthochdrucks zunächst abklären lassen sollte.

Wann ist der Blutdruck zu hoch und welcher Wert ist entscheidend?

Herr Prof. Dr. Rump: Grundsätzlich gilt, dass Werte, die über 140/90 mm Hg liegen, zu hoch sind. Dann spricht man von Bluthochdruck, in der Fachsprache arterielle Hypertonie. Es kommt aber ganz entscheidend darauf an, wo und wann diese Blutdruckwerte gemessen werden. In der ärztlichen Praxis oder in der Apotheke gelten diese oben genannten Grenzwerte, wobei egal ist, ob der untere oder der obere Wert als zu hoch gemessen worden ist – in beiden Fällen spricht man von Bluthochdruck. Der obere Wert ist allerdings der gefährlichere. Bei Selbstmessungen, die man ja auch zu Hause durchführen kann, gelten andere Blutdruckgrenzwerte, nämlich 135/85 mm Hg. Wenn man ganz sicher gehen will, kann man beim Hausarzt eine Langzeitblutdruckmessung durchführen lassen.

Wie sollte der Blutdruck gemessen werden?

Herr Prof. Dr. Rump: In der Regel wird der Blutdruck in der Praxis oder der Apotheke gemessen. Ganz wichtig ist natürlich, dass zuvor eine gewisse Ruhezeit eingehalten wird. Falsch erhöhte Werte sollen damit vermieden werden. Bei der Messung in der Arztpraxis zeigen manche Menschen einen ausgeprägten „Weißkittel-Effekt“ mit einem erhöhten Blutdruck, obwohl er sonst normal ist. Dann empfehle ich, entweder eine Selbstmessung zu Hause mit Unterarm- oder Oberarmmanschetten oder noch besser eine Langzeitblutdruckmessung, die dann wirklich Sicherheit darüber gibt, ob ein Bluthochdruck vorliegt oder nicht. Das ist ganz wichtig, denn möglicherweise hängt eine lebenslange Behandlung davon ab.

Ist Bluthochdruck heilbar?

Herr Prof. Dr. Rump: Der Blutdruck kann durch eine richtige Behandlung immer eingestellt werden und in etwa 20% der Fälle kann ein Bluthochdruck sogar durch die Behandlung beseitigt werden. Heilbare Blutdruckerkrankungen liegen vor bei bestimmten Nierenerkrankungen und Nebennierenerkrankungen. Es gibt spezielle Nierenerkrankungen, die sogenannten Glomerulonephritiden – entzündliche Nierenerkrankungen – die man behandeln und damit den Blutdruck bessern kann. Dann gibt es Verengungen der Blutgefäße, die die Niere versorgen. Wenn man diese aufdehnt, kann man ohne Medikamente oftmals den Blutdruck einstellen.

Und es gibt noch Erkrankungen der Nebennieren, die ja Hormone produzieren und bei einer Überproduktion den Blutdruck steigern. Wenn man solche Hormon-produzierenden Tumore der Nebenniere feststellt, so können die entsprechenden Prozesse durch einen relativ kleinen operativen Eingriff beseitigt und der Blutdruck dadurch geheilt werden.

Eine ganz wichtige Erkrankung ist auch das sogenannte Schlaf-Apnoe-Syndrom. Das sind in der Regel Schnarcher, deren Atmung in der Nacht häufig und über längere Phasen aussetzt. Diese Patienten bekommen einen Bluthochdruck, der auch am Tage anhält. Diese Patienten profitieren durch die Anwendung einer Schlafmaske.

Was sind die Risiken des Bluthochdrucks?

