Medizinische Leitlinie für Tattoos und Piercings

Die amerikanische Gesellschaft der Pädiater hat erstmals eine ausführliche medizinische Leitlinie herausgegeben, in der spezielle Empfehlungen zu Tattoos und Piercings gegeben werden. Nachdem sich Vieles auf diesem Gebiet im nicht-medizinischen, offenen Bereich abspielt und in medizinischen Journalen nur die Komplikationen von Tattoos und Piercings ausschnittweise berichtet worden sind, war es an der Zeit, dieses Feld umfassender abzustecken. Jugendliche und junge Erwachsenen finden dabei mit Recht eine besondere Beachtung.

In dem medizinischen Bericht über „Tätowierung, Piercing und Scarifizierung“, der im Oktober 2017 in der Zeitschrift American Academy of Pediatrics erschienen ist, wird betont, dass sich heute Tätowierungen und Piercings durch alle sozialen Schichten ziehen und nicht mehr alleine auf spezielle soziale Gruppen wie Seeleute, Motorradclubs, Alkohol- und Drogenabhängige beschränkt sind. Dennoch können auch heute noch bestimmte Tätowierungen und Piercings bei der Jobsuche hinderlich sein. In der Leitlinie werden die verschiedenen Techniken im Detail beschrieben, einschließlich Ohr, Nase, Zunge, Nabel, Brustwarze und Penis und Schamlippen.

Die schwersten Komplikationen beim Tätowieren und Piercing sind Infektionen, nicht nur bakterielle Infektionen sondern auch HIV (also AIDS) oder auch Hepatitis C und Hepatitis B. Menschen, die Medikamente einnehmen, welche das Immunsystem schwächen, sollten solche Eingriffe nicht vornehmen lassen. Bevor jemand eine Tätowierung oder ein Piercing, und sei es auch nur am Ohr,  über sich ergehen lässt, sollte man sich vergewissern, dass die durchführende Einrichtung steril und sauber arbeitet und einen guten Ruf genießt. Verunreinigung der Nadeln, der Tinte oder der Haut müssen unbedingt vermieden werden. Beim Piercing müssen allergische Reaktionen auf das Schmuckstück in Betracht gezogen werden. Niobium und Titan sind leichtgewichtige Elementarmetalle, die selten eine allergische Reaktion verursachen. Die Scarifizierung ist deutlich eingreifender und besteht in Schneiden oder Einbrennen von Wörtern oder Bildern in die Haut, wodurch bleibende Narben entstehen. Jedoch kann auch das Entfernen von Tätowierungen und Piercings Probleme bereiten und ist bisweilen auch sehr kostspielig (1).

Expertenkommentar:

Diese Leitlinie ist insbesondere für Kinderärzte gedacht, um ihnen einen genauen Einblick in die Welt der Tätowierungen und des Piercings zu geben; sie ist aber auch für medizinische Laien sehr lesenswert und allgemein interessant.