Herr Prof. Dr. Rump: Die Risiken des Bluthochdrucks betreffen vor allen Schäden an den Blutgefäßen. Hier leiden insbesondere Organe, die reich mit Blutgefäßen versorgt sind, wie z. B. die Nieren, das Herz, das Gehirn und die Augen. Die Hochdruck-bedingten Schäden an der Niere, insbesondere bei Patienten mit Diabetes, haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen und führen häufig zu einem Dialyse-pflichtigen Nierenversagen. Weitere Folgeerkrankungen sind Herzinfarkt, Herzschwäche oder der Schlaganfall. Bei Bluthochdruck können auch Augenhintergrundveränderungen auftreten und zu einer Verschlechterung der Sehfähigkeit führen.

Was kann man selbst tun, um Bluthochdruck zu vermeiden?

Herr Prof. Dr. Rump: Da kann man einiges tun: Das wichtigste ist meiner Meinung nach, bei Übergewicht das Gewicht zu reduzieren und für Normalgewichtige das Körpergewicht zu halten. Übergewicht geht häufig mit Bluthochdruck einher. Das sieht man auch insbesondere bei Menschen mit Diabetes. Ein zweiter Punkt ist, dass man sich gesund ernährt. Da ist es ganz entscheidend, auf die Zufuhr von Kochsalz zu achten, die so gering wie möglich gehalten werden sollte, also nicht zuzusalzen. Und dann muss man in Bewegung bleiben. Das heißt körperliche Aktivität die dazu beiträgt, das Gewicht zu halten. Außerdem Abbau von Stress: Wenn es möglich ist, sich auch mal was Gutes tun und entspannen. Diese einfachen Lebensstilfaktoren tragen wesentlich dazu bei, das Risiko für Bluthochdruck zu minimieren.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Bluthochdruck und Diabetes?

Herr Prof. Dr. Rump: Patienten mit Diabetes haben häufig schon durch den erhöhten Blutzucker Gefäßschäden. Kommt jetzt noch der Bluthochdruck dazu, was sehr häufig der Fall ist, so sind die Organe Herz, Nieren Hirn und Augen besonders gefährdet. Hier ist es deshalb ganz wichtig, den Blutdruck optimal einzustellen. Patienten mit Diabetes profitieren davon besonders stark.

Man muss zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetikern unterscheiden. Menschen mit Typ-1-Diabetes haben meistens zunächst einen normalen Blutdruck, so lange die Nierenfunktion gut ist. Wenn sich auf Grund einer langfristig schlechten Blutzucker-Einstellung die Nierenfunktion verschlechtert, so tritt fast regelhaft ein Bluthochdruck auf. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist der Blutdruck meist schon bei Diagnose-Stellung des Diabetes erhöht. Da ist es entscheidend, den Blutdruck sofort einzustellen und zwar auf Werte, die etwas niedriger sind als die Zielblutdruckwerte von Patienten ohne Diabetes, nämlich 130 bis 135 mm Hg zu 80 bis 85 mm Hg. Das wäre ideal.

Gibt es besondere Blutdruckmedikamente für Menschen mit Diabetes?

Herr Prof. Dr. Rump: Ja, es gibt Medikamente, die für Diabetiker besonders geeignet sind. Aber ganz entscheidend ist, dass die Blutdruckzielwerte erreicht werden. Das wichtigste ist immer – egal mit welchem Medikament – der Zielblutdruck, also ein Bereich von 130 bis maximal 139 mm Hg systolisch und unter 80 bis maximal 85 mm Hg diastolisch. Es kommt also nicht in erster Linie auf die Auswahl des Medikaments an. Wenn aber Begleiterkrankungen vorliegen, dann kommen bestimmte Medikamenten-Klassen nicht mehr in Frage und andere sollten bevorzugt eingesetzt werden. Zum Beispiel sind Beta-Blocker bei Asthma kontraindiziert. Bei Menschen mit Diabetes sollten zunächst ACE-Hemmer oder sogenannte AT1-Blocker, also Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems eingesetzt werden.

Quelle: Frag-den-Professor.de – Experten-Interview mit Herrn Prof. Dr. med. Lars C. Rump zum Thema „Bluthochdruck“, als Video aufgenommen im Juni 2011


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